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25.10.2014

Test: CD Player Vincent CD-S5

Röhre oder nicht?

Der neue Vincent-Player CD-S5 bietet schiere Materialschlacht für vergleichsweise wenig Geld. Schlägt er so seinen Röhren-Bruder?

CD Player Vincent CD-S5

Von Tom Frantzen

Der mit rund zehn Kilogramm recht schwere CD-S5 wird zwar mittelfristig den CD-S3 im Vincent-Programm ablösen, preislich aber ebenfalls in der Nähe des CD-S6 mit Röhrentechnik positioniert. Dies wirft naturgemäß die Frage auf: Welcher ist besser? Im Gegensatz zu seinem um 1400 Euro kostenden berühmten Bruder CD-S6 kommt der brandneue, rund 90 Euro teurere CD-S5 gänzlich ohne Röhrentechnologie aus. Eine schmucke Figur gibt er dennoch ab.

Der 5er verfügt über eine sehr aufwändige, symmetrische Schaltungstopologie, was die Zielsetzung einer möglichst unbeeinflussten Signalverarbeitung verrät. Unterstützt wird dieser Gedanke durch die konsequente Verwendung höchstwertiger Bauteile, etwa Kondensatoren von Wima, Solen und Dale.

Sämtliche Spannungsstufen sind stabilisiert, die Analog- und Digitalsektionen  räumlich getrennt, gegeneinander abgeschirmt und verfügen – ein Pluspunkt im Vergleich zu allen anderen Vincent-Playern – über eigene Ringkerntrafos. Der D/A-Wandler-Chip PCM1792 ist ein gegenüber dem 1732 aus dem CD-S3 weiterentwickelter, leistungsfähigerer Präzisionsbaustein mit 24Bit/192-Kilohertz-Takt und symmetrischem Ausgangssignal, was den Signalpfad verkürzt. Zudem beherrscht er – wenngleich ohne äußere Kennung – die HDCD-Decodierung entsprechender Silberlinge.

Apropos, die Signalpfade sind nicht nur kanalgetrennt, sondern aufgrund des symmetrischen Konzepts sogar vierfach ausgelegt. Die Verstärkersektion ist mit J-FET-Transistoren in Class-A-Schaltung aufgebaut, was zu einer kräftigen Ausgangsstufe mit, so Vincent, „mehr Analog-Feeling“ führen soll.

Selbstverständlich werden symmetrische und unsymmetrische Anschlüsse sowie koaxiale und optische Digitalausgänge angeboten. Tatsächlich hat Vincent es geschafft, den CD-S5 tonal seinem Bruder CD-S6 ähneln zu lassen. Wir tippen dabei auf entsprechende Maßnahmen in der Ausgangsstufe, wo man mit dem Oberwellenspektrum tolle Sachen anstellen kann. Das führt bei aller Durchsetzungskraft, großem Auflösungsvermögen bis in feine Strukturen und jeder Menge Temperament, das der neue überzeugend und mitreißend an den Tag legt, zu einer cremigen Note, einer Geschmeidigkeit und Lässigkeit, die gerade der Röhrenfan so schätzt.

Offenbar geht das aber auch ohne Glaskolben, denn letztlich nimmt er dem weniger souveränen CD-S6 knapp die Butter vom Brot. Dennoch ist dieser Vincent vor allem eines: ein echter Treibsatz für jede Kette, der bis in die unteren Lagen unerhört viel Schub in den Vortrag bringt.

Wer um die 1500 Euro für einen Player ausgeben will, sollte sich also unbedingt diesen hier und den charakterlich völlig anderen, feingliedrigen Cambridge anhören. (Ende)

Profil

Vincent CD-S5

um 1490 Euro
Maße: 43 x 14 x 36 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Geko
Tel.: 02921/9694920
www.gekohifi.de

Fazit

Bewertung CD Spielers Vincent CD-S5

Vincent macht seinem in den letzten Jahren erarbeiteten Ruf alle Ehre und liefert zum verführerischen Preis einen unglaublich massiven, kraftstrotzend und sogar „röhrenähnlich“ klingenden Player mit variablen Ausgängen ab, der sich in seiner Klasse mit in die Spitzengruppe integriert.

Labor

Der Labordurchgang verlief auf der elektrischen Seite absolut perfekt, aber die
Erschütterungsfestigkeit und die Abtastsicherheit des Vincent-Testmusters sind nicht berauschend.

Detail des CD Spielers Vincent CD-S6
Der Vincent ist bilderbuchmäßig aufgebaut, die kritischen Funktionsbereiche sind räumlich getrennt, abgeschirmt und werden separat gespeist