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20.12.2014

Test: Vollverstärker Marantz PM 6002

Souveräner Allrounder

Marantz Verstärker PM 6002

Von Tobias Zoporowski

Im gewohnt hervorragend verarbeiteten Familienoutfit tritt der Marantz PM 6002 zum Test an. Mit dem festen Ziel, seinen „werksgetunten“ Vorgänger PM 4001 OSE (Original Special Edition), der eine in seiner Preisklasse fast unglaubliche Klangperformance bot – wie wir ihm in STEREO 1/2006 attestierten –, noch zu übertrumpfen.

Und wie immer bei Marantz zeigt sich auch der Neuling für diesen Anspruch technisch bestens gerüstet. Davon kündet besonders augenfällig sein kraftvolles Netzteil, das mit einem ziemlich feisten Ringkerntrafo und zwei selektierten 10000-Mikro-Fa­rad-Kondensatoren das Innenleben des Amps dominiert. Nach Herstellerangaben ist das Kraftwerk besonders niederohmig ausgelegt, um eine schnelle Spannungsversorgung aller relevanten Baugruppen zu gewährleisten.

Die Leistungsausbeute fällt, gemessen an diesem Aufwand, mit 2x46 Watt an acht und 2x67 Watt an vier Ohm recht moderat, aber dennoch für die allermeisten Anwendungen wohl absolut ausreichend aus. Im­merhin schiebt der PM 6002 bei Impulsen 113 Watt je Kanal durch die Leitung. Puste hat er also genügend.

Innenansicht des Marantz Vollverstärkers PM 6002
Die Lautsprecherterminals (bogenförmige Kontakte rechts im Bild) sind auch innen goldbeschichtet. Standard: Endstufentransistor mit Wärmeleitpaste

Ebenso üppig liest sich die Ausstattungsliste. Insgesamt sechs Eingänge für externe Quellen hält der Marantz vor, davon ist einer für Plattenspieler mit MM-Systemen reserviert. Darüber hinaus können sogar zwei ­Tapedecks mit der Möglichkeit der Hinterbandkontrolle angeschlossen werden – Analogherz, was willst du mehr? Als Einziger des Testfeldes bietet der PM 6002 zudem nicht nur goldbeschichtete Cincheingänge, nein, auch die Lautsprecherterminals – es gibt übrigens zwei Paar – wirken mit ihren metallenen Schraubklemmen eine ganze Klasse hochwertiger als bei der Konkurrenz.

Völlig klar, dass der Marantz auch im Klangcheck die ganze Erfahrung seiner Entwickler in die Waagschale warf und sich betont offen, dynamisch und sehr agil präsentierte. Dabei geizte er nicht mit realistischer Raumabbildung und auch nicht mit Tiefgang, ohne allerdings Bassgewitter in den Hörraum zu schleudern. Was auch nicht zu seiner sehr sonoren und natürlichen Mittenwiedergabe passen würde. Hier stand eine ausgewogene Klangbalance über das gesamte Frequenzband hinweg offenkundig auf der Prioritätenliste ganz oben. Auch der Phonoeingang klingt recht ordentlich, wenngleich etwas unausgewogen. Stimmen mangelt es von der Schallplatte mitunter an Körper, Höhen können bissig werden. Gleichzeitig ist der Bassbereich, auch mess­technisch, leicht angehoben. Tendenzen, die der Amp im CD-Betrieb nie zeigt. Vinylfans sollten also lieber einen externen Phono-Pre in Betracht ziehen.

Das ist in der Tat aber nur ein klitzekleiner Wermutstropfen in der homogenen Darbietung dieses souveränen Allrounders.

Profil

Marantz PM 6002

um 400 Euro
Maße: 44 x 12 x 34 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Marantz
Tel.: 0541/404660

www.marantz.de

Bewertung

Es ist ja kein Geheimnis, dass Marantz schon immer viel Klang und Ausstattung fürs Geld geboten hat. Wir sind indes der Ansicht, dass der Hersteller in dieser Disziplin immer besser wird. So beerbt der neue PM 6002 nicht einfach nur seinen exzellenten Vorgänger PM 4001 OSE, er überflügelt ihn vielmehr fast mit links. So bietet der günstige Verstärker eine hervorragende ­Ver­arbeitung, eine umfangreiche und sinn­volle Ausstattung mit Herz für Analogfans (gleich zwei Tapeschleifen mit Monitor-Funktion!) und ein souverän-ausgewogenes Klangbild mit leichtfüßiger und offener Darbietung. Hätte der Phono-Pre die gleichen Vorzüge, wäre dem PM 6002 der Testsieg kaum zu nehmen. Ein toller Allrounder!