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28.07.2014

Kompaktlautsprecher KEF iQ 3

Völker, hört die Signale

Selten waren sich Europas HiFi-Magazine so einig: KEFs brandneue Kompaktbox iQ 3 ist ein Hammer und verdient den begehrten EISA-Award. Und STEREO vergibt die Höchstnote – fünf Sterne

Kompaktlautsprecher KEF iQ 3

von Matthias Böde

Bekommt man einen neuen Lautsprecher samt Preisangabe auf den Tisch, muss man oft nachfragen: „Stück oder Paar?“ Bei der taufrischen iQ 3 des britischen Anbieters KEF wären wir angesichts ihres wertigen Äußeren bei 400 Euro sofort von einem Stückpreis ausgegangen. Doch die schmucken Böxchen kosten diese Summe tatsächlich im Paar.

Okay, sieht man ganz genau hin, bemerkt man, dass die Oberfäche kein Echtholzfurnier, sondern eine täuschend echte Folie ist – unser Fotograf hat’s erst nach der Lupenprobe geglaubt. Auch das solide Bi-Wiring-Terminal, für das KEF sogar Kabel-Jumper statt billiger, klanglich nachteiliger Blechbrü­cken spendierte, spricht für eine höhere Preisklasse. Doch das Wichtigste an der iQ 3 ist sowieso das brandneue „Uni-Q“-Koax­ial-Chassis, das im oberen Teil der Schallwand fest verschraubt ist. Keine Bange, der um es herumlaufende, gerade mal mit drei Schräubchen versehene Kunststoffring ist nur Zierde. Er hält allerdings auch das weit ins Innere der in China gefertigten Britin hineinragende, im Interesse geringster Strömungsgeräusche an beiden Seiten abgerundete Bass­reflexrohr.

Den neuen Uni-Q-Wandler gibt es in zwei Größen. Der in der IQ 3 hat 16,5 Zentimeter Durchmesser. Die 13-cm-Version ist der kleinen Regal- und Standbox sowie den Center-Speakern der Serie vorbehalten, deren Top-Modell iQ 9 rund 1800 Euro kostet – das Paar, versteht sich. Titan steht seit jeher für Wertigkeit und Anspruch, doch bei der güns­tigen iQ 3 hat KEF eine dünne Lage des edlen Werkstoffs auf die Polypropylen-Membran des Tieftöners aufgetragen, der ihr eine höhere Steifigkeit verleiht, ohne das Gewicht nennenswert zu erhöhen. Die 19-Millimeter-Kalotte des mittig im Tieftöner eingesetzten Tweeters besteht dagegen aus leichtem Alu­minium. Nichts dagegen einzuwenden.

Unbedarfte Betrachter könnten die iQ 3 leicht für einen Breitbänder halten, doch sie ist ein echter Zwei-Wege-Lautsprecher mit zwei vollkommen unabhängig voneinander arbeitenden Chassis. So wie diese optisch eine Einheit bilden, sollen sie akustisch absolut homogen und von den Interferenzen, wie sie zwischen benachbarten Tönern entstehen, befreit wie aus einem Guss zusammenspielen. Denn Tief- und Hochtöner bilden im neu entwickelten, patentierten Uni-Q ein gemeinsames akustisches Zentrum, was sich besonders positiv auf die ­Räumlichkeit und die Plastizität der Wiedergabe auswirken soll.
Im Gegensatz zu KEFS abgelöster Q-Serie, deren Boxen zwar gebogene Seitenwände, aber einen geraden Rücken hatten, ist das Gehäuse bei den iQ-Lautsprechern im Stil der Zeit ganz herumgezogen. Obgleich die iQ 3 mit ihren 36 Zentimetern Höhe eine Kompaktbox im besten Sinne ist, wird ihr ohnehin resonanzunanfälliges Gehäuse mit Hilfe eines Bretts zusätzlich versteift.

Detailansicht der KEF iQ 3
Die Schutzkappen des Bi-Wiring-Terminals sind bei Einsatz von Bananas leicht zu entfernen, die Kabel-Jumper gehören zum Lieferumfang

Die Briten reklamieren, mit der iQ-Linie auch dem anspruchsvollen Audiophilen gerecht zu werden. Und die tonale Abstimmung hält sich tatsächlich streng ans Gebot der Neutralität. Das hört man, und das sieht man. Etwa im Frequenzdiagramm, bei dem der für diese Boxenklasse typische Oberbassbuckel, der mehr Fülle und Tiefgang suggerieren soll,  als tatsächlich vorhanden ist, nur minimal ausfällt. Unterhalb von 100 Hertz sinkt die Kurve denn auch sanft ab, weshalb man die iQ 3 auch dichter an die Wand rücken darf, als es einer basspotenten Standbox gut täte.

Zunächst spielten wir die frischen KEFs gehörig ein, indem wir ihre Fronten eng aneinanderrückten, eine Box verpolten und bei angemessener Lautstärke den Einbrenn-Track der STEREO-CD „Burn In“ auflegten. Dabei löschen sich die gegenphasigen Mono-Signale gleich wieder aus. Im Idealfall würde man praktisch gar nichts mehr hören.
 Tatsächlich war auch der Pegelverlust bei den iQ 3 enorm, was beweist, wie eng toleriert und paargleich auch günstige Lautsprecher gefertigt sein können. Als wir die KEFs freitags nachmittags dergestalt präpariert hatten, drangen neben dem üblichen hellen Rauschen spitze, scharfzackige Nadelimpulse ans Ohr, als ob das Einspielsignal mit winzigen Klicks versehen wäre. Am folgenden Montagmorgen war hingegen ein ungleich dunkleres, gleichmäßiges Rauschen zu vernehmen. Ein klarer Hinweis darauf, wie wichtig das Einspielen ist.

Derartig fit gemacht – eine Prozedur, die übrigens jede von STEREO getestete Box durchläuft – setzte die iQ 3 ihre Überraschungsserie fort. Bereits an günstigen Vollverstärkern wie einem NAD 3020 BEE oder dem HK 970 von Harman/Kardon  zauberten die KEFs ein in alle Richtungen großes, in sich übersichtlich gestaffeltes Klangbild, das auch angesichts der Dimensionen einer Big Band nicht einknickte. Das wirkte richtig erwachsen, und in der Tat bildete unsere 400-Euro-Preisklassen-Referenz, B&Ws famose DM 601 S3, bei sehr guter Ortbarkeit doch kleiner und kompakter ab. Die B&W erschien tonal ein wenig fülliger, doch die iQ 3 bot auch durch ihre luftige Darstellung und geschmeidigen Höhen das eindeutig audiophilere Konzept.

Bei unseren ausgedehnten Hörproben, während derer alle Lautsprecher auf ultraschweren Dynaudio-Ständern und Acapellas magischen Alu-Pucks platziert waren, überzeugten die kleinen Britinnen mit Reife und musikalischem Verständnis. Das bekam sogar Tannoys doppelt so teure Sensys DC1 zu spüren, mit denen die sogar noch etwas verfärbungsärmeren KEFs beinahe gleichzogen. Erst Dynaudios mit einem Paarpreis von 1250 Euro einer ganz anderen Klasse angehörende Audience 52 SE hielt die iQ 3 locker auf Abstand.

Wie um ihren Triumph zu feiern legten sich die Uni-Q-Böx­chen auch für Pegelorgien ins Zeug. Und wahrhaftig, die Kleinen können echt laut und bleiben dabei sauber.
Das sei nur am Rande erwähnt, denn Krachmacher betreiben andere Kaliber. Was bleibt, ist eine kleine Sensation. KEFs iQ 3 eröffnet in der günstigen Klasse neue Hör-Horizonte. 400 Euro das Paar? Wir glauben’s immer noch nicht.

Detailansicht der KEF iQ 3
Ein für optimalen Druckausgleich großflächig durchbrochenes Brettchen versteift das Innere des Korpus der iQ 3

Profil

KEF iQ 3
Paarpreis ca. 400 Euro
Maße: 22 x 36 x 32 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: GP Acoustics
Tel.: 0201/17039-110
www.kefaudio.de

Dieser Lautsprecher eröffnet dem preisbewussten Hörer den Zugang in die audiophile Welt. KEFs iQ 3 mit dem ambitionierten Uni-Q-Chassis klingt erwachsen, sehr verfärbungsarm, plastisch, räumlich und ist sogar erstaunlich pegelfest. Vollltreffer!

Bewertung der KEF iQ 3

Labor

Der Frequenzschrieb ist sehr linear. Die geringe Welligkeit geht auf die Koax-Anordnung der Treiber zurück. Der Uni-Q strahlt sehr breitbandig ab (gestrichelte Linie: 30 Grad von der Achse). Nur in den oberen Höhen tritt stärkere Bündelung auf, weshalb auf Achse eine kleine Anhebung notwendig ist, damit genügend Hochtonenergie in den Raum gelangt und die Wiedergabe nicht zu matt erscheint. Um 200 Hertz herum und oberhalb von vier Kilohertz unterschreitet die Impedanz die Vier-Ohm-Marke, was aber unkritisch ist. Das praktisch gleichzeitige Ansprechen der Chassis belegt die vorbildliche Sprungantwort.

Frequenzgang der Kompaktbox KEF iQ 3
Frequenzgang
Sprungantwort der Kompaktbox KEF iQ 3
Sprungantwort

Stichwort

China

KEFs Mutterkonzern GP unterhält in Südchina eine hochmoderne Lautsprecher-Fabrikation, in der auch einige Produkte der Mitbewerber hergestellt werden.