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25.10.2014

Test: Standlautsprecher Cabasse MT3 Jersey

Von wegen „Ka Bass“

Die Lautsprecher aus Brest galten stets als tonal eher schlank. Wie klingt ein aktuelles Modell?

Cabasse MT3

Matthias Böde

Na klar, das Wortspiel mit dem Namen des französischen Traditionsherstellers Cabasse ist einfach zu schön. Doch es war schon was dran: Die Lautsprecher von der Atlantikküs­te wiesen oft eine leicht mittige Tendenz auf, wodurch sich Stimmen prägnant aus ihrem tonalen Umfeld schälten und die Klangbilder besonders gut durchhörbar erschienen.

Und auch der schon äußerlich wenig progressiv, sondern fast betont konservativ auftretende Zwei-Wege-Lautsprecher MT3 Jersey hat noch eine kleine Nuance davon geerbt. Er besticht ebenfalls mit einer direkten, unvermittelten Ansprache des Hörers. Doch Bässe und Hö­hen kommen dabei keineswegs zu kurz. Seine beiden durch ein Reflexrohr mit der Außenwelt verbundenen, 17 Zentimeter durchmessenden Tieftöner mit P2C-Membran, was durch Kalziumkarbonat angereicherte Polymere bezeichnet, verschaffen sich druckvoll-konturiert Ge­hör. Die unteren Lagen kommen satt und saftig, aber nicht überbetont.

Für den guten Ton der Lagen oberhalb von 2800 Hertz sorgt eine recht große Kalotte aus dem glänzenden Kunststoff „Kaladex“, die die Franzosen von hinten schwarz einfärben. Sonst könnte man durch das glasklare Material wohl auf das „Aire“-Dämpfungskissen hinter der in einem kurzen Trichter eingesetzten Membran sehen, das den Übertragungsbereich erweitern und Reflexionen aus dem Innern des Tweeters nach außen vermindern soll.

Die Cabasse hat einen Single-Wire-Anschluss. ­Solide und formschöne Spikes geben ihr einen festen Stand

Auch wenn der Hersteller aus Brest sein ehemaliges Klangideal modifiziert hat, wollte er auf Frische und Unmittelbarkeit offensichtlich nicht verzichten. Die MT3 Jersey spielte in unserem Hörraum munter nach vorne und versuchte gar nicht erst, mit artistischen Auflösungseinlagen oder Raumakrobatik zu begeistern. Die Französin lässt die Akteure eher am vorderen Bühnenrand erscheinen. Ihr Spektrum ist kompakt, aber in sich gut und glaubhaft geordnet. Statt sich auf Kunststückchen zu kaprizieren, hat sie das große Ganze im Blick und leistet sich dabei weder besondere Stärken noch Schwächen, weshalb man ihr lange zuhören kann.

Und damit ist schon das Wichtigste über die MT3 Jersey gesagt. Sie ist ein gelungener Mix aus allen Eigenschaften, macht Bass und verleugnet dennoch nicht ihre Abstammung.

Fazit

Cabasse MT3

Paar um 900 Euro
Maße: 20 x 96 x 30 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Cabasse
Tel.: 07851/957414
www.cabasse.com

Sie suchen einen unkomplizierten Lautsprecher, der optisch nicht die erste Geige spielen muss und sich unauffällig ins Wohnambiente einfügt? Dann ist die in hel­ler Kirsche (Testbox) oder dunkler Wenge angebotene Cabasse richtig. Wenn man sie anmacht, ist es mit der Zurückhaltung vorbei. Dann spielt die MT3 Jersey quirlig und locker auf. Ihre direkte Art macht Spaß, die weitgehend lineare Abstimmung auch.

Labor

Der Frequenzschrieb beweist es – die Ca­basse hat keine Bassschwäche. In den Lagen darüber arbeitet sie sehr linear und steigt auf Achse gemessen (rote Linie) zu den Höhen hin leicht an. Das muss so sein, denn dieser geringe Peak verschwindet unter einem Winkel sofort (grüne Linie). Für die richtige Höhendosis am Hörplatz muss man einfach etwas mit der Einwinkelung der Lautsprecher experimentieren. Die klei­ne Spitze um ein Kilohertz herum betrach­ten wir als Reminiszenz an frühere Ca­basse-Abstimmungen. Gutmütiger Impe­danzgang, der nie unter fünf Ohm fällt. Exaktes Zeitverhalten, in der Sprung­antwort sind zudem kaum Resonanzen sichtbar.

Frequenzgang
Sprungantwort