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16.09.2014

CD Spieler Yamaha CD-S1000
Vollverstärker Yamaha A-S1000

Der zweite Akt

Anfang des Jahres meldete sich Yamaha mit einem Überraschungs-Coup zurück in der Stereo-Welt. Beim zweiten Streich sind wir vorgewarnt und erwarten die hohe Qualität bereits

Yamaha CD Spieler CD-S1000 und Yamaha Vollverstärker A-S1000

von Tom Frantzen

Die große Yamaha-Kombination ist bei uns im Hörraum Dauergast. Ausstattung, Haptik und nicht zuletzt der elegante, audiophil-seidige, dabei aber völlig neutrale Klang sind verführerische Qualitäten dieser Komponenten, die sie als Arbeitsgeräte geradezu prädestinieren.

Somit ist die HiFi-Offensive, genauer gesagt die Rückkehr von Yamaha in die Liga der ernst zu nehmenden Zweikanal-Anbieter, mehr als gelungen. Dass man es mit dem Comeback ernst meint und nicht etwa als einmaliges, womöglich befristetes Renommé-Projekt versteht, zeigt die Konsequenz, mit der die Japaner vorgehen. Zunächst kam mit der „Soavo“-Reihe eine Lautsprecherserie auf hohem Niveau, die weiter ausgebaut werden wird, dann folgten CD/SACD-Player und Vollverstärker der 1500-Euro-Preisklasse.
Schon die Entwicklungs- und Fertigungstiefe sind weitere Indizien für die langfristige Orientierung im HiFi-Markt, der gegenüber dem von Formatwirrwarr, Billiggerät und einer ungeliebten Lautsprecherflut im Wohnzimmer gebeutelten A/V-Segment derzeit wieder spürbares Potenzial aufweist und auch Mitbewerber lockt.

So setzte Yamaha beim Player-Laufwerk, das in beiden Baureihen 1000/2000 zum Einsatz kommt, auf eine Eigenkreation und wendete auch beim Verstärker einiges Gehirnschmalz auf, um die so genannte „Floating Balanced Power Amplifier“-Technologie zu realisieren. Tatsächlich sind die Einflüsse des Rotstiftes, den die 400 Euro (beim Player) respektive 600 Euro (beim Verstärker) Preisersparnis ge­genüber Yamahas Flaggschiffen selbstverständlich notwendig machten, nur sehr dezent auszumachen und bewegen sich auf eher pragmatisch-theoretischem Grund.

Laufwerk und Endstufe sind weitestgehend identisch, bei beiden Geräten wurde dagegen teilweise auf die symmetrische Schaltungsauslegung samt XLR-Anschlüssen – beim Amp im Vorverstärkerteil, beim Player in der Ausgangsstufe – verzichtet. Dem CD-S1000 kam zudem der zweite Trafo abhanden. Selbst in Sachen Leistung schließt der „kleinere“ Verstärker praktisch zum Vorbild auf.

Zudem wurde auf Bauteilebene am Klangcharakter gefeilt. Nicht etwa, um die 1000er künstlich abzuspecken, sondern vielmehr, um der kleineren Kombi neben dem beibehaltenen audiophilen Touch noch einen etwas temperament- und druckvolleren Fingerabdruck mit auf den Weg zu geben. Der Wunsch nach dieser Charakteristik soll übrigens auch aus dem Fachhandel gekommen sein.

Diese frische, mit einem leicht kraftvolleren Bassauftritt und gesteigertem Verve einhergehende Brise tut dem Gespann durchaus gut, verleiht ihm eine Spur von Frechheit und Witz, ohne dass dadurch die enge Verwandtschaft zu den nur einen Hauch neutraleren und transparenteren Geschwistern geleugnet würde. Dies fällt auch nur im unmittelbaren Vergleich auf, denn mess­technisch streng linear sind natürlich beide Konstellationen abgestimmt. Wir reden hier von – hörbaren – Tendenzen, welche der universellen Kombinierbarkeit in den avisierten Preisklassen Rechnung tragen und auf deren Eigenheiten reagieren.

Doch zunächstl zurück zur Technik, die hier zum zweiten Mal überzeugt. Im Player werkelt ein Burr Brown-Wandlerbaustein je Kanal, wobei das hinsichtlich Dynamik/Rauschen vorteilhafte, symmetrische Ausgangssignal – wie beim CD-S2000 für die Cinchausgänge – wieder desymmetriert wird.  Der gesamte Aufbau ist nach dem Doppel-Mono-Prinzip ausgeführt, wobei das auch für die Stromversorgung gilt. Der Trafo beinhaltet zudem separate Wicklungen für die Analog- und Digitalsektion, das Display und das Laufwerk.

Apropos, dem bereits erwähnten Laufwerk wurde besondere Aufmerksamkeit zuteil, denn im Gegensatz zu den vielfach verwendeten, aber nicht gerade für Audiozwecke optimierten CD-ROM- und DVD-ROM-Laufwerken  ist es extrem präzise und erzstabil sowie für relativ niedrige Drehzahlen ausgelegt. Der zuverlässige, bürstenlose Spindelmotor und die Schublade aus Aluminiumdruckguss sorgen für eine enorme Lauf­ruhe, während das vibrationsarme, schwere Stahlchassis samt Holzteilen eine ungleich stabilere Basis bildet als jedes herkömmliche PC-Gehäuse. Die Yamaha-Ingenieure, nicht selten auch mit der konzerneigenen Musikinstrumentenfertigung befasst oder zumindest vertraut, kennen sich auch in Sachen Resonanzen bestens aus.

Yamaha Fernbedienung
Die Fernbedienungsgeber sind vergleichsweise übersichtlich und gut gestaltet. Der des Amps steuert obendrein auch rudimentäre Playerfunktionen

Der enorme Unterschied wird überdeutlich, wenn man einmal das ausgebaute Yamaha-Laufwerk in Händen hält. Und das, obgleich es sich dabei nicht dynamisch bewegt wie im Betrieb. Selbst die Gerätefüße sind – bei allen neuen Geräten der Yamaha-Serie – entsprechend resonanzoptimiert ausgelegt und zudem höhenverstellbar.
Im „Pure Direct“-Modus werden gar Display und Digitalausgang abgeschaltet, um selbst die geringste Störquelle zu eliminieren. Das bedeutet übrigens, dass man in diesem Modus nicht von einem 75-Ohm-Abschluss-Stecker in der Koaxbuchse profitiert, der ansons­ten eine ähnliche Funktion ausübt.

In der Verstärkertechnik beschreiten manche Unternehmen mit analoger Schaltungsauslegung eher traditionelle Wege, während andere die Digitaltechnologie bevorzugen. Yamaha aber wählt einen dritten Weg, optimiert die Analogtechnik auf fortschrittliche Art und Weise, indem man auf Schaltungen setzt, die den Einsatz gleicher Transistortypen mit identischen Kennlinien anstelle üblicher PNP/NPN-Typen gestatten und so erst perfekte Symmetrie ermöglichen.

Leistungsverstärker, Netzteil und Phonostufe entsprechen denen des A-S 2000. So kommt hier auch der in der Ausgangsstufe mit gleicher Polarität für „Plus“ und „Minus“ samt erdfreier Netzteile operierende, perfekt symmetrische und besonders rauscharme „Floating Balanced Power Amplifier“ zur Anwendung. Das erinnert zwar prinzipiell entfernt an Brückenverstärker, ist aber hier noch konsequenter als vollsymmetrischer Aufbau realisiert.

Aufpassen muss man bei diesem Konzept, dass man keine ungewollte, potenziell zerstörerische Masseverbindung herstellt, die Yamaha in der Endstufe ja ganz bewusst vermeidet, um insbesondere Störungen durch HF/Rauschen zu verhindern. Deshalb sind auch die Lautsprecheranschlüsse mit Hilfe einer kräftigen Kunst­stoffabdeckung besonders stark vom Verstärkergehäuse isoliert.

Ähnlich, aber nicht ganz identisch dem großen Vorbild ist die elektronisch realisierte Lautstärke-/Klangregelung sehr aufwändig, nämlich dreifach parallel ausgelegt, was bedeutet, dass selbst bei Nutzung der Klangregelung der Signalweg kurz bleibt. Bei konventionellen Verstärkerschaltungen liegen Pegel- und Klangregler dagegen in Reihe und verlängern so den Signalweg, es sei denn, man schaltet sie ab.

Beim Yamaha werden bei Mittelstellung der Klangregler alle drei Zweige für die Lautstärke genutzt und erhöhen so die Effizienz, aber auch bei Nutzung der Regler ergibt sich so zumindest theoretisch ein Klangvorteil gegenüber andersartigen Konzepten.
Auch der beim A-S2000-Test in der Februarausgabe zunächst beanstandete MC-Frequenzgang ist beim 1000er gerade gerückt, nicht perfekt, aber gut. Es handelte sich offenbar um einen Exemplarfehler, einen Ausreißer.

Rückansicht von CD Spieler Yamaha CD-S1000 und Vollverstärker Yamaha A-S1000
Selbst die Rückseiten sind von sehr klarer, funktionaler Formgebung geprägt, die Lautsprecherklemmen vermeiden jeden Gehäusekontakt

Mit einem Music Hall MMF 9.1 mit Goldring Eroica LX überzeugte das identische Phonoteil des Yamaha A-S1000 nunmehr durch hohe, ausgewogene Klangqualität. Man braucht diesen Vollverstärker, der den Anschluss eines Plattendrehers im Gegensatz zu manchem Artgenossen zulässt, also nicht unbedingt durch einen externen Phono-Pre zu ergänzen.
Im Hörtest bekamen es die 1000er-Komponenten nach ihren in Disziplinen wie Plastizität, Transparenz und Neutralität leicht überlegenen größeren Geschwistern mit den Platzhirschen der 1000-Euro-Klasse zu tun, der Baureihe Azur 740 von Cambridge.
Die extrem audiophilen, an Stimmigkeit durchaus an HighEnd-Komponenten he-ranreichenden Briten erwiesen sich denn auch als ideale Sparringspartner für die Yamahas, wobei sich die Kontrahenten nichts, aber auch gar nichts schenkten. Hatte der laut Labor noch etwas kräftigere Cambridge-Amp hinsichtlich Auflösung die Nase einen Hauch vorn, konterte der Yamaha mit vergleichbarem Fluss und Geschmeidigkeit, aber etwas mehr Schmiss, Punch und Vortrieb. Auch das Duell der Player bestätigte deren insgesamt gleiches Niveau. Beide liefern ein in Nuancen individuelles, aber bis in Zwischentöne und räumliche Abstufungen gleichermaßen glaubhaftes Abbild der Musik, wobei der Yamaha das minimal offenere, frischere und der Cambridge das „mittigere“, hierdurch womöglich etwas farbstärkere Klangbild präsentierte.

Beide Kombinationen erwiesen sich dabei als komplementäre Idealpartner, sprich es war durchaus nicht vorteilhaft, wenn man versuchsweise den Cambridge-Amp mit dem Yamaha-Spieler kombinierte oder umgekehrt, statt es bei den Familien zu belassen. Eine ebenso knappe Geschichte wie ein (fast) totes Rennen, das aber die – letztlich unerwartet hohe – Klasse der „Newcomer“ aus Japan beweist. Wir können nur vermuten, dass es gerade die in   jüngster Zeit so erfolgreichen Cambridge-Komponenten waren, die den Yamaha-Ingenieuren als Gegner vorschwebten und letztlich auch in den internationalen Hörsessions – etwa beim hiesigen Firmensitz in Rellingen – antraten. So viele Alternativen um 1000 Euro gibt’s ja nicht. Man sollte sich die in Frage kommenden Komponenten schon deshalb stets mit den vorhandenen Lautsprechern anhören. Die Wahl zwischen Cambridge und Yamaha fällt wirklich schwer. Die Entscheidung könnte und wird am Ende durch die Vorlieben entweder für den auch externen Digitalquellen zugänglichen Upsampling-Wandler des Cambridge oder aber für die SACD-Tauglichkeit, den Phonoteil sowie den etwas geringeren Preis der Yamaha-Kombi fallen.

Einen Fehler kann man mit diesen überaus musikalischen Sets ohnehin nicht machen. Man merkt bei Yamaha mit jedem Takt, dass man es nicht nur mit einem Hersteller von HiFi-Geräten, sondern zugleich dem Weltmarktführer bei Musikinstrumenten zu tun hat. Schließlich haben beide Bereiche nicht nur entfernt miteinander zu tun, richtig? Ein fulminanter zweiter Akt!

Dieser Artikel wurde in STEREO 07/2008 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Stichwort

PNP/NPN-Transistoren
In konventionellen Class B-Gegentakt-Verstärkern zeichnet bei einem Sinussignal der eine Transistortyp für die eine, der andere als „Gegenpart“ für die andere Halbwelle verantwortlich.

Profil

Yamaha CD-S1000
um 900 Euro
Maße: 44 x 14 x 44 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Yamaha
Tel.: 04101/3030
www.yamaha-hifi.de

Yamaha CD Spieler CD-S1000

Fazit

Dieser Yamaha-Player dürfte das Comeback des Jahres weiter forcieren, denn er spielt CDs wie SACDs auf sehr hohem ­klang­lichen Niveau, mit Fluss und Rhythmus, überzeugt zudem mit guter Ausstattung und wertiger Haptik gleichermaßen.

Bewertung des CD Spielers Yamaha CD-S1000

Labor

Der für CD wie SACD ausgelegte Player besticht mit tadellosen Frequenzgängen, die maximale Abweichung erreicht 0,2 De­zi­bel. Auch das Rechteckverhalten ist gut, allerdings dreht der CD-S1000 die Absolutphase um 180°. Da dies aber viele Player und fast die Hälfte aller CDs tun, sehen wir ihm das nach. Der Klirrfaktor liegt mit 0,19 Prozent sehr niedrig, ebenso die Aliasing-Verzerrungen mit 0,013 Pro­zent. Der Wandler arbeitet mit einer hervorragenden Genauigkeit von <0,1 dB (bis -90 dB). Ganz exquisit sind die erreichten Rauschabstände von 98/113 für die Quantisierung sowie „Digital Null“. Auch den praxisgerechten Anschlusswerten (2,08 Volt Ausgangsspannung, 633 Ohm Ausgangswiderstand) und dem aufwändigen CD/SACD-Laufwerk können wir nur Lob zollen. Es arbeitet leise, mit hoher Abtastsicherheit und guter Erschütterungsfreiheit.

Ausstattung

Die gängigen Laufwerks- und Komfortfunktionen sind vorhanden und fernbedienbar, hinzu kommt der „Pure Direct“-Modus mit Abschaltung von Display und Digitalausgang sowie die Möglichkeit, neben CD/ CD-R/CD-RW auch die höher auflösenden SACDs abzuspielen (Umschaltung CD/ SACD). Erhältlich ist der Yamaha-Player in Silber oder Schwarz, das Netzkabel ist gegen ein höherwertigeres Exemplar austauschbar, einen Standby-Modus gibt es – wie schon bei der 2000er-Baureihe – nicht.

Profil

Yamaha A-S1000
um 1000 Euro
Maße: 44 x 14 x 46 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Yamaha
Tel.: 04101/3030
www.yamaha-hifi.de

Vollverstärker Yamaha A-S1000

Yamaha gelingt auch mit dem A-S1000, der auf der Technologie des größeren Bruders basiert und lediglich leicht abgespeckt wurde, ein großer Wurf. Wir haben es hier mit einem außerordentlich musikalischen und gut ausgestatteten Verstärker zu tun!

Bewertung des Vollverstärkers Yamaha A-S1000

Labor

Der Yamaha-Vollverstärker absolvierte den Labordurchgang mit Bravour. An acht Ohm stehen rund 90, an vier Ohm 145 Watt Ausgangsleistung je Kanal zur Verfügung, für kurzzeitige Impulse werden fast 200 Watt bereitgestellt. Die Klirrwerte zeigen stets zwei Nullen hinter dem Komma, die Intermodulation liegt sogar ein Dezibel un­ter Vollaussteuerung nur bei 0,02 Prozent. Auch die Rauschabstände sind mit 78/96 dB (CD, 50 Milliwatt/5 Watt) und 82/86 (Phono MC/MM) ausgezeichnet. Sämtliche Anschlusswerte sind praxisgerecht ausgelegt (für MC 100 Ohm statt der vom Hersteller angegebenen 50 Ohm), der Ausgangswiderstand liegt mit 24 Milliohm exzellent niedrig. Die Phono-Frequenz­gänge sind mit rund 0,5 dB Abweichung  besser als bei unserem A-S2000-Testexemplar, was den Verdacht des Ausreißers bestätigt. Der Gleichlauffehler des Lautstärkestellers liegt bei 0,1 dB, die Stereo-Kanaltrennung erreicht 59 dB, Übersprechen findet mit 84 dB zwischen Tuner und CD praktisch nicht statt. Die obere Grenzfrequenz liegt jenseits von 110 Kilohertz, was für eine „schnelle“, impuls- und phasentreue Verstärkerschaltung spricht.

Ausstattung

Phono MM/MC (umschaltbar), drei Hochpegelquellen, 1x Tape In/Out, Pre Out/Main In, Klang­regelung, Muting, natürlich Fern­bedienung (aber harter Netz­schalter ohne Standby) sowie Anschlüsse für zwei Paar Boxen und einen Kopfhörer.

Die Vorbilder

In der Februarausgabe glänzte die Top-Kombination aus dem Yamaha-Portfolio, bestehend aus CD-S2000 und A-S2000 (um 1300/1600 Euro), mit exzellentem klanglichen und materiellen Gegenwert fürs Geld. Nun kommen, diesmal im Silberkleid mit hellen Holz­wangen, die kleineren Geschwister

CD Spieler Yamaha CD-S2000 und Vollverstärker Yamaha A-S2000