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24.07.2014

Test: Vollverstärker Sony TA-FE370B

Günstiger Pragmatiker

Von Tom Frantzen

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 220 Euro zählt der tatsächlich deutlich unter 200 Euro gehandelte Sony TA-FE 370 ungeachtet des renommierten Markennamens zu den Son­derangeboten der Einsteigerklasse. Und er sieht auch durchaus ernst zu nehmend aus. Dafür sorgt schon die mit 14 Zentimetern üppige Gehäusehöhe und die wahlweise edel-silberne (370 S) oder gediegen schwarze Farbgebung (370 B).

Schlagworte wie „Spontaneous Twin Drive“ und „Super Legato Linear“ prangen imposant auf der Front, „Stromversorgung: JA“ auf der Sony-Website...

Erst auf den zweiten Blick offenbart das Konzept an mehreren Stellen den Rotstift. Gespart wurde – letztlich vernünftig in dieser Preisklasse – am Gehäuse, das allenfalls ausreichend solide wirkt, leider aber auch an wesentlichen Baugruppen. So kommt hier ein schon in den 70ern von Sanyo entwickeltes STK-Fertigmodul zum Einsatz, das – auf einen Kühlkörper geschraubt – die komplette Endstufe beinhaltet. Zu erwarten ist hiervon im Gegensatz zu diskreteren Aufbauten zwangsläufig eine schlechtere Kanaltrennung sowie ungünstige Verzerrungswerte, zumal die Bauteilspezifikation bereits um 0,4 Prozent Klirr ausweist. Beides sind klanglich potenziell durchaus relevante Eigenschaften.

Innenansicht des Vollverstärkers Sony TA-FE370B
Mit konzeptionell betagten STK-Modulen kann man eher brauchbare als wirklich erstklassige Verstärker bauen

Bei den Messwerten fanden wir das dann auch bestätigt. Die Bandbreite des Sony-Verstärkers – eigentlich ein im selben Hause gerne benutztes Argument etwa für SACD – liefert ebenfalls keinen Anlass für Beifall, denn der Japaner ist beileibe kein Sprinter und macht oberhalb von 40 Kilohertz dicht. Doch wir wollen nicht ungerecht sein, denn insgesamt stimmt das pragmatisch ausgelegte Sony-Angebot.

Im ausgiebigen Hörvergleich attestierten alle drei Redakteure dem TA-FE 370 eine recht ausgewogene Abstimmung. Er zeigte vielleicht bei der Männerstimme hier und da etwas zu wenig Körper und kam dafür bei einer Frauenstimme und Streichern minimal zu scharf rüber. Kontrolliert, tonal auf der sicheren Seite und auch hinreichend kraftvoll im Bass, blieb der Sony mangels Strahlkraft und Plastizität doch ein wenig hinter manchem Mitbewerber zurück, wirkte mitunter etwas fade und flach. Es mangelt ihm zuweilen an Charme, Farbe und Charisma, einem audiophilen Fingerabdruck. Unter dem Strich ist der fernbedienbare Sony aber ein Amp, der für gute 200 Euro seine Aufgaben zufriedenstellend erfüllt, mit guter Ausstattung glänzt und sowohl bei Phono als auch CD ohne Überraschungen zumindest ordentlich klingt.

Mehr aber auch nicht. Ein gutmütiges Gebrauchsgerät ohne Allüren, aber auch ohne besonders hervorzuhebende Tugenden, das von ambitionierteren und moderneren Konzepten hörbar überholt wird.

Profil

Sony TA-FE370B

um 220 Euro
Maße: 43 x 14 x 29 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Sony
Tel.: 01805/252586

www.sony.de

Bewertung

Der kleinste Vollverstärker des japanischen Industriegiganten wirkt äußerlich wuchtig und klassisch, ist mit Phono MM, Fernbedienung und Klang­regelung gut ausgestattet und passabel verarbeitet. Im Innern hätten wir uns eine diskret aufgebaute Endstufe gewünscht, die ihm auch mehr Potenzial verschafft hätte. Denn leider konnte uns der Sony klanglich nicht ganz überzeugen. Trotz tonaler Ausgewogenheit, Kontrolle sowie ausr­eichender Kraft­reserven blieb das Klangbild sowohl von CD als auch – etwas dünner – von Platte ein wenig ­farb­los, flach und merkwürdig uninspiriert. Für den Preis geht das zwar völlig in Ordnung, doch der TA-FE 370 ist eher ein unauffälliges Arbeitstier als ein Star.