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29.07.2014

Klassiker: Vor-Endstufe von Grundig

Max’ Dream Team

Mit den Verstärkerbausteinen SXV 6000 und A 5000 versuchte sich Max Grundig dem Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre nun der Massenware folgenden ­Qualitäts­ansturm der Japaner entgegenzustellen. Diese Geräte sind eines ganz sicher: stark unterschätzt!

Von Tom Frantzen

Bekannt und auf dem Gebrauchtmarkt beliebt sind die Grundig-Minis, die ihre Existenz nicht nur Dr. Burghardt Schwäbe, sondern auch einem sehr fruchtbaren, unternehmensinternen Wettbewerb zwischen den Entwicklern der Aktivboxen à la Monolith und den Verstärkerexperten verdanken. Doch das Fürther Weltunternehmen hatte unter dem visionären Firmenchef Max Grundig noch mehr zu bieten. Immerhin hatten die findigen Entwicklungsingenieure in einem 43er-Gehäuse noch erheblich mehr Entfaltungsmöglichkeiten und verstanden es auch,  diese zu nutzen.

Nicht zuletzt für den Betrieb mit den hauseigenen Aktiv-Lautsprechern konzipierte Grundig seinerzeit die im HiFi-Jahrbuch 1980 gelistete und auch im STEREO-Testjahrbuch ’82/’83 zu findende Slimline-Vorstufe SXV 6000. Für Grun­dig-Verhältnisse war dies eine ungeheuer anspruchsvolle und mit 700 DM auch – lachen Sie nicht – kostspielige Komponente, ungewöhnlich modern gestaltet und großzügig ausgestattet. Innen finden sich hochwertigste Bauteile, etwa Alps-Potis, wenngleich die aus Japan stammen (!), Schubstangen für die Schalter und eine potente Stromversorgung. Kritisch betrachtet hätte man diesen Vorverstärker im Ganzmetallgehäuse, mit gebürsteter Alufront, Class A-Kopfhörerverstärker, MC-Eingang und ausgeklügelter Klangregelung (Bass, Tiefen, Mitten, Höhen) bis hin zu Vorpegelstellern eigentlich viel teurer verkaufen müssen, denn eine zeitgenössische und ähnlich flach gebaute, aber puristischere Sansui CA-F1 kostete immerhin 1000 DM, eine Yamaha C-4 schon 1150 und eine C-2a gar 2200 DM.

Die kraftvolle Endstufe ist ein solides Gegentaktkonzept von echtem Schrot und Korn

Die nicht minder aufwändige Grundig-Endstufe A 5000 gehört hinsichtlich der Nomenklatur zwar streng genommen eher zur XV 5000, da sie aber die anspruchsvollste, größte und mit 2x120 Watt Sinusleistung an vier Ohm kräftigste jemals von Grundig gebaute Endstufe („Fine Arts“ ausgenommen) ist, passt sie hervorragend und wurde natürlich entsprechend häufig mit SXV 6000 und dem noch leicht verbesserten Nachfolger XV 7500 kombiniert. Ein sinnvolles Subsonic-Filter, Eingangspegelregler und eine dB-genaue LED-Leistungsanzeige sowie schaltbare Begrenzungen von 30, 60 und 120 Watt rundeten die Ausstattung hier ab. Insgesamt ein richtig schwerer Brocken mit modernem Gesicht, „Highspeed“-Bandbreite (über 100 Kilohertz), einem guten Netzteil mit ordentlicher Siebung und mächtigem Trafo samt kanalgetrennter Wicklungen.

Die Slimline-Bauweise kam bei Grundig-Fans gut an, und die 6000er bekam, wie bereits erwähnt, sogar noch einen überarbeiteten Nachfolger namens XV 7500, den STEREO ebenfalls testete. Dass Grundig es überraschend gut mit erlesenen Mitbewerbern von Burmester bis Stax aufnehmen konnte, machten STEREO und HiFi Exklusiv schon früh und mehrfach bekannt, der SXV 6000 bekam es konkret mit Audiolabor, Cabre, Marantz, Onkyo, Philips, Restek und Technics zu tun, wobei fünf von acht Geräten die Spitzenklasse erreichten, aber einzig der Grun­dig mit „sehr guter“ Preis-Gegenwert-Relation abschnitt.

Dem noch größeren Erfolg der Fürther Verstärkerkombi und dem Durchbruch in der audiophilen Szene standen denn auch weniger die Qualität als das biedere Image im Weg. High End und Grundig, das war irgendwie schwierig und mit ein Grund für die spätere „Fine Arts“-Abgrenzung. Nur wenige, darunter der verstorbene Kollege Klaus Renner, aber auch ein Bekannter aus meiner Jugendzeit, der eine Grundig-Vorstufe mit kleinen Aktivboxen kombinierte, erkannten das tatsächliche Potenzial.

Daran kranken die alten Grundigs:

Zudem hielten die Fürther lange an ihren DIN-Buchsen und – weitaus schlimmer – den DIN-Lautsprecheranschlüssen – fest. Lassen sich für Erstere auch heute noch Argumente (Massekontakte) – aber nur wenige Geräte – finden, so waren die DIN-Steckerchen für Lautsprecherboxen im Zuge der in den 70ern erstmals aufkommenden Qualitätskabel eindeutig fragwürdig. Immer­hin kann man dennoch neben Cinch mit guten, DIN-adaptierten Verbindungskabeln agie­ren, etwa solchen von Chord oder der In-Akustik, während  bei den Boxen die Phantasie gefordert ist.

Am Rande sei erwähnt, dass ein namhafter Lautsprecherentwickler nach wie vor die sehr vielseitige, rund 25 Jahre alte Grundig XV 7500 einsetzt. Und diese Erwähnung ist keine Kritik, sondern eher als Lob zu verstehen. Das Zeug war verdammt gut. Nur genutzt hat das Grundig leider wenig.

Profil

Grundig SXV 6000/XV 7500
Vorverstärker der Spitzenklasse
Bauzeit SXV 6000: 1980-83
XV 7500: sehr bauähnlich, ab 1983

Grundig A 5000
Endverstärker der angehenden Spitzenklasse
Bauzeit: um 1980-85

Die Vorstufe ist hochwertig aufgebaut, sogar ein paar Cinchbuchsen sind zu finden
Trafo und Siebung fallen in der vorderen Hälfte markant ins Auge, ebenso die Bauteilequalität, etwa der Potis

Egal, ob klein oder groß

Grundig erlebte um 1980 ein audiophiles Zwischenhoch

Auch die Minis MXV100 (Vorstufe), MA100 (Endstufe) und MT100/200 (Tuner) waren top. Noch ein Hinweis, den es im Zusammenhang mit Grundig-Komponenten aus dieser Zeit zu beachten gilt: Alle hier genannten Fürther gab es in einer silbernen und einer – nun, ähem – Ausführung in Braun metallic. Lassen Sie sich gerade im Web nicht täuschen, das sei schwarz. Das ist es definitiv nicht! Stattdessen für heutige Augen sehr gewöhnungsbedürftig.