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28.07.2014

Test: Plattenspieler Music Hall mmf 5.1

Groove mit Herz

Music Halls Topdreher mmf 9.1 mit Dreilagenchassis räumte in STEREO 11/2007 die Bestbewertung ab. Der mmf 5.1 kommt mit nur zwei Ebenen aus, spielt aber kaum weniger engagiert

Plattenspieler Music Hall mmf 5.1

Von Tobias Zoporowski

Roy Halls Produktphilosophie erin­nert uns ein wenig an den Autohersteller Skoda, der ja nach der Übernahme durch Volkswagen bekanntlich eine Erfolgsstory sondergleichen vorzuweisen hat. Dabei bedienen sich die schlauen Tschechen aus dem schier unerschöpflichen Baugruppenfundus des Wolfsburger Mutterkonzerns und stellen da-raus solide, langlebige und vor allem preisattraktive Fahrzeuge zusammen, die dem niedersächsischen „Original“ qualitativ eigentlich in nichts nachstehen.

Der ehemalige Creek-Teilhaber und heute in den USA lebende Schotte Hall macht’s ähnlich. Warum zwingend etwas Neues erfinden, wenn es bereits sehr gute Einzelteile gibt, aus denen sich in der Summe hervorragende und dabei preislich durchaus bodenständige HiFi-Komponenten fertigen lassen? Mit dem Unternehmen Pro-Ject, das im Plattenspielermarkt seit Jahren selbst eine feste Größe ist und im ehemaligen Tesla-Röhrenwerk in Tschechien seine hoch modernen Produktionsanlagen betreibt, konnte Hall einen geeigneten Kooperationspartner finden. Und der Erfolg gibt ihm Recht.

Wer allerdings nun meint, die Music Hall-Dreher seien bloß Pro-Ject-Spieler mit anderen Aufklebern, geht fehl. Die Entwicklung und das Konzept übernimmt der Chef schon selbst, die Tschechen liefern Motoren und Tonarme zu und erledigen die Montage der Geräte.

Konstruktiv ähnelt der mmf 5.1, das Basismodell der aus drei Exemplaren bestehenden Serie, seinem etwas mehr als doppelt so teuren und seit STEREO 11/2007 mit satten fünf Sternen dekorierten Topmodell mmf 9.1 stark. Auch wenn es hier naturgemäß etwas einfacher zugeht – auf die dritte Etage wurde verzichtet –, ist der „Kleine“ für seine Preisklasse enorm aufwändig entkoppelt. So kommen hier immerhin zwei Chassisplatten zum Einsatz: Die untere, die auf drei zweiteiligen und in der Höhe verstellbaren Dämpfungsfüßen ruht, beherbergt in einer Aussparung den Antriebsmotor und trägt sechs „verkehrt herum“ montierte Gummispikes auf ihrer Oberfläche. Diese lagern auf ihren Spitzen wiederum das Oberdeck, auf dem das Tellerlager (ein gehärteter Edelstahldorn läuft in einer teflonüberzogenen Buchse) und die Tonarmbasis nebst Arm selbst beheimatet sind.

Damit des „Entkopplungswahns“ nicht genug: Der Motor treibt über einen Flachriemen einen aus Kunststoff gefertigten Subteller an, auf den dann der aus recht schwerem Aluminiumguss gefertigte eigentliche Plattenteller aufliegt. Eine Filzmatte bedämpft die Konstruktion zusätzlich. Sowohl die mitgelieferte Schraubklemme, die auch leicht verwelltes Vinyl wieder in Form drückt, als auch der kinderleicht zu justierende Neuneinhalb-Zoll-Tonarm entstammen unverkennbar dem Pro-Ject-Teileregal. Was nicht despektierlich, sondern ausdrücklich als Kompliment gemeint ist. Das Krönchen setzt Music Hall seinem Einsteigermodell dann in Form des wirklich sehr guten, seit Jahren bewährten  MM-Tonabnehmers „1012 GX“ auf, das der britische Analogspezialist Gold­ring zuliefert.

Der in dieser Preisklasse eigentlich unglaubliche Aufwand in Sachen Entkopplung und Dämpfung machen sich spätestens bei der Hörprobe bezahlt. Der mmf 5.1 spielt ausnehmend ruhig, geordnet und souverän. Dabei bereitet sein ungewöhnlich stämmiges Bassfundament, das er uns etwa beim Depeche-Mode-Reissue des Albums „Exciter“ unmittelbar spüren ließ, einen Riesenspaß. Gerade im Rock- und Popfach, Besitzer großer Sammlungen dieser Stilrichtungen wird’s freuen, fühlte sich der amerikanische Tscheche wie zu Hause, jagte hier einem irrwitzig schnellen Bassgitarrenlauf agil und straff hinterher, ließ dort ein großes Crash-Becken wie aus dem Nichts hervorplatzen, um den Hörer im nächsten Moment mit seiner gerade in den Mitten unheimlich geschmeidigen und warmen Tonlage zu umschmeicheln.

Dies alles fügt er in einem eher kompakten, präsenten und weniger weitschweifigen Klangbild zusammen, das aber stets auf den Punkt kommt und einen hellwachen Eindruck hinterlässt. Bei großorchestraler Musik, Big Band-Besetzungen und komplexeren Strukturen übertrumpft ihn sein großer Bruder mmf 9.1 erwartungsgemäß. Auch bleibt dieser im Bassbereich kontrollierter, staubtrockener und unverrückbar wie ein Fels. Angesichts des Preisunterschieds ist das aber auch kein Wunder.

Spannender war da schon das Hörduell zwischen dem mmf 5.1 und dem mit rund 870 Euro nur unwesentlich teureren Clear­audio „Emotion“, der ebenfalls als komplett ausgestattetes Paket inklusive hochwertigem MM-System an den Start geht. Und was unsere Ohren erreichte, kam einem Krimi gleich. Schenken wollten sich die beiden Kontrahenten beim besten Willen nichts. Was der Erlanger dem Ami an Feinzeichnung und Raumdarstellung vorlegte, konterte der Music Hall sogleich mit etwas kräftigeren Klangfarben, sonoreren Mitten und mehr Punch in den tiefen Lagen, womit sich der hochglanzlackierte Dreher mitten in unsere Herzen „groovte“ – und dort ganz sicher verweilen wird. (Ende)

Dieser Artikel wurde in STEREO 05/2008 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

Music Hall mmf 5.1

komplett um 800 Euro
Maße: 46 x 34 x 14cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Phonar
Tel.: 04638/89240
www.phonar.de

Fazit

Bewertung Plattenspieler Music Hall mmf 5.1

Er tut’s schon wieder: War schon der mmf 9.1 innerhalb seiner Preisklasse ein Kra­cher, legt Roy Hall mit dem mmf 5.1 für knapp 800 Euro ein komplett und hochwertig zusammengestelltes Konzept nach, an dem man zu diesem Kurs kaum vorbeikommen wird. Gemessen an Clearaudios Emotion, der zwar etwas feingeistiger und audiophiler auftritt, spielt der Music Hall druckvoller und dunkler, bereitet so vor allem Rock- und Popfans Freude. Toll, wenn man solch hochwertige Auswahl hat.

Detail des Plattenspielers Music Hall mmf 5.1
Der Motor ist auf der unteren Platte montiert und treibt über einen Alupulley und einen Flachriemen den sauber gefertigten Subteller aus Kunststoff an
Detail des Plattenspielers Music Hall mmf 5.1
Insgesamt sechs Gummispikes entkoppeln die zwei Decks voneinander. Für den Rest sorgen die aufwändigen Füße, die obendrein höhenverstellbar sind
Detail des Plattenspielers Music Hall mmf 5.1
Das montierte MM-System von Goldring, 1012 GX, ist keine magere Basiskost, sondern ein richtig erwachsen klingender Abnehmer