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22.10.2014

Test: Standlautsprecher Triangle Genese Lyrr

Klangsäule aus Frankreich

Triangle Genese Lyrr

von Tobias Zoporowski

Kollege Tom Frantzen hätte den Test der „Magellan Cello SW 2“ in STEREO 3/07, der  etwa doppelt so teuren, größeren Schwester der hier vorgestellten Genese Lyrr, auch mit „der Widerspenstigen Zähmung“ betiteln können. Denn die beiden wurden zunächst nicht so recht warm miteinander, gab sich die große Französin doch vor allem im Obertonspektrum anfangs reichlich spröde, ja fast abweisend.

Selten erwies sich eine großzügig bemessene Einspielphase für einen Hörtest als so nachhaltig wichtig wie bei der trotz ihrer Größe eher grazil ausgeführten Säule aus Villeneuve St. Germain, die uns alsbald mit ihrer ansatzlos dynamischen Spielfreude und ihren leuchtenden Klangfarben in den Bann zog.

Nach einer solchen Vorstellung darf man schon gespannt sein, was die etwas günstigeren Familienmitglieder zu leisten imstande sind. Die Produktlinie „Genese“ ist direkt unterhalb der „Magellan“ platziert, die „Lyrr“ wiederum das Topmodell der Genese-Reihe. Alles klar?

Detail der Triangle Genese Lyrr
Die Schallwand steht auf ihrem eigenen Spike.

Soviel vorab: Was die Einspielzeit anbetrifft, ist die Lyrr weitaus gnädiger als die Magellan Cello, was insofern verwundert, als dass sich die beiden konstruktiv gar nicht unähnlich sind. So gleichen sich die bündig in die Frontplatte eingelassenen Hochtöner mit ihren charakteristischen Hornvorsätzen und den extrem spitz zulaufenden Phase-Plugs wie ein Ei dem anderen. Von seinem Eisen-Bor-Neodym-An­trieb verspricht sich Triangle eine äußerst verzerrungsarme Wiedergabe bis in höchste Lagen.

Detail der Triangle Genese Lyrr
Die beiden Basstreiber arbeiten auf ein zweiflutiges Bassreflexrohr, „Twin/Vent“ genannt, das in einer gemeinsamen Austrittsöffnung mündet

Der Mitteltöner vom Typ T16EFS stützt sich gar noch deutlicher auf die aus der Magellan-Serie gewonnenen Entwicklungsgrundlagen und übernimmt in ähnlicher Form sowohl den ungewöhnlich kräftigen Magneten, eine sehr leichte Papiermembran und das S-Profil der Sicke. Zudem arbeitet er in einer eigenen Kammer, kann somit von seinen Nachbarn nicht gestört werden. Damit ist eine saubere und natürliche Wiedergabe der Mitten – das menschliche Ohr ist hier extrem sensibel – zumindest technisch gewährleistet. Die Kelleretage übernimmt ein speziell für die Genese-Linie entwickelter 16-Zentimeter-Basstreiber in dreifacher Ausführung. Alle drei Chassis arbeiten auf das von Triangle patentierte „Twin/Vent“-Bassreflexsystem, einem Kunststoffrohr mit zwei Eingängen  und einem gemeinsamen Ausgang, was Verzerrungen und Luftverwirbelungen dezimieren hilft. Gehäuseresonanzen wirken aufwändige Versteifungsmaßnahmen im Inneren der Box und die gerundeten Seitenwände entgegen. Für sicheren Stand der Lautsprecher sorgt die ausgeklügelte Fußkonstruktion, die wir ebenfalls in ähnlicher Form bei der Magellan gesehen haben. Bei der Lyrr ruht die Schallwand auf einem eigenen, ins Gehäuse integrierten Spike, während vier weitere – pfiffig von oben höhenverstellbare – Kollegen die Hauptlast der Box tragen.

Detail der Triangle Lyrr
Der mit der Frontwand bündig abschließende Hochtöner sitzt in seinem eigenen Gehäuse auf der Box und trägt einen Hornvorsatz

Auch klanglich sind Ähnlichkeiten zwischen beiden Produktserien durchaus nicht zu verleugnen. So springt die Lyrr ihrem Zuhörer zwar dynamisch nicht ganz so ansatzlos ins Gesicht wie ihre große Schwester, ihre Pegelreserven indes sind ohne jeden Zweifel die üppigsten dieses Testfeldes. Keine andere Box reicht so gnadenlos und grummelig weit in den Basskeller hi­-nab, ohne auch nur die Spur unsauber zu werden, wie die markante Französin. Ihre cremige Mittenwiedergabe löst Stimmen und Naturinstrumente so samtig und luftig von den Wandlern ab, dass man um die Interpreten beinahe herumgehen möchte. Das Hochtonspektrum erklingt in seiner ganzen Tiefe und Breite mühelos brillant, ohne Härte oder Kratzigkeit. In ihrer Aufstellung gebärdet sich die Triangle dank ihres untadeligen Rundstrahlverhaltens (siehe Laborkasten rechts) ähnlich unkritisch wie die KEF XQ 40, benötigt räumlich aber deutlich mehr Freigang. Mindestens 30 Quadratmeter sollte man ihr schon gönnen. Dann kann sie genauso groß aufspielen, wie sie aussieht.

Profil/Fazit

Triangle genese Lyrr

Paar ab 3500 Euro
Maße: 37 x 133 x 39 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Triangle
Tel.:02385/5236
www.triangle-fr.com

Das stämmige, knochentrocke­ne Bassfundament und die farbenfrohe Musikalität begeis- tern vom ersten Ton an. Hinzu kommen warm timbrierte Mitten. Am besten funktioniert dies alles allerdings erst in größeren Räumen. Dann ist die Französin eine Allrounderin mit Punch!

Labor

Die französischen Entwickler haben viel Hirnschmalz in die Abstimmung der Genese Lyrr investiert: So zeigt sie sowohl ein sehr gutes Rundumstrahlverhalten, was die Aufstellung vereinfacht, und ein für Mehrwegesysteme geradezu herausragendes Timing, welches kaum Versatz ­zwi­schen den Chassis offenbart. Der Fre­quenz- gang ist ausgewogen und ohne nennenswerte Einbrüche. Er steigt zu den Höhen leicht an. Mit einem Impedanzminimum von 3,4 Ohm bei 109 Hertz ist die Lyrr ausgesprochen verstärkerfreundlich und dürfte sogar mit leistungsschwächeren Röhren laufen. Der Wirkungsgrad spricht mit knapp 86 Dezibel in jedem Fall dafür.