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28.07.2014

Test: Standlautsprecher Infinity Beta 40

Musterschülerin mit feinen Manieren

Bei Infinity denkt man an große Helden-Boxen. Die neuen sind kleiner – und haben Manieren

Infinity Beta 40

Matthias Böde

Was für ein Hohn! Dieses 90 Zentimeter  hohe Böxchen führt doch tatsächlich den Namen von Infinitys glorreichem, mannshohen Säulensystem „Beta“ aus den Achtzigern. Bei Infinity denken wir an pfannengroße Tieftöner und raffinierte Folientreiber. Ist die Beta 40 etwa ein Witz?

Hier arbeiten zwei  16,5er-Woofer in einem Bassreflex­gehäuse, die ober­halb von 600 Hertz steilflankig an einen 13er-Mitteltöner über­geben, der sich ab 3,2 Kilohertz sanfter zu einer 25-Millimeter-Kalotte hin ausblendet.

Ihren titanfarbenen Technik-Look ver­danken die Chassis ihrem „Ceramic Metal Matrix Diaphragm, kurz CMMD, einem Materialmix, der die Membranen leicht, steif und unanfällig gegenüber Resonanzen machen soll. Die Amerikaner sehen in ihm den idealen Stoff für jede Art von Treiber. Er wurde zusammen mit Metallur­gieexperten entwickelt und bildet die Basis der modernen Infinity-Boxen bis in die höchsten Klassen hinein. Und die günstige Beta 40 profitiert auch von dieser Innovation. Ihr Gehäuse ist sauber verarbeitet, aber unscheinbar. Was in ihm steckt erahnt man nur aufgrund des Gewichts der Box von fast 23 Kilo­gramm.

Eilte den alten Infinity stets der Ruf spektakulärer, auf­trump­fender und bass­mächtiger Klangbilder voraus, bemüht sich die Beta 40, dieses zwei­felhafte Image in Richtung Musterschülerin aufzupolieren. Sie klingt wie aus einem Guss, zeichnet in allen Lagen sauber durch, ver­zichtet bis an den Rand der Askese auf Effekte und wandelt auf dem Pfad der HiFi-Tugend. Andere Hersteller verlangen für soviel Homogenität und Stringenz eine Stange Geld.

Tatsächlich haftet den Mem­branen nichts Metallisches an. Sie klingen aber anders als Pappe oder Poly­propylen. Eine tro­ckene Prägnanz ist ihnen zu eigen. Der hauchzart aufgelöste Hochton­bereich zeigt einen edlen, stump­fen Glanz, die Mitten haben den Anflug cremiger Geschmei­digkeit. Aber eben nur als Ahnung. Bloß nichts übertrei­ben, lautet hier das Motto.

Und so kann man über die auch räumlich wie mit dem ­Geodreieck abgezirkelt zeichnende Beta 40 nur das Beste sagen und ihr höchstens die Nüchternheit ihres Realismus vorwerfen. Doch diese hervorragende Neutralität ist ja gerade ihre kleine Heldentat.

Die Beta 40 ist mit dicken Gummifüßen ausgestattet, in die sich bei Bedarf – und STEREO rät dazu – mitgelieferte Spikes einschrauben lassen

Fazit

Infinity Beta 40

Paar ab 800 Euro
Maße: 22 x 90 x 32 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Harman Deutschland
Tel.: 07131/4800
www.harman-deutschland.de

Klasse, dass es sowas noch gibt. Infinity verzichtet bei der Beta 40 auf jede Form der Kraftmeierei, spendierte ihr lieber erstklassige Chassis und eine weitestgehend line­are Abstimmung ohne aufgesetzte Effekte. An einem guten Amp vermittelt die Ame­rikanerin sogar ein gewisses Maß audiophilen Flairs. Sie hat mehr als ein Nischendasein verdient.

Labor

Sehr ausgeglichener Frequenzverlauf mit nur ganz leichtem Buckel im Bereich der oberen Bässe, der akustisch aber kaum auftrug. Trotz Streulinse vor der Hochton­kalotte ist der Pegel unter einem 30-Grad-Winkel (grüne Linie) deutlich geringer. Deshalb muss er auf Achse (rote Linie) ein wenig ansteigen, sonst klänge die Box zu dunkel. In der Praxis dosiert man sich die Höhen einfach durch den Winkel der Infinitys zu den Ohren. Das klappt garantiert. Unkritischer Impedanzgang zwischen fünf und 15 Ohm, gutes Zeitverhalten der drei Chassis mit nur geringem Versatz und kaum Resonanzen. Die Beta 40 hat also auch messtechnisch audiophile Qualitäten.

Frequenzgang
Sprungantwort