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01.11.2014

Test: Vollverstärker Rotel RA-04

Phono-Spezialist

Von Tobias Zoporowski

Der kleinste aller Rotel-Verstärker kommt – eine Seltenheit, selbst in dieser Preisklasse – ohne Fernbedienung aus. Was man anderswo als Manko empfinden könnte, passt hier schlicht zum Stil des Hauses. Wie alle Komponenten der 2006 eingeführten 06er-Serie (eine seltsame Terminologie, aber der 04 gehört dazu!) kommt der britische Flachmann mit Pragmatismus und Reduktion auf das Wesentliche zum Ziel.

So haben seine Entwickler trotz scharfer Kalkulation beim Layout der Schaltung auf besonders hochwertige und zum Teil gar selektierte Bauteile zurückgegriffen und da­­rauf geachtet, dass die klangrelevanten Signale nur extrem kurze Wege zurücklegen müssen – mithin ein Indiz für eine verlustarme Reproduktion.

Ehrensache, dass auch im RA-04 ein großzügig dimensionierter Ringkerntrafo, der traditionell im eigenen Haus gewickelt wird, für die Spannungsversorgung zuständig ist. Wer Ambitionen hegt, zu einem späteren Zeitpunkt verstärkermäßig aufrüsten zu wollen, kann den Rotel auch als reine Vorstufe nutzen. Ein entsprechender Ausgang ist vorhanden. Generell lassen sich vier externe Hochpegelquellen anschließen, an der Front des Verstärkers ist eine zusätzliche 3,5-Millimeter-Buchse bereit, einen Medienporti entgegenzunehmen. Schade, dass der vorhandene Steckplatz für einen Kopfhörer gleich dimensioniert ist. 6,3 Millimeter wären hier einfach ein wenig hifideler.

Innenansicht des Vollverstärkers Rotel RA-04
Liebe zum Vinyl: Der Phonovorverstärker sitzt weit entfernt von allen anderen Baugruppen und ist mit eng tolerierten Bauteilen bestückt

Das ist aber alles vergessen, sobald der flache Verstärker seine Arbeit aufnimmt. Wie wir das von seinen größeren Kollegen bereits gewohnt sind, spielt auch der RA-04 sehr flüssig, dynamisch, bleibt dabei immer betont transparent und ungemein detailverliebt. Räume zeichnet er nicht übertrieben groß, aber realistisch nach. Stimmen gelingen ihm grundsätzlich natürlich, wenngleich Sängerinnen manchmal etwas unterkühlt erscheinen, was aber auch vom gehörten Musikprogramm abhängt. Geht es in den Frequenzkeller, bleibt ihm sein Feinsinn stets an der Seite. Auch hier sind ihm saubere Konturen wichtiger als abgrundtiefe Donnerbässe.

Ein Highlight des Testfeldes ist zweifels­ohne die außerordentlich homogen klingende MM-Phonoverstärkerstufe des Rotel, die für Plattenfreunde die Anschaffung eines externen Entzerrers überflüssig werden lässt. Vinyl tönt geschmeidig und warm, vielleicht insgesamt ein wenig träger als die quirlige CD-Wiedergabe, was wir aber nicht wirklich tadeln wollen. Für Fans der schwarzen Scheiben – aber nicht nur – ist der Rotel RA-04 die Empfehlung!

Profil

Rotel RA-04

um 420 Euro
Maße: 43,5 x 7 x 34 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: B&W Group
Tel.: 05201/87170

www.rotelhifi.de

Bewertung

Der schlicht-modern gestaltete Brite gönnt sich den Luxus des Weglassens. Eine Fernbedienung gibt’s nicht und lässt sich auch nicht nachrüsten. Das ist spätestens dann egal, wenn man die klanglichen Qua-litäten des routiniert und sauber verarbei-teten Rotel gewahr wird. Mit einem ­ins­­gesamt eher hellen Timbre beweist er Feingeist, einen ausgeprägten Sinn für ausformulierte Details und Transparenz. Dabei kippt er nie in unterkühlte Analytik, denn druckvollen Bass kann er ebenfalls. Aller-dings gilt auch hier die Devise: „Zuviel ist nicht  immer gut“, weswegen er stets sonor und agil bleibt. Sein Phonoteil ist eines der besten, das man in dieser Preisklasse fnden kann.