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20.10.2014

Test: Standlautsprecher Magnat Quantum 607

Soundrakete mit Schubkraft

Schlank ist bei Magnats Quantum 607 nur das Gehäuse – denn sie schiebt mächtig an

Magnat Quantum 607

Matthias Böde

Wer diesen Lautsprecher hört, wird kaum glauben, dass es soviel Üppigkeit und Souveränität schon für 800 Euro das Paar gibt. Und auch optisch macht die tadellos verarbeitete Quantum 607 mit ihrer hochglanzlackierten, stabilen Schallwand was her. Darin sitzen vier Wandler – zwei 17er-Basschassis und ein gleichgroßer Tiefmitteltöner, die sämtlich mit leichter, steifer Keramik-Aluminium-Membran sowie strömungsoptimiertem Korb aus einem Carbonfaserverbundstoff bestückt sind.

Oberhalb von 3200 Hertz übernimmt eine gedämpfte 25-Millimeter-Gewebekalotte die Signale, die von einem sternförmig ausgeschnittenen Filzring eingefasst ist, der frühe Reflexionen von der Frontplatte des Tweeters verhindern und einen ungleichmäßigen Abriss seiner Schallwellen bewirken soll. Beides reduziert störende Einflüsse auf die Feinarbeit des Chassis.

Zwei an ihrem Ausgang trompetenförmig verbreiterte Reflexrohre koppeln das Innenvolumen an die Außenluft an. Clever sind die per Magnetkraft fixierten Abde­ckungen, die ohne hässliche Löcher oder Nippel in der Front auskommen. Achtung: Die Bassanschlüsse des mit Kabeljumpern überbrückten Bi-Wiring-Terminals liegen außen. Dort gehört ein Single-Boxenkabel ran.

Die sternförmig ausgeschnittene Stoffeinfassung des Kalottenhochtöners soll frühe Reflexionen ­verhindern und zudem die Abstrahlung optimieren

 Die Quantum 607 offerierte überaus spritzige, hochdynamische und in sich hervorragend organisierte sowie räumlich exakt gestaffelte Klangbilder. Was diese Box an Mühelosigkeit und Impulsivität zu bieten hat, ist in dieser Preisklasse absolut ungewöhnlich. Das feine Rascheln von Gitarrensaiten kommt  ebenso prägnant ‘rüber wie die groben Kicks einer Bassdrum.

Dabei erstaunt, wieviel Druck und Energie die schmale Magnat in den unteren Lagen erzeugt. Dass dies kaum stört, geht auf ihre knorrige, konturierte Gangart zurück. Da dröhnt oder bollert nichts. Im Gegenteil besticht der Bass durch seine Festigkeit und dynamische Differenzierung. Auch die eher kernigen als feinen Hö­hen sind herzhaft gewürzt, was aufdringlich werden kann.

Der Vergleich mit der größeren, mehr als doppelt so teuren Quantum 905 entlarvte die 607 als Sound-Box. Durch die Betonung der Frequenzenden ergibt sich ein effektvoller Loudness-Charakter. Die Magnat bietet hohen konstruktiven Aufwand fürs Geld, richtet sich aber klar an die Spaßfraktion.

Fazit

Magnat Quantum 607

Paar um 800 Euro
Maße: 20 x 109 x 33,5 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Magnat Audio Produkte
Tel.: 02234/8070
www.magnat.de

 

Hier schlagen zwei Seelen in unserer Brust, denn die loudnessartige Abstimmung der Quantum 607 sorgt für die Extraportion Kick. Doch der reinen HiFi-Lehre entspricht sie nicht. Die hochwertigen Chassis und die stabile Konstruktion sorgen dafür, dass die Energie punktgenau wirkt. Dass Magnat auch anders kann, wissen wir von der grö­ßeren Quantum 907. Die 607 richtet sich wohl an einen anderen Hörerkreis.

Labor

Der Frequenzgang der Quantum 607 zeigt eine echte „Badewanne“. Bässe und Höhen sind gegenüber den erfreulich bruchlosen Mitten deutlich angehoben. Unter einem 30-Grad-Winkel (grüne Linie) sind die oberen Lagen allerdings schwächer. Positiv lässt sich sagen, dass dieser Lautsprecher auch noch in großen, stärker bedämpften Räumen zur Geltung kommt, in denen line­arer abgestimmte Boxen ähnlicher Größe akus­tisch untergehen. Der Impedanzverlauf ist gutmütig und erreicht sein Minimum von knapp vier Ohm im Bereich von 100 Hertz, also da, wo der Bass besonders stark ist. Ordentliche Sprungantwort mit ­leicht nachhängenden Woofern.

Frequenzgang
Sprungantwort