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21.09.2014

Test: CD & SACD Player Esoteric X-05

Kleiner Klotz

„Klein“ ist hier relativ. Denn mit 17 Kilo Gewicht und einem Preis von 5000 Euro ist Esoterics SACD-Spieler X-05 alles andere. Und doch ist er der günstigste Player der Japaner mit VRDS-Laufwerk

Esoteric X-05

von Matthias Böde

Die großen SACD-Spieler von Teacs Top-Marke Esoteric geistern durch die Träume manches HighEnders. Wenn da nur nicht die Preise wären. Zwar bieten die Japaner mit dem rund 3300 Euro teuren SA-10 auch ein noch einigermaßen erschwingliches Gerät an, doch dieses gilt nicht wirklich. Denn ihm fehlt das, was Esoteric-Player so einzigartig macht: ein Laufwerk mit „Vibration Free Rigid Disc Clamping System“, kurz VRDS.

Einen nach dieser Art gestalteten Antrieb bekam der neue X-05. Zwar wurde für sein Laufwerk deutlich weniger Aufwand getrieben als beim jedoch auch rund 2900 Euro teureren X-03SE, geschweige  denn beim X-01D2, dem Spitzenmodell unter Esoterics integrierten Playern, doch folgt es in Form einer soliden „Brückenkonstruktion“ sowie der stabilen, runden Klemme, die jegliches Flattern der Disc vermeiden soll, exakt den VRDS-Prinzipien. Seit gut 20 Jahren begegnet Teac klangschädigenden Vibrationen und Resonanzen mit zum Teil enormen Materialschlachten im Laufwerk und gewährt beim X-05 durch ein Fens­ter im Deckel sogar den Blick auf die die Scheibe von oben fixierende Auflage. Sehen lassen kann sich auch die solide Metallschublade. Selbst bei teuersten Playern trifft man an dieser Stelle oft auf wacklige Konstruktionen, die jeden Hightech-Anspruch untergraben.

Innenansicht des CD und SACD Spielers Esoteric X-05
Für den X-05 baut Teac das kleinste seiner VRDS-Laufwerke, das typische Merkmale wie die stabile Brücke oder den Disc-Andruckteller aufweist

Wie der X-03SE und der SA-10 ist der X-05 ein reiner Zweikanal-SACD-Spieler. Aber über eine iLink-Buchse lässt sich auch ein fünfkanaliges Signal digital ausgeben. Dafür kann man den Player per Fernbedienung auf den entsprechenden SACD-Layer umschalten. Für ganz Hartgesottene gibt der Esoteric auch einen Downmix aller fünf Kanäle an seinen Analogausgängen aus, was je nach Abmischung interessante bis gruselige Resultate bringt. Damit man sich nicht verirrt, gibt das dimmbare Display über alle Betriebszustände zweifelsfrei Auskunft.

Bevor es richtig zur Sache geht, sollte man sich eine von zwei möglichen Einstellungen des FIR-Digitalfilters aussuchen, die man über die „Mode“-Taste erreicht. „Narrow“ und „wide“ stehen zur Auswahl, was für die Abklingzeit, also die Flankensteilheit der Impulse steht. Uns hat „wide“ etwas mehr zugesagt, weil hier das räumliche Spektrum ein wenig größer abgebildet wird und Stimmen homogener erklingen, während sie in „narrow“ den Anflug einer strengen Note bekommen. Außerdem lässt sich der Übertragungsbereich auf 50 Kilohertz beschränken, um bei SACD-Wiedergabe empfindliche Verstärker nicht ins Schwingen zu bringen. Wer „direct“ anwählt, nutzt die gesamte Bandbreite und darf sich über eine noch etwas luftigere, offenere Hochtonwiedergabe freuen. In „Normal“-Stellung wirkt die SACD-Wiedergabe in den oberen Lagen um Nuancen beengt und etwas verhangen.

Innenansicht des SACD und CD Spielers Esoteric X-05
Ein Ringkerntrafo versorgt über eigene Wicklungen die analogen und digitalen Stufen separat. Klare Trennung der Funktionsgruppen

Nachdem wir den natürlich gleich anfangs ausgephasten X-05 also auf „wide“ und „direct“ eingestellt hatten, konnte der Hörspaß beginnen. Und den bietet der Esoteric zweifelsohne. Mit seinen großen Brüdern verbindet ihn die Stabilität und Übersichtlichkeit der Wiedergabe, die gegenüber manchem Mitbewerber, der in komplexen Passagen vielleicht schon mal leicht ins Schwimmen gerät, beinahe statisch wirkt, aber nur der Ausdruck eines hohen inneren Organisationsgrades ist. Hört man hier das Klotz-Laufwerk? Bestimmt, denn dieser akustische Fingerabdruck ist eben nicht nur typisch für sämtliche mit VRDS-Technik ausgerüsteten Esoterics, sondern er tritt mit dem getriebenen Aufwand auch immer deutlicher in Erscheinung. Und der X-05 bietet schon eine gute Portion davon.

Die satten, tief hinabreichenden Rubbelbässe in Philip Baileys „Nature Boy“ kamen mit „Schwärze“ und klarer Kontur. Die fein gesponnenen oberen Lagen des übrigens auf Telarcs SACD Sampler1 verewigten Titels blieben von dem Bassgewitter weitgehend unbeeinflusst: Leicht und transparent schwebten die Syntheziserschwaden am hinteren Horizont entlang. Keine Frage, der neue Esoteric macht seinem Hersteller gerade dadurch Ehre, weil er dessen Klangphilosophie, wenn auch nicht in Stein gehauen wie ein X-03SE, so aber doch unverkennbar nach außen trägt. Und das unabhängig davon, ob sich nun eine CD oder SACD unter dem Teller dreht.

Apropos X-03SE: Der begleitete die Vorstellung des X-05, denn wir wollten natürlich wissen, wie hoch es der „Kleine“ schafft. Bei aller Anerkennung der Ambitionen eines X-05 – der knapp 3000 Euro teurere, nochmals 6,5 Kilo schwerere, mit zwei Netzteilen ausgerüstete sowie mechanisch aufwändigere Player entwickelt mehr Energie, musikalische Spannung und Strahlkraft. Einzig im tonalen Bereich konnte der geschmeidigere X-05 punkten. Aber möglicherweise geht dieses Phänomen bereits auf einen geringen Definitionsverlust zurück. Dennoch: Alle, für die der X-03SE ein Traum bleiben muss, können sich mit seinem „kleinen“ Bruder erfolgreich trösten.

Stichwort

D/A-Wandler

Der X-05 setzt die DSD-Datenströme ins PCM-Format um und verarbeitet sie wie CD-Bits mit einem in Dual-Mono-Technik auf­gebauten 24 Bit/192 Kilohertz-Wandlerchip CS 3498 von Cirrus Logic.

Profil

Esoteric X-05
um 5000 Euro
Maße: 44 x 16 x 35 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Teac Europe
Tel.: 0611/71580
www.teac.de

Fazit

Mit dem X-05 macht Esoteric den Einstieg in die Welt seiner SACD-Player mit VRDS-Laufwerk günstiger. Trotz mechani­scher wie elektrischer Kompromisse ge­genüber den erheblich teureren Spitzen- modellen ist es den Japanern ge­lungen, ihre durch eherne Stabilität und ein Höchst­maß an Definition geprägte Klangphilosophie zu realisieren. Der X-05 ähnelt diesen deshalb nicht nur optisch stark.

Labor

Unabhängig von der Einstellung des in je­dem Fall zeitoptimierten Digitalfilters zeigt der Frequenzgang einen minimalen Verlust von 0,4 Dezibel am oberen Übertragungs­ende, der akustisch aber irrelevant ist. Die maximale Unlinearität des D/A-Wandlers beträgt bis zu -90 dB hinab ebenfalls völlig vernachlässigbare 0,1 dB. Sehr niedrige Werte auch beim Klirrfaktor (0,2 Prozent bei 400 Hz/-60 dB) sowie den Aliasingver­zerrungen von gerade mal 0,012 Prozent (-30 dB). Erfreulich hoch fallen die Störabstände aus: Sie liegen bei satten 110 dB (A) für Digital Null und immer noch fantasti­schen 97 dB (A) in der Quantisierung. Die sehr stabile Ausgangsstufe mit nur 47 Ohm Widerstand gibt bei Vollaussteuerung pra­xisgerechte 2,2 Volt ab. Die Abweichungen in der Kanalbalance konnten wir kaum noch ermitteln, weil sie sich weit unterhalb von 0,1 dB tummeln. Das sehr leise und extrem erschütterungsresistente Laufwerk (VRDS!) hat mit Störungen keinerlei Probleme. Der X-05 nimmt im Leerlauf rund 11 Watt auf.

Ausstattung

Jeweils ein Paar Analogausgänge in XLR und Cinch; je ein optischer und koaxialer Digitalausgang; Anschluss für einen externen Taktgenerator; zwei wählbare Charakteristiken für das Digitalfilter; Bandbreiten- begrenzung bei SACD-Wiedergabe schaltbar; iLink-Buchse, über die SACD-Signale fünfkanalig übertragen werden können; Wiederhol- und Programmautomatiken; manuelle Anwahl der CD- und SACD-Layer möglich; dimmbares Display mit umschaltbarer Zeitanzeige; Fernbedienung.