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22.09.2014

Test: Standlautsprecher KEF XQ 40

Randscharfe Britin mit anspringendem Temperament

Standlautsprecher KEF XQ 40

von Tobias Zoporowski

Dass KEF mit der vor etwa einem halben Jahr präsentierten „XQ“-Serie einen musikalischen Volltreffer landen würde, ahnten wir bereits nach den ersten Takten, die uns die kompakte XQ20 in STEREO 1/2008 zu Gehör brachte. Die penibelst verarbeitete und mit hochglänzender Vogelaugenahorn-Oberfläche zum Test angetretene Britin spielte derart anspringend, quirlig, lebendig und farbenfroh, dass wir viele  vergnügliche Stunden mit ihr verbrachten.

Mit der neuen Serie feierte auch die neueste Entwicklungsstufe der bereits seit einigen Jahren erfolgreich verbauten Einpunktschallquelle „UniQ“ Premiere, die laut KEF gerade in den oberen Lagen noch geschmeidiger und natürlicher, ohne jede Bissigkeit agieren soll. Und das konnten wir seinerzeit ohne Wenn und Aber bestätigen. Nun gibt es aber Zeitgenossen, die einen etwas größeren Raum zur Verfügung haben, in dem die smarte Kleine in Sachen Bassdruck naturgemäß an ihre Grenzen stoßen würde. Umso besser, dass die Briten mit der XQ30 und der XQ40 auch zwei Standlautsprecher offerieren, die „untenrum“ ein stämmigeres Fundament liefern können. Das Topmodell XQ 40 ist dabei mit der seinerzeit von uns getesteten Kompaktbox eng verwandt. Das 17 Zentimeter durchmessende Mittelhochtonchassis aus Aluminium, in dessen Mitte die 19-Millimeter-Hochtonkalotte montiert ist, die oberhalb von etwa zwei Kilohertz übernimmt, ist dasselbe wie in der Zwanziger.

Detail des Standlautsprechers KEF XQ 40

Nach unten läuft das Hightech-Chassis in der Standbox bis etwa 400 Hertz und wird so bereits recht früh von den beiden aus gepressten Fasern gefertigten 17-Zentimeter-Bässen entlastet, die der günstigeren iQ-Serie entlehnt sind und aus zwei Reflexöffnungen frontseitig ausatmen können. Selbstredend sitzt auch der UniQ-Treiber vollkommen ungestört in seinem eigenen Kämmerlein, so dass sich etwaige störende Einflüsse der „Basspumper“ nicht auf ihn übertragen sollten. Was die Resonanzarmut der Gehäuse selbst angeht, haben die KEF-Entwickler ganze Arbeit geleistet und die XQ40 im Inneren aufwändig verstrebt sowie ihr außerdem eine rund fünf Millimeter starke Aluplatte auf die Schallwand montiert, an der die Bassreflexrohre verschraubt sind.

Die Lautsprecherchassis sitzen in der dahinter liegenden MDF-Wand. KEF-typisch ist das robuste Bi-Wiring-Terminal, das bereits ab Werk mit vernünftig dimensionierten und mit Gabelschuhen konfektionierten Kabelbrücken bestückt ist. So wollen wir das sehen! Klanglich gab sich das XQ-Flaggschiff keine Blöße und folgte dem tollen Beispiel seiner kleinen Schwester aus Heft 1/08 auf dem Fuße.

Anschlussterminal einer KEF XQ 40

Wie diese überzeugt auch die „Große“ mit geradezu anspringender Agilität in allen Lebenslagen und einem kernigen, sonoren Grundton, der im Bass – trotz der beiden „Kellerwerker“ – eher mit staubtrockenem Punch als mit grollendem Getöse zu Werke geht. Dem UniQ sollte man eine längere Einspielzeit gönnen, zu Beginn tönen gerade weibliche Gesangsstimmen ein wenig kehlig und scharf, was sich aber bald legt. Die geradezu scherenschnittartige Fokussierung und Präzision um die Mittenlage herum, die sich nach einer angemessenen Aufwärmphase von etwa 48 Stunden ergibt, wird in dieser Klasse von keiner anderen Konkurrentin erreicht. Die ausgefeilte Darstellung von Details – und seien es kleinste Atem- oder Klappengeräusche – werden mit einer frappierenden Deutlichkeit dargestellt. So begibt man sich mit der KEF immer wieder auf eine Entdeckungsreise quer durch alle Bereiche der Musiksammlung, die man doch so gut zu kennen glaubt – faszinierend.

Dabei ist das neue Koaxialsystem weitaus aufstellungsunkritischer als noch in der Vorgängergeneration, die den markanten Superhochtöner auf dem Gehäuse trug. Das extrem penible Ausrichten der Lautsprecher, ohne das kein ausgewogener Höreindruck erreichbar schien, gehört der Vergangenheit an, wenngleich es natürlich der Sache grundsätzlich dienlich ist. In diesem Vergleich ist die KEF der akustisch beweglichste und exakteste Lautsprecher. Sie liefert ein Maß an Spielfreude und Dynamik, das sie auch – aber selbstredend nicht nur – für Rock- und Popfreunde zur Empfehlung macht.

Chassis-Detail einer KEF XQ 40
Die „Crown Wavelab Technology“, erkennbar an der kleinen Krone auf der Hochtonkalotte des UniQ, sorgt u.a. für eine homogenere Frequenzübergabe
Chassis-Detail einer KEF XQ 40
Die Basstreiber aus gepressten Fasern basieren auf denen der günstigeren „iQ“-Serie, der intelligent geformte Phase-Plug beeinflusst die Abstrahlung

Profil/Fazit

KEF XQ 40

Paar ab 3000 Euro
Maße: 23 x 102 x 30 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: GP Acoustics
Tel.: 0201/17039-110
www.kefaudio.de

Die XQ 40 treibt die Tugenden, mit der uns schon ihre kompakte Schwester XQ20 überzeugte, auf die Spitze. Enorme Agilität, spontaner Antritt und Detailverliebtheit kombiniert die schöne Britin mit natürlicher Stimm­wiedergabe und herrlich knorrigem Bass. Eine Box für Dynamikfans!

Labor

Messtechnisch gibt sich die XQ 40 sauber abgestimmt und vollkommen unkritisch.  Das aufwändig versteifte Gehäuse lässt sich zu keinen hörbaren Resonanzen hinreißen. Der Frequenzgang dürfte zu den li­nearsten in dieser Klasse überhaupt zählen. Ebenso ausgeglichen zeigt sich der Impe­danzverlauf, der stets oberhalb von 3,5 Ohm bleibt und die KEF so als reinrassigen Vier-Ohm-Lautsprecher ausweist. Mit knapp über 85 Dezibel erreicht die Engländerin einen guten Wirkungsgrad. Bereits kleinere Verstärker sowie Röhren dürften also ausreichend laut an ihr spielen. Die Sprungantwort fällt systemtypisch ordentlich aus.