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25.10.2014

CD-Receiver Pioneer PDX-Z9

Kleiner Mann sucht Anschluss

Kann Pioneers neuer SACD-Receiver PDX-Z 9 als eines der ersten HiFi-Geräte digitale Signale vom iPod verarbeiten? Diese Ankündigung hatte uns neugierig gemacht

von Ulrich Wienforth

Über ein spezielles iPod-Kabel mit einigen zusätzlichen Steckerstiften, so hatte es im Vorfeld geheißen, könnten aktuelle iPod-Modelle ihre Musikdaten – sogar kopiergeschützte – Bit für Bit in den SACD-Receiver speisen und von dessen hochkarätigem D/A-Wandler profitieren. Endlich ließe sich der Flaschenhals des Apple-Players, nämlich der eingebaute Wandler samt analoger Ausgangsstufe,  elegant umgehen – ganz offiziell mit Apple-Lizenz. Aus dem Porti würde eine highendige Musikquelle, sofern verlustfreie Dateien wie etwa WAV abgespielt werden.

Wir haben es ausprobiert: Den iPod Touch haben wir einmal über das beigepackte „digitale“ Spezialkabel, zum andern über das bisher von Pioneer verwendete „analoge“ iPod-Kabel an den PDX-Z9 angeschlossen. Tatsächlich waren Unterschiede zu hören, wenn auch keine dramatischen: Die „digitale“ Wie­dergabe klang schlanker, offener und präziser, die „analoge“ hatte aber mehr Druck und Schubkraft – und gefiel uns bei einigen Musikstücken sogar besser.

Dann ab ins Messlabor mit dem Apple/Pioneer-Gespann, und wieder mit beiden Kabeln gemessen. Überraschung: Die Messwerte unterscheiden sich nur marginal. Zapft der Pioneer am Ende doch nur Analogsignale ab, ganz gleich über welches Kabel? Rückfrage bei Pioneer, ein Blick ins Schaltbild, und schließlich war klar: Pioneers SACD-Receiver kann keine digitalen iPod-Daten verarbeiten. Wir hatten in beiden Fällen das analoge Ausgangssignal des iPod gehört, und die festgestellten Klangunterschiede waren nur die Unterschiede zwischen den zwei Kabeln gewesen. Schade eigentlich. Dann bleibt als derzeit einzige Möglichkeit, dem iPod digitale Daten zu entlocken, das Wadia-Dock – das freilich mehr kostet als der ganze iPod. Eine andere, noch wesentlich teurere Alternative ist Pioneers neues AV-Verstärker-Flaggschiff SC-LX90: Das soll über die iPod-Buchse und das Spezialkabel tatsächlich Bits aus dem Apple-Porti verarbeiten können.

Innenansicht des CD-Receivers Pioneer PDX-Z9
In den beiden Silberkästchen hinter den Lautsprecherklemmen sitzen die digitalen Endstufen

Nun ist Pioneers PDX-Z9 aber auch ohne digitale iPod-Schnittstelle ein hochinteressantes Gerät. Seit einiger Zeit hat der japanische Hersteller ja seine Liebe zu klassischen Zweikanalkomponenten wiederentdeckt, und der PDX-Z9 entspringt dieser neuen Philosophie. Wobei Pioneer nicht einfach Klassiker neu auflegt, sondern Stereogeräte mit modernster Technik neu entwickelt. Dazu gehört zum Beispiel, wie schon bei der G-Clef-Serie, die SACD-Wiedergabe. Auch wenn es nicht mehr viele Neuerscheinungen auf SACD gibt: Viele Musikliebhaber haben zahlreiche SACDs in ihrer Sammlung, die sie gern in hochauflösender Qualität hören möchten. Und dass SACD-Liebhaber automatisch auch Mehrkanal-Fans sind, das hat sich ja als Trugschluss herausgestellt. Beim PDX-Z9 heißt es jedenfalls „stereo only“.

Die Kombination aus einem SACD-tauglichen Player und einem Verstärker mit UKW-Empfangsteil gibt es bisher noch nicht oft. Aber der Trend geht, auch im hochwertigen Bereich, zu All-in-One-Ge­räten. Denn moderne Technik macht gute Qualität in kompakten Gehäusen möglich. Der Tuner ist ohnehin schon seit Jahren auf ein kleines Silberkästchen zusammengeschrumpft, und dank digitaler Endstufen braucht auch die Verstärkerelektronik nicht mehr viel Platz.

Moderne Technik auch bei den Anschlüssen: Neben der iPod-Buchse bietet das Gerät auf der Front eine USB-Host-Schnittstelle für Sticks, über die MP3-, WMA-, AAC- und WAV-Dateien abgespielt werden können. Und über die LAN-Buchse lässt sich der SACD-Receiver ins Datennetz integrieren. Dank DLNA-Zertifizierung kann der PDX-Z9 auf die Musiksammlung des PC oder einer Netzwerkfestplatte zugreifen und als Streaming Client dienen. Und das klappt wirklich auf Anhieb, ohne Netzwerkkonfiguration und ohne irgendwelche Hakeleien, ebenso wie der Empfang von Internetradio. Übers Netz unterstützt der Pioneer ebenfalls alle gängigen Tonformate, sogar WMA ­Lossless mit 24 Bit und 96 kHz! Von der Daten-CD oder -DVD spielt er immerhin MP3 und WMA – leider kein WAV und kein AAC. Dabei erscheinen die ID3-Tag-Informatio­nen im kontrastreichen OLED-Display.

Rückansicht des CD-Receivers Pioneer PDX-Z9
Strictly stereo: hochkarätige Lautsprecherklemmen, Phono, Line-Ein- und Ausgang, iPod- und LAN-Buchse

Schade, dass Pioneer diese bildschöne Anzeige nicht auch für den CD- oder SACD-Text genutzt hat. Manchmal hat man wirklich den Eindruck, die optische Disc sei schon ein Auslaufmodell. Andererseits: Mit dem Display-Komfort eines iPod kann Pioneers OLED nicht konkurrieren. Insofern fragt man sich, warum man den Porti eigentlich via Pioneer bedienen soll. Klanglich ist Pioneers iPod-Anbindung aber auf jeden Fall gelungen, auch wenn sie nur analog funktioniert. Verglichen mit der CD-Wie­dergabe auf dem Pioneer-Laufwerk gefiel uns das iPod-Vorspiel – mit WAV-Dateien – sogar in manchen Passagen besser. Zwar spielt die CD noch etwas „schneller“, mit guter Auflösung, sehr räumlich und plastisch, aber auch ein wenig dünner als der iPod, der mit seinem sonoren und ausgewogenen Klang trumpfen konnte.

Insgesamt ein erstaunlich hohes Klangniveau schon bei Standard-Auflösung. Bei SACD-Wiedergabe legt der Japaner aber noch eine Schippe drauf: Im direkten Vergleich von CD- und SACD-Spur hervorragend aufgenommener Hybrid-SACDs wirkt die hochauflösende Variante noch räumlicher, leichtfüßiger, greifbarer, bei Stimmen natürlicher, insgesamt edler. Das ist umso überraschender, als die digitale Endstufe nur bis 20 Kilohertz überträgt.

Edel sind im Übrigen auch optische Anmutung und Anfassqualität dieser Komponente, die Pioneer nicht umsonst nur über seine Premium-Händler vertreibt: Deckel und Drehknopf aus gebürstetem Alu, honigweich laufender Lautstärkesteller, Bodenplatte aus Wabenblech wie in alten Pioneer-Zeiten. Und als Sahnehäubchen hat Pioneer die Laufwerkstasten als berührungsempfindliche Sensortasten ausgelegt, die der Bedienung etwas Magisches verleihen. Kein Zweifel: Dieses All-in-One-Gerät hat das Zeug zu Höherem – und richtig gute Lautsprecher verdient.

Displayansicht des CD-Reveivers Pioneer PDX-Z9
Dreizeilige Titelauswahl bei iPod- und LAN-Betrieb
Displayansicht des CD-Receivers Pioneer PDX-Z9
Wenn der iPod zuspielt, erscheint oben der ­Song­titel, unten wahlweise Album oder Interpret
Displayansicht des CD-Receivers Pioneer PDX-Z9
Übersichtliche RDS-Anzeige bei UKW-Empfang

Stichwort

Digitale iPod-Anbindung

Um das digitale Kopieren DRM-geschützter iTunes zu verhindern, hat Apple bis­her die Digitalausgabe des iPod blockiert. Neuer­dings erhalten ausge­wählte Hersteller jedoch eine „digitale“ iPod-Lizenz.

Profil

Pioneer SACD-Receiver PDX-Z9

Pioneer PDX-Z9
um 1000 Euro
Maße: 39 x 9 x 34 cm (B x H x T)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Pioneer
Tel.: 02154/9130
www.pioneer.de

Bewertung

Auch wenn er dem iPod keine digitalen Daten entlocken kann: Dieser SACD-Receiver bündelt eine Vielzahl neuzeitlicher Schnittstellen, Formate und Funktionen in einer kompakten Stereo-Komponente. Motto: Wir können alles, außer Surround. Klanglich wächst der PDX-Z9 bei iPod- und CD-Wiedergabe, erst recht aber beim SACD-Vorspiel, über seine Preisklasse hi-naus. Verarbeitung und optische Anmutung hätten ohnehin einen höheren Preis erwarten lassen.

Bewertung des SACD-Receivers Pioneer PDX-Z9

Labor

An vier Ohm leistet die Digitalendstufe 46 Watt je Kanal, wobei Ausgangswiderstand (0,35 Ohm) und Verzerrungswerte durchweg höher ausfallen als bei Analogverstärkern üblich. Oberhalb von 20 Kilohertz fällt der Pegel steil ab. Der CD-Spieler glänzt, am Line-Ausgang gemes­sen, mit 108 Dezibel Ruhe- und immer noch ordentlichen 88 dB Quantisierungs­rausch­abstand. Ab iPod liegen die Werte bei 91 respektive 86 dB. Das Laufgeräusch ist selbst bei CD deutlich hörbar, aber immerhin läuft kein Lüfter. Im Standby verbraucht das Gerät ganze 0,3 W, und nach dem Einschalten fährt es flott hoch. Das Einlesen von CDs und SACDs dauert neun Sekunden.

Ausstattung

Trotz der kompakten Maße ist der PDX-Z9 sehr anschlussfreudig. Allenfalls ein SPDIF-Ausgang fehlt – der freilich bei SACD-Wiedergabe stumm bleiben würde. Dafür sind USB und LAN an Bord, und die Netz­werkintegration gelingt ohne jedes Setup-Gefummel. Zu den zahlreichen Tonforma­ten, die der PDX-Z9 decodieren kann, ge­hört sogar hochauflösendes, verlustfreies WMA Lossless. Das dreizeilige Grafik-Display erlaubt komfortables Navigieren durch Menüs und Titellisten – verschweigt aber leider den CD- und SACD-Text.

Detailansicht des SACD-Receivers Pioneer PDX-Z9
Porti-Player können analog über Miniklinke auf der Front oder via USB angestöpselt werden
AV-Receiver Pioneer SC-LX90
Kann digitale iPod-Signale annehmen: Pioneers neues AV-Verstärker-Flaggschiff SC-LX90 kommt im Juli und kostet zwischen 6000 und 7000 Euro