Sie sind hier: HiFi-Test / Neue Medien / iPod-Dock B&W Zeppelin
31.10.2014

Test: iPod Dock B&W Zeppelin

Der fliegende Engländer

Auch wenn es „Zeppelin“ heißt – fliegen kann B&Ws ungewöhnliches iPod-Dock nicht. Aber wenn sich die Briten schon an Apples ­Life­style-Porti wagen, darf man in der Tat etwas ganz Besonderes erwarten

B&W Zeppelin

Tobias Zoporowski

Wenn die HiFi-Gemeinde auf ein Signal gewartet hat, Apples berühmten Medienporti iPod nun endlich in ihren erlauchten Reihen zu akzeptieren, darf man den „Zeppelin“ wohl uneingeschränkt als ein solches betrachten.

Schließlich wagt sich mit Bowers & Wilkins nicht irgendein Unternehmen daran, dem handlichen Entertainer klanglich auf die Sprünge zu helfen. Und so ließen sich die Erfinder der berühmtesten „Klangschnecke“ der Welt denn auch nicht lumpen und entwickelten ein Produkt für ein Marktsegment, in dem sie ja bislang nicht unbedingt zu Hause waren, ganz selbstverständlich mit derselben Akribie und vielen innovativen Detaillösungen, wie sie es bei ihren Schallwandlern bereits seit über vierzig Jahren auch tun.

Völlig klar ebenso, dass es nicht irgendein schnödes Plastikkistchen sein durfte, auf das die britischen Lautsprecherprofis die wohl berechtigte Hoffnung setzen, dass es ihnen vollkommen neue Kundenkreise erschließen wird. Mit der Gestaltung der äußeren Hülle dieser Dockingstation, die an das von Graf von Zeppelin ersonnene, legendäre Luftschiff erinnert, wurde der Top-­designer Morten Warren beauftragt. Der kennt sich, mitsamt seinem Team von „Native Design“, bereits bestens mit B&W-Produkten aus, weswegen die unverwechselbare Zigarrenform selbstredend nicht nur optische Gründe hat.

Das extrem stabile und schwere Stahlgehäuse, dessen homogene Rundungen stehende Wellen verhindern, ist in seinem Inneren mit einer zusätzlichen Dämpfungsschicht aus extra steifem Kunststoff beschichtet. Klopfen Sie ruhig dagegen: Es ist fast vollkommen resonanzfrei! Die beiden strömungsoptimierten Bassreflexöffnungen auf dem hochglanzpolierten – entzückendenden – Rücken des Zeppelin lassen erste Rückschlüsse auf sein hochklassiges Innenleben zu. Verbaut sind nämlich tatsächlich zwei vollwertige Zweiwegesysteme, die mit einem gemeinsamen, zentral angeordneten Bass­chassis zusammenarbeiten. Zur Anwendung kommen in den Mitten zwei 90-Millimeter-Membranen aus einem Glasfaserverbundwerkstoff, auf deren Oberfläche mit Harz gefüllte Öffnungen für optimale Wiedergabetreue sorgen sollen.

Die beiden Metallkalotten-Hochtöner, die zur Minimierung von Verfärbungen und zur Optimierung des Abstrahlwinkels an den äußeren Enden des klingenden Luftschiffes montiert sind, tragen die für B&W-Speaker typische und bereits seit der legendären „Nautilus“ eingesetzte Röhre auf ihrem Rücken, in der sich nach hinten abgestrahlte Schallanteile reflexionsarm totlaufen.

Insgesamt drei kräftige Class-D-Verstär­kermodule treiben die ganze Pracht vehement an. Dem Basstreiber stehen dabei 50 und den Mittelhochtoneinheiten je 25 Watt Leistung zur Verfügung. Partytaugliche Pegel sind so absolut möglich! Damit das akustisch so richtig Freude bereitet, sollten Sie Ihren iPod mit möglichst unkomprimierten Musikdatei­en bestücken und sowohl die EQ-Einstellungen als auch die Lautstärkeanpassung des Apple-Portis deaktivieren. Derart beliefert zeigt die wohl musikalischste Zigarre der Welt nämlich ein Klangpotenzial, das Sie garantiert bisher weder dem iPod und schon gar keiner kompakten Dockingstation mit integrierten Lautsprechern zugetraut hätten.

„Beladen“ haben wir unseren Test-iPod sowohl mit unserer STEREO-Hörtest-CD IV als auch mit dem exzellent klingenden Sampler „Closer To The Music“ (Stockfisch Records), jeweils einmal unkomprimiert und im reduzierten, gleichwohl aber durchaus praxistauglichen 256-kBit/s-Daten­strom. Zum Vergleich haben wir beide Compilations von der Original-CD mittels externem Player (Naim CD5i) über den rückseitig vorhandenen AUX-Eingang (3,5-Millimeter-Klinke, die auch Toslink-fähig, also digital-optisch anzusteuern ist), eingespielt. Und hier hatten wir es in der Tat mit einer großzügigen, grundtonstarken und ungemein präsenten Darbietung zu tun, die manch einer – womöglich noch kostspieligeren – Kompaktanlage zur Ehre gereichen würde. Chris Jones „No Sanctuary Here“ kam sowohl unkomprimiert vom iPod als auch von der CD so knorrig, stämmig und warm, wie wir das Stück durchaus auch von ausgewachsenen HiFi-Systemen kennen. Der opulente „Danse Macabre“ von Camille Saint-Saens verlor im Grunde nichts von seiner mysteriösen Faszination. Die mit Bedacht weit außen am Gerät montierten Mittelhochton-Einheiten ließen sogar einen glaubwürdigen Raumeindruck entstehen. Wobei man hier sicher zu berücksichtigen hat, dass das B&W-System in der Praxis vorrangig an Plätzen seinen Dienst tun wird, wo die Hörabstände nicht allzu groß sind. Dort aber bereitet es – auch bei mit leicht reduzierter Datenrate aufgespielter Popmusik – sofort unbändige Freude. Zumal es sich dank des multifunktionalen Haltebügels – auf den bekannten 30-poligen Apple-Anschluss passen alle iPods mit Ausnahme des „Shuff­le“ – genial bedienen lässt. Man umfasst den Porti genauso, als habe man ihn in der Hand – da hat wirklich einmal jemand nachgedacht.

Jüngere iPod-Modelle ab der fünften Generation erlauben am Zeppelin über den Menüpunkt „Lautsprecher“ eine Anpassung des Basslevels. So kann das B&W-Dock je nach Aufstellungsort im Tiefton justiert werden. Eh immer an Bord ist eine DSP-gesteuerte und erfreulich sanft eingreifende Loudnessregelung, die für ein gleichbleibend stämmiges Klangfundament in allen Situationen sorgt. Und so ist der „fliegende Engländer“ mit Sicherheit das Beste, was Ihrem iPod passieren kann. Guten Flug! (Ende)

Profil

B&W Zeppelin

Preis um 600 Euro
Maße: 64 x 17 x 21 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: B&W
Tel.: 05201/87170
www.bowers-wilkins.de

Detail des B&W Zeppelin
Hinter der Abdeckung verbergen sich der zentrale 13er-Tieftöner, je Seite ein Mitteltöner aus Glasfasergewebe sowie eine sickenlose Hochtonkalotte
Ulf Soldan von B&W
„Bowers & Wilkins stand schon immer für exzellenten Klang. Der iPod ist bereits lange Kult. Mit ­unserem Zeppelin verschmelzen beide Produktwelten zu einer formschönen Einheit. Damit ­­
Die Fernbedienung des B&W Zeppelin
Ergonomischer kann man eine Fernbedienung eigentlich kaum gestalten. Sie steuert die Lautstärke-, Play/Pause- und Titelsprungfunktion. Zudem versetzt sie den Zeppelin in Standby