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29.07.2014

Klassiker: CD Player Sony CDP-101

Vater der Schublade

Wenn neue Technologien Premiere feiern, ist die genetische Vielfalt der Geräte groß: Toplader, Frontlader, Schublader gab’s unter den CD-Playern der ersten Stunde. Sony setzte damals als einziger auf die Schublade

CD Player Sony CDP-101

von Ulrich Wienforth

Wie so oft hatten die Sony-Entwickler anno 1982 den richtigen Riecher: Mit Top-Ladern ließen sich keine Türmchen bauen, Frontlader hatten wegen der senkrecht rotierenden CD eine Bauhöhe von mindestens 14 klobigen Zentimetern – also entschied sich Sony bei seinem Erstlings-Player CDP-101, dem weltweit ersten CD-Spieler am Markt, für die Schublade. Diese Technik erforderte zwar etwas mehr Aufwand, aber vor ein paar filigranen Zahnrädchen, Riemen und Motoren sind japanische Hersteller noch nie zurückgeschreckt.

Und weil die Schublade sehr sanft ausfährt, braucht sie zum Öffnen geschlagene fünf Sekunden. Denn die CD wird nicht im Hauruck-Verfahren mit einem Magnetring auf der Antriebsspindel fixiert, sondern von einem motorisch bewegten Gegenlager mit sanfter Federkraft angedrückt. Man ließ sich ja auch Zeit damals: Das Einlegen einer CD war ein weihevoller Akt, den es zu genießen galt. Und beim Einlesen ist der CDP-101 immerhin recht flott: Sieben Sekunden nach Antippen der Play-Taste und Schließen der Lade erklingt Musik. Davon könnte sich manch neuzeitlicher Universalspieler eine Scheibe abschneiden.

Beim Schließen der Schublade tastet eine Lichtschranke ab, ob eine CD eingelegt ist. Dann startet sie unverzüglich das Einlesen des Inhaltsverzeichnisses. Allerdings schweigt sich der CDP-101 über die Anzahl der Titel aus: Im Display erscheint nur die „1“ für den ersten Track, und dann, nach dem Start, die Spielzeit oder wahlweise die Gesamt-Restzeit. Den übersichtlichen Programm-Kalender hatten erst spätere „CDP“-Modelle im Display. Dafür hat Sony dem Premieren-Player gleich zwei Paar Rangiertasten für schnellen und noch schnelleren Vor-/Rücklauf spendiert – natürlich mit Mithörmöglichkeit. Titel in beliebiger Reihenfolge programmieren kann man aber nicht, obwohl das bei der Konkurrenz damals schon Standard war.

Bei der Wiedergabe fabriziert der CDP-101 ein schepperndes Laufgeräusch, das mit zunehmender Titelnummer, also mit kleiner werdender Drehzahl, immer störender wird. Das mag man einem 25 Jahre alten Schätzchen als Verschleißerscheinung durchgehen lassen – aber womöglich hat der Player auch damals im Neuzustand schon gescheppert. In unserem Test in STEREO 6/1983 können wir darauf keinen Hinweis finden: Laufgeräusche waren damals noch kein Thema. Man achtete nur auf das, was aus den Lautsprechern kam.

Allerdings rückte die Abteilung „Praxistauglichkeit“ bei der Testerei mehr und mehr in den Vordergrund. Klangliche Unterschiede, so war damals die einhellige Meinung der gesamten Branche, würden im digitalen Zeitalter nur noch eine vernachlässigbar kleine Rolle spielen. Umso stärker wurden Sekundärtugenden wie die Anfälligkeit gegenüber Erschütterungen, Kratzern oder CD-Pressfehlern bewertet. Man war sich ja auch unsicher, ob der schöne neue CD-Klang den ersten Kratzer ohne Aussetzer überstehen wür­de. Und so testeten wir mit speziell präparierten Scheiben die „Störanfälligkeit“ – was wir übrigens bis heute tun.

Hier kommt nun ein Schalter an der Rückfront des CDP-101 ins Spiel, der mit „Anti Shock“ beschriftet ist. Er sollte den Player besonders erschütterungsfest machen. Dabei wird die Regelcharakteristik der Servosysteme straffer eingestellt, damit der Laser bei Stößen nicht so leicht aus der Bahn fliegt. Bei größeren Kratzern oder Pressfehlern kommt er dann aber umso eher vom rechten Pfad ab – und produziert Aussetzer.

Insgesamt schnitt der CDP-101 damals in Sachen Störanfälligkeit nicht besonders gut ab, wie übrigens die meisten japanischen Modelle. Spitzenreiter waren hier die Player von Philips und Marantz. Das galt auch für einige typische Messwerte wie etwa Rechteck- und Impulsverhalten: Bei den europäischen Herstellern war der Zeitverlauf schön symmetrisch, während die Japaner offensichtlich mit Phasendrehungen bei höheren Frequenzen zu kämpfen hatten. Schuld daran waren die steilflankigen Tiefpassfilter – die bei Philips & Co. dank Oversampling-Technik gutmütiger ausfielen. Andererseits punkteten Player wie der CDP-101 schon mit echten 16-Bit-Wandlern. Philips konnte 1983 noch keine 16-Bitler mit ausreichender Präzision zu vertretbaren Preisen herstellen und begnügte sich mit 14 Bit. Durch den Oversampling-Trick war die Auflösung dann aber doch die gleiche wie bei den 16-Bit-Geräten.

Beim STEREO-Test tauchte in der Messwertetabelle damals noch die Stereo-Kanaltrennung auf. Die war man ja von analogen Geräten als wichtiges Qualitätskriterium gewohnt. Doch es stellte sich rasch heraus, dass die Werte bei CD-Playern durchweg jenseits der 90 dB lagen – weshalb wir fortan auf diese Messung verzichteten. Sonys CDP-101 brachte es gar auf stolze 109 dB Kanaltrennung bei 1 kHz. Was wir ihm ankreideten, war allerdings eine Pegelabweichung von 1 dB zwischen den Kanälen und ein Frequenzgangabfall von rund 1 dB bei 20 kHz. Gesamtergebnis: „Obere Mittelklasse“ – nicht gerade berauschend für ein Gerät dieser Preisklasse.

Übrigens führten wir 1983 erstmals auch die Testkategorie „Verarbeitung“ ein. Dabei ging es nicht nur um Äußerlichkeiten wie Metallfronten mit abgerundeten Ecken, sondern vor allem um innere Werte wie robuste mechanische Konstruktion und aufgeräumte, servicefreundliche Elektronik. In dieser Disziplin konnte der Sony-Player punkten:  Mit seiner massiven Vollmetall-Schublade, dem gekapselten Trafo, dem handfesten Kühlkörper und dem schweren Sandwich-Deckel bringt er über 7 Kilo auf die Waage. Und natürlich ist er vollgepackt mit Elek­tronik, mit vielen Chips auf diversen Printplatten, die mit dicken Kabelbäumen vernetzt sind. Nicht zu vergessen die vergoldeten Cinchbuchsen.

Der Vielfach-Anschluss „Accessory Connector“ diente zur Synchronisierung mit anderen Sony-Komponenten: So schaltete ein angeschlossener Sony-Verstärker automatisch auf den CD-Eingang, ein Sony-Cassettendeck startete synchron auf Aufnahme. Das war insofern nützlich, als der Sony-Player schon mit Infrarot-Fernbedienung geliefert wurde, die bei anderen Komponenten aber noch nicht gang und gäbe war. Ähnliche Konzepte erleben wir ja derzeit bei HDMI-Verbindungen: Mit solchen proprietären Schnittstellen und Protokollen wollen die Hersteller nicht zuletzt den Kunden bei weiteren Käufen an sich binden.

Ein Novum bei CD-Spielern wie dem CDP-101 war das  nur 35 Zentimeter breite Gehäuse. Die Industrie wollte damals zusammen mit der neuen Technik ein neues Rastermaß einführen und endlich vom 43-cm-Garde­maß wegkommen. Schließlich hatten wir 1983 schon die erste Mini-Welle hinter uns. Was ist aus diesem Miniaturisierungstrend geworden? Otto Normalverbraucher kauft sich heute beliebig kleine All-in-one-Anlagen, die sich an kein Rastermaß halten. Im hochwertigen Segment aber regiert nach wie vor die 43-cm-Komponente.

Und wie klingt so ein 25 Jahre alter CD-Player? Immer noch erstaunlich gut, sehr dynamisch, einnehmend und frisch, wenn auch etwas synthetisch und artifiziell, vor allem bei S-Lauten. Dieser Klangcharakter ist durchaus typisch für die Player der    ersten Stunde. Moderne Geräte bieten oft mehr Schattierungen in den Mitten und ein beschwingteres Timing. Wäre ja auch schade, wenn der Player-Klang in 25 Jahren keine Fortschritte gemacht hätte.

Wenn Sie den Sony-Player mal selbst bewundern möchten: Besuchen Sie den STEREO-Stand auf der Highend in München.

Profil

Sony CDP-101

Damaliger Neupreis: 2300 DM
Weltweit erster CD-Player
in Japan seit 1982 am Markt
Markteinführung Europa: 1983
Schubladenmechanik, Anti-Shock-Schalter, 16-Bit-Wandler

Detail des CD Players Sony CDP-101
Faszination vor 25 Jahren: Titel-Nummer und Spielzeit erscheinen im Display. Auch die Symbole in Play- und Pausetaste leuchten auf
Detail des CD Players Sony CDP-101
Mit sanfter Federkraft fixiert der Andruckarm die CD auf der Antriebsspindel. Links davon im grauen Gehäuse der wuchtige Abtaster mit der Laser-Linse

Vom CD- zum SACD-Player

Mit seinen CD-Spielern wurde Sony in den 1990ern zur veritablen Highend-Adresse

Zum CD-Start 1983 kosteten noch alle Player um die 2000 Mark. Als in den folgenden Jahren die Preise bröckelten, folgte natürlich auch Sony diesem Trend – diversifizierte aber zugleich in höhere Preislagen. So konnte man noch Mitte der 90er Jahre gut und gerne 4500 Mark für einen Sony-Player ausgeben: den legendären CDP-XA 7 ES. Solche Geräte genossen bis weit in die Highend-Szene hi­­-nein einen ausgezeichneten Ruf – der nicht zuletzt das brillante Image der Marke Sony nachhaltig prägte. Sogar Modifikations-Spezialisten wie Michael Swoboda knöpften sich diese Sony-Modelle vor und setzten klanglich noch eins drauf.

1999 trat dann die SACD auf den Plan, die ja nach dem Willen von Sony und Philips die CD ablösen sollte. Und so ersetzte Sony nach und nach, von den oberen Preisklassen angefangen, die CD- durch SACD-Modelle. Heu­te hat Sony nur noch einen einzigen reinen CD-Player im Programm: das Einsteigergerät CDP-XE 270 für 140 Euro. Aber mit SACD-Modellen wie dem SCD-XA 1200 ES hält Sony immer noch das highfidele Fähnchen hoch.

CD & SACD Player Sony SCD-XA 1200 ES
Sonys aktuelle „ES“-Klasse: SACD-Spieler SCD-XA 1200 ES
Detail des CD Players Sony CDP-101
„Anti Shock“ hält den Abtaster auch bei Erschütterungen auf Kurs
Detail des CD Players Sony CDP-101
Jede Menge Elektronik und Strippen – sorgfältig zu Kabelbäumen gebunden