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30.10.2014

Test: CD Player Rotel RCD 1072

Günstig geht vor

Der günstigere, aber modernere RCD06 sticht ihn klanglich aus. Dennoch behält der höherpreisige RCD1072 seinen Reiz

CD Player Rotel RCD1072

Von Tobias Zoporowski

Die zur Bowers & Wilkins-Group gehörende britische Marke Rotel macht es ihren Kunden bei der Entscheidung zugunsten eines neuen CD-Spielers einfach – das Produktportfolio umfasst nur zwei Exemplare. Für etwa 630 Euro wechselt der im Jahr 2006 vorgestellte RCD 06 (Test in STEREO 12/2006) den Besitzer, das größere Modell RCD1072 wandert für rund 940 Euro über die Ladentheke und ist schon etwas länger, seit 2004, am Markt. Was kein Nachteil sein muss, denn Kontinuität ist eine Tugend, die man bei Rotel ganz bewusst pflegt. Beide Modellreihen sind während der vergangenen Jahre behutsam weiterentwickelt und nicht etwa radikal runderneuert worden.

Was zur Folge hat, dass der günstigere „06er“ das zwar angesichts des Materialaufwandes etwa beim Gehäuse weniger aufwändigere, technisch aber modernere Konzept darstellt. Der für das Klangergebnis unmittelbar verantwortlich zeichnende D/A-Wandler-Baustein aus dem Hause Burr- Brown – inzwischen zum Elektronikriesen Texas Instruments gehörend – vom Typ PCM1716 wandelt mit einer Datenrate von 24 Bit und einer Frequenz von 96 Kilohertz, verzichtet aber auf die HDCD-Dekodierfunktion des älteren PCM1732-Bausteins, der im RCD1072 werkelt. Laut Rotel-Chefentwickler Robert Burn hat man diese Entscheidung nach ausführlichen Hörsitzungen eindeutig aus klanglichen Gründen getroffen.

Das finden auch wir gut, denn der RCD 06 klingt Rotel-typisch unglaublich knackig, straff und agil, im Bass kernig und schlank. Stets eine Domäne der Briten: die seidenweiche und facettenreiche Stimmwiedergabe und der sauber durchstrukturierte Hochtonbereich. Die Raumaufteilung und Tiefenstaffelung des RCD06 ist nicht übertrieben groß, aber glaubwürdig. So soll es sein.

Ist damit der große Bruder abgemeldet? Aber nicht doch! Der – Verzeihung! – „Oldie“ dieses Vergleichs zeigt sich insgesamt ein wenig runder abgestimmt als der stets zackige und hellwache 06. Der mit seinen schwarz abgesetzten Seitenflanken sehr maskulin wirkende 1072 „wuppt“ vor allem im Bassbereich ein ganzes Pfund mehr auf die Waage, ohne dabei aufgedunsen zu wirken. Auch gelingt ihm die Raumaufteilung gerade in komplexeren Passagen etwas luftiger und selbstverständlicher als seinem optisch extrem sachlich gestalteten Bruder, dem er auch die enorm aufwändige Netzversorgung – der RCD1072 zieht seinen Saft aus einem im Unternehmen selbst gewickelten Ringkerntrafo – und enger tolerierte Bauteile in der analogen Ausgangsstufe voraus hat.

Beiden gemein sind die im Vergleich zum Wettbewerb rasant schnellen Zugriffszeiten der CD-Only-Laufwerke. So dauert das Einlesen des Mediums sowie das Anfahren einzelner Titel nur einen Wimpernschlag, während sich so mancher Konkurrent schon die ein oder andere Gedenksekunde gönnt.

Welchem der beiden Rotel-Player Sie nun den Vorzug geben, ist neben der optischen auch eine klangliche Geschmacksfrage. Der sehr homogen und dabei wieselflink aufspielende RCD 06 hat uns etwas mehr überzeugt. Der Günstigere ist er obendrein.

Profil

Rotel RCD 1072

um 940 Euro
Maße: 43 x 9 x 34 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: B&W Group
Tel.: 05201/87170
www.rotelhifi.de

Fazit

Bewertung CD Spielers Rotel RCD 1072

Obschon bereits fast fünf Jahre am Markt, schlägt sich der RCD 1072 im Vergleich zu seinem technisch moderneren Bruder RCD 06 wacker. Dabei klingt er etwas runder und stämmiger, weniger analytisch.

Labor

Top-Messwerte bei Wandlerlinearität und Aliasingverzerrungen. Der leichte Höhenabfall von einem Dezibel bei 20 Kilohertz fällt in der Praxis nicht ins Gewicht. Erfreulich ist der niedrige Ausgangswiderstand. Alle Labordaten finden Sie in der Tabelle auf Seite 98.

Detail des CD Spielers Rotel RCD 1072
Neben der aufwändigeren Ausführung des Gehäuses hat der RCD1072 seinem kleineren Bruder den im Haus gewickelten Ringkerntrafo voraus