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15.09.2014

Test: Plattenspieler McIntosh MT-10

Einer wie keiner

„Turntable on Dope!“ – Bitte verzeihen Sie den flapsigen Kommentar, er stammt nicht von uns. Die Aussage aber ist klar: Der Leuchtdreher von McIntosh ist so kultig, dass er uns aufputscht

von Tobias Zoporowski

Erinnern Sie sich noch an den letzten Plattenspieler von McIntosh? Nicht? Damit liegen Sie goldrichtig, denn die Amis haben noch nie einen gebaut. Zwar fertigte man in New York bis etwa Ende der Siebzigerjahre Tonarme und MC-Tonabnehmer, ließ dieses Produktsegment mit dem Aufkommen der Compact Disc aber selig entschlummern.

Über den Entschluss des Traditionsherstellers, den High End-Markt nun mit einem Komplettgerät zu beglücken, kursieren verschiedene Gerüchte. Pragmatiker behaupten, die „Macs“ wollten sich schlicht der Renaissance der schwarzen Scheiben nicht verschließen. Andere Vögelein zwitschern von den Dächern, die US-Boys hätten ihrer weltweiten Fangemeinde mit dem MT10 einen lang gehegten Wunsch erfüllen wollen. Und dies Argument gefällt uns, ehrlich gesagt, viel besser.

Plattenspieler McIntosh MT-10
Die feisten Aluprofile links und rechts der tiefschwarz gefärbten Glasfront gehören unverwechselbar an die „Macs“. So auch an den Dreher

Zur Umsetzung des ehrgeizigen Projektes, schließlich soll der Plattenspieler die zweifellos anspruchsvolle Kundschaft nicht nur optisch, sondern auch technisch und klanglich begeistern, suchte sich die US-amerikanische Edelschmiede einen prominenten deutschen Kooperationspartner. Niemand Geringeres als die Analogspezialisten von Clearaudio aus Erlangen zeichnen für die Realisierung des MT10 verantwortlich.

Was man an geradezu allen technischen Attributen des eindrucksvollen Schwergewichtes, wie zum Beispiel am Tonabnehmersystem  – es handelt sich um das in STEREO 9/2007 getestete Clearaudio-MC „Talismann“, hier jedoch in einer speziell bedämpften und selektierten Variante – und dem präzisionsgedrehten, sieben Zentimeter hohen Acrylteller sehen kann. Allerdings wurde nicht ein einziges Ausstattungsteil einfach aus dem regulären Sortiment der Franken adaptiert. Es handelt sich durchgängig um exklusiv für McIntosh produzierte Spezialanfertigungen.

Einzige Ausnahme: Das patentierte CMB (Ceramic Magnetic Bearing)-Magnetlager, bei dem sich Neodymringe um die auf das Grundchassis montierte Achse respektive um die den Teller tragende Hülse jeweils auf der gesamten Oberfläche abstoßen. Der Teller schwebt dabei auf einem Magnetpolster und wird von der keramischen Achse lediglich seitlich geführt. Eine Lösung, die geringstmöglichen Reibungsverlusten unterliegt und sich klanglich in völliger Rumpelfreiheit und einer wunderbar luftigen Abbildung ausdrückt. Für größtmögliche Resonanzfreiheit besteht das Chassis aus einer Stahl-Acryl-Sandwichkonstruktion, die mit robusten Dämpfungsfüßen vom Untergrund entkoppelt wird.

Der Tonarm aus Duraluminium ruht horizontal in zwei Saphir- und vertikal in zwei Keramiklagern und wird werkseitig sowohl vormontiert als auch vorjustiert, so dass nach Montage des Abnehmers und des Armgewichtes ein „Schnellstart“ für Ungeduldige möglich ist. Eine gefräste Nut am Armende markiert die laut Bedienungsanleitung korrekte Position des Gewichts für die Auflagekraft des Systems, und auch die Antiskatingeinrichtung verfügt über einen O-Ring aus Gummi, der die empfohlene Einstellung anzeigt.

Zubehör des McIntosh MT10
Lageröl, Dosenlibelle, Inbusschlüssel und Feinmechaniker-Schraubendreher gehören ebenso dazu wie ein Distanzstück für „fremde“ Tonabnehmer

Ungewöhnlich für einen Plattenspieler – allerdings gar nicht so sehr für die gewohnt opulente Ausstattung anderer McIntosh-Geräte – ist die Einbindung des MT10 in das Fernbedienungskonzept des Herstellers. Was im Falle des Drehers zwar nur die Ferneinschaltung der dimmbaren Beleuchtung umfasst, aber immerhin.
Unsere „erleuchtete“ Klangreise begannen wir mit Eleanor McEvoys aktuellem Werk „Out There“, das uns in einer im renommierten Pallas-Presswerk in Diepholz vorzüglich gefertigten 180-Gramm-Pres­sung vorliegt, die die warm-rauchige Tonlage der irischen Chanteuse bereits beim überschaubar instrumentierten Opener „Non Smoking Single Female“ eindringlich ‘rüberbringt. Aufgenommen ist das Album in diversen Studios, diese Information gibt der Pressetext, nie zuvor aber konnten wir dies so deutlich nachvollziehen wie mit dem dicken „Mackie“.  Sind es doch gerade diese zusätzlichen Rauminformationen, die das Gehör benötigt, um ankommende Signale als wohlig-intim oder analytisch-kalt einzuordnen. Bei jedwedem Musikmaterial, das der MT10 unter die Nadel bekam, empfanden wir tendenziell Ersteres. ..weiter..

Dieser Artikel wurde in STEREO 03/2008 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

McIntosh MT10

komplett um 8900 Euro
Maße: 45 x 22 x 53 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Audio Components
Tel.: 040/2785860

www.audio-components.de

Bewertung

Yeah, that’s it, man! Das kultig-massive McIntosh-Flair findet in diesem Dreher seinen Höhepunkt. Das liegt nicht nur an der geheimnisvollen Lichttherapie des MT-10, sondern vor allem an seinem druckvollen, musikalisch-souveränen Klangbild.

Die Testkette

CD-Spieler: Denon DCD-A 1, Lindemann 820 S
Plattenspieler: Acoustic Solid Solid One, Linn LP 12 SE, VPI HRX
Vor-/Enstufe: Soulution 720, Ayre V-5
Lautsprecher: Thiel CS 3.7,Wilson Audio Maxx 2 und Watt/Puppy 8
LS-Kabel: MIT Magnum MA, Cardas Golden Reference, Silent Wire LS Ref.

Stichwort

Duraluminium

Aluminiumlegierung mit besonders hoher Festigkeit. Sie besteht aus etwa 95 Prozent reinem Aluminium mit Kupfer, Magnesium, Mangan und Silizium, findet häufig in der Luftfahrt Verwendung.