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31.10.2014

Test: Standlautsprecher B&W 684

Von allem reichlich

Klangliche wie technische Finessen – B&Ws 864 hat von allem reichlich – und manchmal sogar etwas zuviel

B&W 684

Matthias Böde

Die zweitgrößte Box aus B&Ws neuer 600er-Linie schmeißt sich unverhohlen mit pausbäckiger Sonorität und kräftig getönter Farbpalette an den Hörer ran. Dabei ist der Bass aus den beiden 16,5-Zentimeter-Tieftönern mit der charakteristischen gelben Membran aus Kevlargeflecht differenziert, beweglich und wohldosiert. Doch in den unteren Mitten trägt die 684 deutlich auf. Sänger wirken so ein wenig gedeckt, Applaus zu stumpf und Sprecher etwas aufgedunsen.

Betrachten wir diese Abstimmung als ­Energiepotenzial für moderne Wohnräume mit heller Akustik. Denn die mit zwei strömungsoptimierten Reflexöffnungen versehene, wertig verarbeitete Box kann auch anders. Im STEREO-Hörraum verschlossen wir einfach das auf der Rückseite angeordnete „Atemloch“ des oberen Chassis, das bis zu vier Kilohertz hinauf überträgt, während sich der untere Töner oberhalb von 350 Hertz ausblendet, mit einem der beiliegenden Schaumstoffpropfen, und das Zweieinhalb­wegesystem spielte schlagartig gelöster sowie ohne jenen dunklen Schleier, der zuvor auch das luftigzarte Auftreten des 25er-Aluminiumkalottenhochtöners umwölkte.

Die kleine Maßnahme sorgte überdies dafür, dass gehörig Luft und Licht ins Klangbild kam und sich das präzise, aber nicht besonders weit gesteckte Spektrum mühelos von den Gehäusen löste. Auch hatte die zuvor fast gemütlich wirkende Wiedergabe so mehr ­Drive und Zug.

Ein Detail der B&W 684
Der mitgelieferte Fuß soll EU-Vorschriften zur Kippfestigkeit sicherstellen

Hat man ihr die leicht brummelige Tendenz ausgetrieben – und dafür sind die Stopfen ja da, platziert sich die Britin ganz vorn in ihrer Preisklasse. Sie zeigt eine leicht samtige, angenehm untechnische Tonalität und löst ohne jegliche helle Attitüde so fein auf, dass man dies erst bemerkt, wenn man sich bewusst darauf konzentriert. Der Hochtöner ist akustisch bruchlos integriert.

Eine Besonderheit ist der externe Fuß, der sich unter die 684 schrauben lässt und so vor allem ihre Standfestigkeit erhöhen soll. Er sorgt überdies aber auch für mehr Disziplin in den unteren Lagen und ist schon deshalb unbedingt zu empfehlen. Wie der gesamte Lautsprecher, der von allem reichlich hat – Wertigkeit, Finessen und Klangqualität.

Fazit

B&W 684

Paar um 1000 Euro
Maße: 20 x 96 x 30 cm (BxHxT)
Garantie: 10 Jahre
Vertrieb: B&W Group Germany
Tel.: 05201/87170
www.bowers-wilkins.de

B&Ws neue 600er-Linie hat eingeschlagen. Wer die 684 anhört, weiß weshalb. Ohne sich in der Soundecke zu platzieren, be­sticht die Britin mit crémigem Charme und unaufdringlicher Sonorität. Unter günstigen Bedingungen kommt sie im Grundton fast schon zu „fett“ daher, was sich per bei­gelegtem Stopfen mildern lässt. Aber die 684 wird auch an nicht ganz so toller Elektronik gefallen, wenn andere Boxen nerven.

Labor

Die Frequenzkurve zeigt einen welligen Verlauf mit starken Einbrüchen. Andererseits: Zieht man eine Linie etwa mittig durch das „Gebirgspanorama“, stellt man Abwei­chungen von „nur“ rund +/- drei Dezibel fest. Ist also alles halb so schlimm? Nicht weg­diskutieren lässt sich der kräftig ausgeprägte Grundtonbereich, der Farben üp­pig und Stimmen rund macht. Kein Wunder, dass ein Schaumstoffpfropfen (Messung ungestopft) im Hörtest klare Ver­besserungen brachte. Die Impedanz fällt nie unter fünf Ohm, die Sprungantwort belegt ein gutes Zeitverhalten mit fast gleichzeitigem Ansprechen der drei Chassis.

Frequenzgang
Sprungantwort