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21.12.2014

Test: Standlautsprecher Visaton Concorde III

Ready for Take-Off

„Concorde" nennt Visaton seinen aus­gewachsenen Standlautsprecher, der nun in dritter Generation vorliegt und mit Top-Technologie durchstartet

Visaton Concorde III

von Tom Frantzen

Einigen Ingredienzien der aktuellen Concorde Mk III aus dem Hause Visaton sind wir bereits in den getesteten Modellen Atlantis und Vox (siehe Kasten) begegnet. So trägt auch das Flaggschiff die Keramikkalotte KE 25 SC und die beliebten 13er-Alumini­um-Konusse der AL-Baureihe in sich. Materialien, die vor allem schnell und steif sind und deren Eigenschaften sich in den abzuarbeitenden Zuständigkeitsbereichen optimal handhaben lassen. Gerade solche High End-Chassis sind es dann auch, die Visaton in den letzten 10 bis 15 Jahren immer stärker vom Ruf des Bastlerladens befreit haben. Gleichwohl ist Visaton natürlich die wohl dominierende Großmacht in der Selbstbauszene geblieben.

Bei der Concorde MkIII, mit immerhin 130 Zentimetern ein ausgewachsener und nicht überall unterzubringender Koloss, handelt es sich dennoch um eine – nicht zuletzt durch eine taillierend angefaste Schallwand – schlank wirkende Säule. In dieser treffen wir eine Quasi-d’Appolito-Anordnung aus zwei Mitteltönern und einer mittig dazwischen befindlichen Kalotte an, die nach oben und unten von zwei 20er Tieftönern des Typs AL200 ergänzt wird. Das verspricht eine für den Abhörraum günstige Situation, denn der d’Appolito-Ampel sagt man ein besonders akkurates, leicht bündelndes Abstrahlverhalten nach, während zwei unterschiedlich positionierte Tieftöner bei ähnlicher Membranfläche die Raummoden weitaus weniger anregen als ein großer.

Detail der Visaton Concorde III
Der Bassreflextunnel auf der Rückseite ist sehr großzügig bemessen und erzeugt so keinerlei Strömungsgeräusche

Im Vergleich zu den bekannten Vox-Modellen dürfte zudem die Frontpositionierung der Woofer für eine unproblematischere Aufstellung sorgen. Der ohnehin sehr potente Bass dieser Serie ist in manchem Raum erfahrungsgemäß schwierig in den Griff zu bekommen, zumal er ja seitlich früh auf Hindernisse wie Möbel und Wände trifft. Das den Mitteltönern zugewiesene Gehäusevolumen von je drei Litern fiel bei der Concorde zudem etwas größer aus als bei der Vox. Das Gesamtvolumen liegt aber mit fast 100 Litern gleichauf mit der größten Vox 301, die summierte Bassmembranfläche ist ebenfalls ähnlich.

Gegenüber dem MkII-Modell wurde, übrigens auf Anregung durch Beiträge im Visaton-Forum, die Übergangsfrequenz zwischen Tief- und Mitteltöner auf 300 Hertz abgesenkt, was für den AL130 kein Problem ist. Zudem konnte durch die 18-Dezibel-An­kopplung des Hochtöners eine gleichmäßigere Abstrahlung erzielt werden. Auffällig war dennoch, dass der „Sweet Spot“ der Concorde – wie auch der der „Vox“ – relativ klein ist. Mittig zwischen den leicht eingewinkelten Lautsprechern ist die Fokussierung dafür exzellent und die räumliche Abbildung höchst plastisch, mit guter Tiefenstaffelung und glaubhafter Wiedergabe der Größenverhältnisse.

Das Klangbild ist ungemein präzise und klar, ausgesprochen durchsichtig sogar bis in den Bassbereich hinein, wo sich ansons­ten schnell versumpfende Strukturen hier problemlos mitverfolgen lassen.

Der Tieftonbereich ist physisch präsent, druckvoll, aber dennoch sehr kontrolliert. Das gelingt mit entsprechend offenen Mitten bei der hörbar wärmer abgestimmten Schwester Vox 253/301 nur bei idealen Aufstellungsbedingungen oder aber mit Tricks wie dem Stopfen der Reflexöffnung oder Bi-Amping/Aktivbetrieb (jeweils mit minimaler Pegelreduzierung unter 200 Hertz).

Ein Chassis der Visaton Concorde III
Der Tiefmitteltöner AL130 gilt auch in Selbstbau-Kreisen als absolutes High ­End-Chassis mit enormen „Stimm“-Qualitäten

Jede Art von Musik fächert die Concorde wunderbar auf und gibt sie schlüssig wieder, was sie zu einem ganz superben Lautsprecher mit zudem brachialen dynamischen Fähigkeiten macht. Ein Schönfärber ist sie hingegen keineswegs. Bei der Wiedergabe von Streichinstrumenten fiel uns im Vergleich etwa zur etwas gnädigeren, gedeckteren Dynaudio Contour-Serie der Hauch einer kühl-metallischen Tendenz in den oberen Mitten auf. Kein Fehler, eher eine tonale Duftmarke inmitten ansonsten ausgesuchter Neutralität. Stimmen kamen über die Concorde sehr natürlich, der als STEREO-Arbeitsmittel hier sattsam bekannten Vox 253 nicht unähnlich.

Chassis-Querschnitt der Visaton Concorde III
Bei der Membran des Hightech-Chassis KE25SC handelt es sich um keramisiertes Aluminium, das extrem steif und leicht ist

Insgesamt wirkt die Concorde aber noch einen Tick offener, klarer und kühler als die Vox, die dafür in den unteren Registern deutlich druckvoller aufspielt. Die klanglichen Unterschiede lassen sich somit auf die andere Energieverteilung im Spektrum zurückführen. Visaton selbst sieht beide auf ähnlichem Niveau – bei Ideal­aufstellung  würden wir dem zustimmen. Unkritischer und um knapp zwei Dezibel etwas wirkungsgradstärker ist aber die anspringend lebendige Concorde.  Man kann mit ihr sehr laut hören, ohne dass es Material und Mensch besonders anstrengt. Nicht zu verkennen ist auch die durch den spiegelsymmetrischen Aufbau und das hochwertig schimmernde Aluminium imposante Erscheinung, die schon fast an frühe Superboxen erinnert.  Wir finden diese Box aus Haan nach tagelangen Hörsitzungen ausdrucksstark, farbig und agil oder kurz: empfehlenswert.

Zieht man ergänzend ins Kalkül, dass man sie für rund die Hälfte des Verkaufspreises auch selbst bauen kann – der Bausatz kostet knapp 1600 Euro zuzüglich Holz – wird sie für manchen versierten Heimwerker womöglich erst recht zur inte-ressanten Alternative. Aber auch im Markt der Fertigboxen sollte die klangstarke Concorde richtig durchstarten können.

Fazit

Visaton Concorde Mk III

Paar ab 5000 Euro
Maße: 27 x 130 x 40 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Visaton
Tel.: 02129/5520
www.visaton.de

Visatons neue Concorde ist ein großer Standlautsprecher, der klanglich sämtliche Frequenzbereiche ungemein klar und souverän ausleuchtet, sie offen und lebendig sowie ausgewogen wiedergibt. Auch der Bass ist ausgesprochen detailreich und kontrolliert. Timing, Energie­verteilung und Dynamik sind ganz hervorragend gelungen. Zudem ist dieser Lautsprecher aufgrund seines symmetrischen Aufbaus mit je zwei Tieftönern relativ aufstellungsunkritisch.

Labor

Die Visaton ist ein sehr ausgeglichener Lautsprecher, der bis rund 30 Hertz ­hinab­reicht und zudem ein gutes Abstrahlverhalten aufweist (sehr geringer Hochtonpe- gelabfall abseits der Achse). Der Verlauf der Impedanz ist li­nearisiert und grundsätzlich unkritisch, da er nicht unter die Drei-Ohm-Marke abfällt. Der Wirkungsgrad liegt leicht über dem Durchschnitt, so dass diese Box mit hohen Leistungen, die sie zudem verträgt, souverän auch entsprechend hohe Pegel erzielt. Die Sprungantwort ist eher die einer Zwei-Wege-Kompaktbox und somit für ein großes Mehr-Wege-System wirklich hervorragend.

Frequenzgang
Sprungantwort

Stichwort

Raummoden

Durch die Raumabmessungen (Höhe, Breite, Länge und – weniger – Diagonale) in der Wellenlänge vorgegebene, be­sonders stark ­ausge­­prägte Eigenresonanzen eines Raumes.

Info

Vox on the Run

Das Hochmitteltonabteil kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder!

Die „Ampelkoalition“ aus der Keramikkalotte KE25SC und den AL130-Aluminium-Tiefmitteltönern feierte bereits in den Modellen der Vox-Baureihe Premiere. Bei diesen – beispielsweise Vox 253 und 301 (um 4000/5000 Euro/P.) – sitzt der Bass­treiber aber auf einer Gehäuseseite. Für das Phasen-/Zeitverhalten, also das synchrone Zusammenspiel der Teilbereiche, ist eine Schallwandplatzierung wie bei der Concorde theoretisch von Vorteil, geht aber notwendigerweise mit einer breiteren Schallwand einher. In den Vox-Modellen wird der Phasenanpassung durch eine diesbezüglich aufwändigere Weiche Rechnung getragen. Die durchweg in ähnlicher Preisklasse antretenden Visatonmodelle klingen deshalb trotz des gemeinsamen Erbgutes etwas unterschiedlich.

Visaton Vox 253