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23.07.2014

Test: DVD-Receiver Meridian G95

Genial einfach - einfach genial

 

Umfassende Features und eine intuitive Bedienung schließen sich bei AV-Geräten meistens aus. Meridians durchdachter DVD-Receiver G95 beweist, dass es auch ganz anders geht

Meridian DVD-Receiver G95

von Carsten Barnbeck

Eindrucksvoller hätte Meridians Lu­xus-Heimkino seine größte Stärke gar nicht unter Beweis stellen können. Der Praxistest des neuen DVD-Receivers G95 begann nämlich mit einem dicken Malheur: Aus Mangel an Projektoren und startbereiten Surround-Sets – irgendein Anlass findet sich da immer – klemmte sich der Autor den Kasten unter den Arm und nahm ihn kurzerhand übers Wochenende mit nach Hause. Dort angekommen bemerkte er allerdings schnell, dass die Bedienungsanleitung noch im Verlag weilte. An ein Herankommen war nicht zu denken.

Das wäre in Normalfall der Todesstoß für jeden AV-Test. Bei Meridians überaus komplexen Schaltzentralen gilt das sogar ganz besonders. Gar nicht lang ist es her, da konnte man die britischen Geräte nur konfigurieren, wenn man einen Computer, RS-232-Kabel, die nötige Software sowie ein Informatik-Diplom vorzuweisen hatte. Wir erinnern uns mit Grausen an Fälle, in denen wir ohne Hilfe durch den Vertrieb nicht einmal das Setup aufrufen konnten.

Es kam aber völlig anders. Anschluss und Integration in die heimische Kette dauerten entgegen aller Befürchtungen drei, das anschließende Konfigurieren des Gerätemenüs nochmal läppische fünf Minuten. Nach ei­ner weiteren Viertelstunde waren auch noch ein Tee gekocht, Kekse in Reichweite platziert, und der erste Film konnte über die Leinwand flackern. Solche Zeiten sind rekordverdächtig.

Eine Innenansicht des Meridian G95
Sauber getrennt: Rechts erkennt man das große ­Videoboard. Links daneben liegt die Digital-Audio-Platine, deren DSP passiv gekühlt wird

Der intelligente und benutzerfreundliche Aufbau kommt natürlich nicht von ungefähr. Einerseits hat ein integrierter DVD-Receiver immer einen klaren Vorteil, da die Verknüpfung der Komponenten untereinander entfällt. Der Meridian beinhaltet einen Slot-In-DVD-Spieler, einen Tuner mit UKW und Mittelwelle, sowie fünf digitale Endstufen. In einer DAB-Variante kostet er übrigens rund 560 Euro mehr. Selbstredend ist auch das komplette Video-Programm an Bord. Neben HDMI und einem vergoldeten Komponenten-Ausgang verfügt der Receiver über einen Faroudja-Chipsatz, der alle Bildsignale aufpoliert und hochskaliert und so selbst einem betagten und rauschanfälligen SAT-Receiver knackig scharfe, farbkräftige Bilder entlocken kann.

Doch das Gerät ist mehr als blanke Technik: Nach eigenen Angaben hat der britische Hersteller bei der Entwicklung seiner Wunderbüchse eng mit den Verbrauchern zusammengearbeitet. Man erstellte auf Basis von Befragung und Beobachtung Listen mit Notwendigkeiten und Features, die unbedingt an Bord sein sollten und notierte – das ist noch viel wichtiger – all die vielen Kleinigkeiten, die keiner will oder braucht.

Die Intelligenz der Masse funktioniert hervorragend. Der G95 kam uns im Test immer wieder vor wie ein auf Maß ­geschneiderter Anzug. Egal, ob man nun mit den Augen über die Anschlüsse fährt, mit der Großkaliber-Fernbedienung durch die Menüs schippert oder die Verzahnung der Audio- und Videoquellen näher studiert, dieser Receiver hat immer genau die richtigen Elemente an Bord und belastet den Anwender niemals mit überflüssigem Ballast. ..weiter..

Profil

DVD-Receiver
Meridian G95

um 7000 Euro (FM-Version)
um 7550 Euro (DAB-Version)
Maße: 44 x 9 x 35 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre, 2 Jahre aufs Laufwerk

Vertieb: Audio Reference
Tel.: 040/53320359
www.audio-reference.de

 

Fazit

Eigentlich muss man zum G95 nicht viele Worte verlieren: Der handliche Kasten bie­tet alles, was man sich im AV-Alltag so wünschen kann und begeistert trotzdem durch eine einfache und durchschaubare Benutzerführung. Daneben klingt er auch noch dynamisch und lebendig und liefert ein umwerfend scharfes, farbkräftiges Bild an die Mattscheibe. Wir haben es hier definitiv mit dem besten Kompakt-Heimkino zu tun, das je in unserer Redaktion weilte.

Labor

Die fünf Digitalendstufen des G95 leisten je 93 Watt an acht Ohm und 136 Watt an vier Ohm. Die Impulse betragen ebenfalls 136 Watt. Der Klirrfaktor liegt bei 0,04 Prozent, die Intermodulation bei 0,17 Pro­zent (jeweils bei fünf Watt Ausgangs­leistung). Den Signal-Rauschabstand (CD- Wiedergabe) ermittelten wir mit 89 Dezibel. Der ­Gleichlauffehler des Lautstärke­stellers ist mit 0,2 dB winzig. In Sachen Frequenzline­arität konn­ten wir bis 20 Kilohertz eine Abweichung von gerade mal 0,15 dB messen, während der Rauschabstand “Digital Null” 102 dB beträgt.

DVD-/CD-Laufwerk (DVD-Audio-, MP3-, Video-CD- und DualDisc-kompatibel), UKW/MW-Tuner mit DSP-Klangaufberei­tung, drei analoge Stereo-Eingänge, vier Digital-Ins (2 koax, 2 optisch), ein analoger 5.1-Ausgang, drei S-Video-, zwei Compo­site- und ein Komponenten-In, je ein S-Video, Compo­site und Komponenten-Out, ein HDCP-kompatibler HDMI-Ausgang, Fa­roudja-Bildaufbereitung, Upsampling von Zweikanal-Audio auf 192 Kilohertz, programmierbare MSR+-Fernbedienung, externe Steuerung via PC möglich, Trigger- und Meridian-Comm-Anschlüsse.