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01.09.2014

Test: Standlautsprecher Martin Logan Source

Die flotte Folie aus den Staaten

von Tobias Zoporowski

Elektrostaten, diese von vielen als extrem aufstellungskritisch, wenig pegelfest und bassarm präjudizierten Exoten, hat in den letzten Jahren wohl niemand so allroundtauglich domestiziert wie das US-amerikanische Unternehmen Martin Logan. Denken Sie nur an die wunderbare „Summit“, die uns in STEREO 2/2006 zu audiophilen Höhenflügen einlud, oder die günstigere „Vantage“ in STEREO 5/2006, die ihrer großen Schwester recht dicht auf den Fersen war. Mit der „Source“ gelingt den Amerikanern nun aber eine faustdicke Überraschung: Eine „echte“ Martin Logan für unter 3000 Euro Paarpreis schien bislang unmöglich.

Allen gemein ist das hybride Konzept. Die sensible Folie bearbeitet ausschließlich den Mittelhochtonbereich ab etwa 470 Hertz, darunter beschäftigt sich ein dynamisches Bass­chassis – hier 16,5 Zentimeter im Durchmesser groß – mit der Kelleretage. Dabei ist die Source, im Gegensatz zu ihren kostspieligeren Geschwistern, die über aktive Tieftoneinheiten verfügen, ein rein passiver Lautsprecher.

Detail der Martin Logan Source
Der schwere Standfuß wird von einer Zentralschraube gehalten. Um 180 Grad gedreht montiert, ändern sich die Neigung und der Abstrahlwinkel der Box

Der Stromanschluss auf dem Rücken versorgt die Folie innerhalb der Martin-Logan-typisch gerundeten Statoren – das sind die perforierten Flächen, die für die Schallerzeugung im Mittelhochtonbereich zuständig sind – mit Saft. Wie die gesamte aktuelle Serie bietet  auch die Source gleich mehrere technologische Neuerungen: Zum einen werden hier die Statoren von allen Seiten in einen stabilen Aluminiumrahmen gespannt, was der Konstruktion eine bisher nicht gekannte Stabilität verleihen soll. Zum anderen macht es die verkleinerte Perforation der gerundeten Profile überhaupt erst möglich, einen so „kompakten“ Elektrostaten zu fertigen. Die „bespielbare“ Fläche des Stators wurde so tatsächlich in der Relation vergrößert, ohne die Kraftübertragung nennenswert zu verringern.

Detail der Martin Logan Source
Die gemessen am Preis einfach anmutenden Netzteile deuten nicht etwa einen Aktivbetrieb des Basses an, sondern liefern lediglich die Energie für die Spannung der Elektrostatenfolien

Die aufwändige Frequenzweiche orientiert sich mit ihren selektierten Bauteilen ebenso eindeutig an den größeren Modellen des Hauses, was darauf hindeutet, dass man mit der Source in der 3000-Euro-Klasse offenbar durchaus ein Exempel zu statuieren gedenkt. Überhaupt nicht zickig gestaltet sich denn auch der Aufbau der Elektrostaten. Zu beachten ist lediglich, dass nach dem Auspacken der stabile Standfuß kurz gelöst und einmal um 180 Grad gedreht werden muss, damit der Abstrahlwinkel der Lautsprecher auf eine sitzende Hörposition eingerichtet ist. Anderenfalls würden sie über den Kopf hinweg strahlen. Was übrigens dann Sinn macht, wenn die Elektrostaten – etwa im wahrscheinlich selten zutreffenden „Partybetrieb“ – stehende Hörer beschallen sollen.

Aufgrund der gebogenen Folie ist die horizontale Abstrahlung relativ breit. Man muss deshalb nicht exakt in der Mitte sitzen, um die volle Portion Höhen zu bekommen. Vertikal sieht das anders aus. Sobald man aufsteht, wird’s dumpf, was allerdings auch störende Deckenreflexionen reduziert.

Detail der Martin Logan Source
Für den Bassbereich verbaut Martin Logan 16-Zentimeter-Treiber, die in der „Source“ passiv, also ohne eigene Verstärkerelekronik, laufen

Was man der neuen „kleinen“ Martin Logan ansonsten nun überhaupt nicht nachsagen kann. Nach einer angemessenen Einspielzeit von etwa zwei bis drei Tagen hat die Folie auch den letzten Rest von Zurückhaltung und „Zischeligkeit“ abgelegt, verwöhnt sodann mit einer Antrittsschnelligkeit, Detailverliebtheit und Raumaufteilung, die in dieser Form eben nur eine Box dieser Bauart darstellen kann. Man sitzt nicht vor dem musikalischen Geschehen, sondern mitten darin. Faszinierend, wie mühelos und souverän die Martin Logan auch feinsten Verästelungen – die sie luftig und fast schwebend auflöst – bei mehrstimmigen Gitarrensoli auf dem Fuß folgt, um diese vollkommen selbstverständlich ins Gesamtgeschehen einzubinden, wenn der Rest der Band wieder einsetzt. Dabei ist den amerikanischen Entwicklern die Zusammenarbeit zwischen den konventionellen ­Bass­treibern und der blitzschnellen Folie gut gelungen, die Anbindung des Mittelhochtonbereiches an das durchaus stämmige Grundtonfundament erfolgt bruchlos und geschmeidig. Der Bass reicht erstaunlich tief hinab, auch wenn man ihn sich je nach gehörtem Musikprogramm ein wenig straffer und attackiger, nicht ganz so bauchig wünschen würde.

Martin Logan hat dennoch einen wunderbar homogen und transparent aufspielenden Hybrid-Elektrostaten ganz nach Art des Hauses geschaffen, der auch preislich eine verführerische Alternative zu konventionellen Lautsprecherkonzepten darstellt – und in dieser Form tatsächlich einzigartig ist.

Profil/Fazit

Martin Logan Source

Paar ab 2800 Euro
Maße: 25 x 133 x 37 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Audio Components
Tel.: 040/2785860
www.audio-components.de

Wow! Dass ein Elektrostat we­der zickig noch unerschwinglich sein muss, beweist die „Source“ eindrucksvoll. Dabei transportiert sie durchaus die rasante Ge­schwindigkeit, Luftigkeit und Präzision der größeren Modelle der Amerikaner. Die Box für Raumdarstellung und Details!

Labor

Keine Sorge: Der in den Höhen abfallende Frequenzverlauf würde uns nur bei einem konventionellen Konzept Kopfschmerzen bereiten. Für einen Dipolstrahler, der auch Schallanteile nach hinten abgibt, die unsere Messung nicht berücksichtigt, ist eine solche Abstimmung typisch. Kräftiger Bass, der bis fast 40 Hertz hinabreicht. Die Impedanzkurve fällt bei etwa zwei Kilohertz zeitweise unter zwei Ohm – ein Bereich, in dem dies kaum einen Verstärker ins Schwitzen bringt. Das Subwoofergehäuse resoniert minimal. Der Wirkungsgrad fällt mit über 87 Dezibel exzellent aus. Die Sprungantwort zeigt ein geringes zeitliches Nachlaufen der Tieftöner.