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22.08.2014

Test: CD Player Atoll CD 50

French Kiss

Stephane und Emmanuel Dubreuil, die klugen Köpfe hinter Atoll, legen auch bei ihrem Kleinsten, dem CD50, Wert auf Musikalität

CD Player Atoll CD 50

Von Tom Frantzen

Die sympathischen Franzosen aus Brecey lehnen die Verwendung heute üblicher DVD-Laufwerke bislang konsequent ab. So spendierten die Brüder Dubreuil auch dem kleinsten Atoll-Player ein echtes, mittlerweile recht teures CD-Laufwerk, namentlich das renommierte VAM1202 von Philips, das auch im CD100 und CD200 eingesetzt wird. Der Vorteil liegt auf der Hand: Zum einen produziert ein CD-Transport geringeren Jitter, also Fehler der digitalen Signalverarbeitung auf der Zeitebene und damit weniger Verzerrungen, zum anderen liegt das Laufgeräusch und damit auch das Maß an Vibrationen niedriger als bei den schneller laufenden DVD-Pendants.

Die Laufwerksektion sitzt mittig im stabilen Gehäuse und ist besonders resonanzarm aufgehängt. Auch das führt letztlich zu geringeren Abweichungen vom Original.  Schon der 50er profitiert auch von der strengen Arbeitsteilung der Stromversorgung. Laufwerksteuerung/Digitalteil und die analoge Signalverarbeitung werden getrennt voneinander gespeist.

Die beiden Trafos – deutlich kleiner als beim CD100 (um 1000 Euro, STEREO 11/ 04) – befinden sich rechts im Gehäuse, der Signalteil ganz links. Traditionell auffällig hoch fällt bei Atoll die Netzteilsiebung aus. Schon im CD50 beträgt deren Kapazität immerhin 14000 Mikrofarad. Verwendet wird in allen Atoll-Playern neben identischen Laufwerken auch der gleiche 24-Bit/96-Ki­lohertz-Burr-Brown-Wandler PCM1744 und die identische Hauptplatine, die lediglich un­terschiedlich bestückt wird. So kommen günstigere Koppelkondensatoren zum Einsatz als beim großen Bruder, die Versorgungsspannungen sind ebenso wie die Ruheströme etwas niedriger. Die Ausgangsstufe ist in diskreter Class-A-Technologie aufgebaut, der Player macht einen sehr stabilen und hochwertig verarbeiteten Eindruck.

Ob er in die ausgesprochen musikalischen Fußstapfen seiner Brüder treten würde, sollten die Hörtests zeigen. Auch der CD50 vermittelt hier den Atoll-typischen klanglichen Fingerabdruck. Er ist kein Auflösungswunder, hier wurde eindeutig mehr Wert auf ganzheitliche Strukturen, Fluss und akkurate Zusammenhänge in allen Dimensionen, aber auch auf Emotionalität gelegt, was unseren Beifall findet. Französisches „savoir vivre“ anstelle preußischer Erbsenzählerei.

Der kernige Atoll macht Spaß, spielt dynamisch, aber nicht überschwänglich. Stattdessen musiziert er mit Überblick und exakt dem Verve, den wohl auch Komponist und Dirigent im Sinn hatten. Dabei serviert er wie die meisten besonders musikalischen Player auch Energie in den unteren Lagen und stützt damit den eminent wichtigen Mitteltonbereich, den er klassenbezogen geradezu umwerfend seidig intoniert.

Der CD100 spielt mit seinem offensichtlich kräftigeren Netzteil und der symmetrischen Ausgangsstufe noch ein wenig feingeistiger, größer, tritt insgesamt energischer und souveräner auf. Er ist der erwachsenere, reifere Player, und die Mehrausgabe lohnt sich entsprechend. Dennoch muss der CD 50 ob dieser Leistung mit zu den verführerischsten Angeboten der 600-Euro-Klasse gezählt werden. (Ende)

Profil

Atoll CD 50

um 650 Euro
Maße: 44 x 10 x 28 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Visonik
Tel.: 030/6134740
www.visonik.de

Fazit

Bewertung CD Spieler Atoll CD 50

Der kleine Franzose ist klassenbezogen ein toller, sehr musikalischer und flüssig aufspielender Player. Das familieninterne Duell gegen seinen rund 50 Prozent teu-­reren Bruder aber verliert er trotz  teils identischen Erbgutes (D/A-Wandler, Laufwerk) aufgrund des dort höheren Detailaufwandes immer noch deutlich.

Labor

Der Atoll zeigte im Labor Schwächen bei der Wandlerlinearität (5,3 Dezibel sind zuviel Abweichung) und beim Rauschen  (88 dB), der Frequenzgang fällt leicht ab.

Detail des CD Spielers Atoll CD 50
CD-Transport und Platine sind in allen Atoll-Modellen gleich, Stromversorgung, Bauteilqualität und Bestückungsaufwand sind es jedoch nicht