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24.10.2014

Test: Endstufe Musical Fidelity 550K

With A Little Help From My Friends

Musical Fidelitys „Supercharger“ 550K sind echte Endstufen­raketen. Und dazu die besten Freunde kleiner Amps. Für diese ­zünden sie die nächste Leistungsstufe. Alles anschnallen!

Endstufe Musical Fidelity 550K "Supercharger"

von Carsten Barnbeck

Energie – brachiale, ungezügelte und archaisch-reine Energie. Wir sitzen im Hörraum. Vor uns erhebt sich Wilson Audios gewaltige Maxx 2. Diese mannshohen, rund 180 Kilogramm schweren Boxen haben jeweils (grob überschlagen) einen viertel Quadratmeter Membranfläche. Und genau diese Fläche springt uns nun mitten ins Gesicht, jagt Impulse durch den Raum und gibt eine Vorstellung von dem, was passiert, wenn Sterne entstehen. Angetrieben werden sie von einer rosa Houston-Röhre mit – ähem – acht Watt.

„Moment mal!“, werden Sie nun verdutzt murmeln. „Geht das denn überhaupt?“

Nun, gehen würde es schon irgendwie. Allerdings um einige Nummern unspektakulärer. Mit einem so winzigen Amp zu versuchen, Lautsprecher-Gebirge zum Beben zu bringen, wäre aber nicht nur unsinnig, sondern gefährlich obendrein. In Nullkommanichts triebe die hohe Belastung unsere kleine Röhre ins Clipping, und die daraus resultierenden Verzerrungen könnten die Hochtöner ins Nirvana befördern.

Ziemlich schade, wie wir finden. Die Hous­ton 2004 (den Test finden Sie in STEREO 5/07) macht nämlich richtig angenehmen „Sound“ mit eigenwilliger, aber bestechender Raumabbildung und hat einen überaus stimmigen, musikalischen Tonfall. Warum sollte man den nicht irgendwie auch an einer Maxx 2 nutzen dürfen?

Mit dieser Meinung stehen wir keineswegs allein da. Antony Michaelson, Inhaber und Entwickler von Musical Fidelity, stimmt voll und ganz zu. Und noch mehr als das: Nach seiner von missionarischem Eifer getriebenen und unumstößlichen Meinung – er betonte das während seines Besuchs in der Redaktion mehrfach – sind nicht nur kleine Röhren vom echten Musikgenuss ausgeschlossen, sondern praktisch alle Verstärker mit weniger als 300 Watt Leistung pro Kanal (siehe Interview).

Innenansicht der Musical Fidelity 550K "Supercharger"-Endstufe
Ein kleiner IC sitzt genau zwischen Verstärkung und Netzteil und steuert verschiedene Belange wie etwa die automatische Abschaltung

Da Michaelson ein Mann der Tat ist, nimmt er diese Umstände aber nicht einfach in Kauf. Er liefert mit den Mono-Endstufen 550 K „Supercharger“ gleich eine definitive Antwort auf alle Leistungsfragen hinterher. Und so stehen wir wieder am Anfang unserer Geschichte: Zwischen Houston und den Maxx 2 hängen natürlich die beiden eigenwilligen Musicals im Signalweg. Das Besondere an den 550 K ist, dass man sie auf verschiedene Arten betreiben kann. Die zylindrischen Monos können natürlich wie konventionelle Endstufen über einen Line-Eingang in vergoldeter Cinch-Ausführung angesteuert werden. Das ist Usus und nützlich, in diesem Zusammenhang aber beinahe langweilig.

Viel spannender ist nämlich der Hochpegel-Eingang. Hier kann man praktisch jeden Verstärker über seine Lautsprecher-Ausgänge verbinden. So haben wir auch die Housten-Röhre ins Spiel gebracht, die per se gar keinen Line-Ausgang besitzt.

Die 550er lassen sich also wie jene überaus beliebten Boos­ter-Amps einsetzen, die in der Car-HiFi-Fraktion schon lange die Standardlösung zur Leis­tungssteigerung sind. Eine Assoziation, die Musical Fidelity übrigens gar nicht gerne hört. Mit wummerndem, undifferenziertem Tiefbass und scheppernden Heckklappen bringt man sich nicht gern in Verbindung. Der klangliche Anspruch dieser „Nachbrenner“ ist selbstredend in allerhöchsten HiFi-Gefilden angesiedelt. ..weiter..

Profil

Musical Fidelity
550K "Supercharger"

Paar um 4650 Euro
Maße: 22 x 41 x 23 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Audio Components
Tel.: 040/2785860
www.audio-components.de

Fazit

Die Car-HiFi-Fraktion wird von uns gern belächelt. Vielleicht zu Unrecht, wie Musical Fidelity zeigt. Das Konzept des „Boos­ter-Amp“ funktioniert auch an hochwertigen Ketten und konnte uns dabei richtig vom Hocker reißen. Die 550 K bringen enorme Power in jede Anlage, machen jeden Vollverstärker zum hochklassigen Pre und ermöglichen selbst exotische Boxen-Kombinationen. Einzigartig, wirkungsvoll und überzeugend – fünf Sterne!

Labor

Nomen est Omen? Die Supercharger 550 K  leis­ten 550 Watt sinus an acht Ohm. Bei halbierter Last sind es bereits 772 Watt Dauer­leistung, musikalische Impulse werden sogar mit bis zu 1070 Watt (vier Ohm) herausgepustet. Der Klirrfaktor ist dabei sehr niedrig. Er beträgt 0,0059 Prozent bei einem Dezibel unter Maximalpegel und 0,0058 Prozent bei fünf Watt. Die Intermodulationen halten da mit. Sie erreichen 0,014 Prozent bei Pmax -1 dB und 0,027 Prozent bei fünf Watt. Noch besser sieht der Rauschabstand aus. Mit 98 dB (5 Watt) und 77 dB (50 mW) sind die Amps praktisch Oasen der Ruhe. Die Eingangswiderstände liegen bei 50 Kiloohm (Cinch) beziehungsweise 50 Ohm (Power-Eingang), am Ausgang sind es 54 Milliohm. Als obere Grenzfrequenz maßen wir rund 95 Kilohertz, für die Leis­tungsaufnahme überschaubare vier Watt in Standby und 37 Watt im Leerlauf, den die Monos dank ihrer Abschaltautomatik aber stets schnell verlassen.

Ausstattung

Der Mono-Amp bietet je einen vergoldeten Cinch-Eingang und eine einfache Lautsprecherklemme als Endstufen-Input. Die Boxen-Ausgänge nehmen alle Ste­cker­arten auf. Ihren Betriebszustand regeln die 550 K über eine Automatik, die sie nach kurzer Ruhe in Standby versetzt. Ein harter Netzschalter sitzt auf der Rückseite.

Stichwort

1070 Watt

Die Impulsleistung ist eigentlich der entscheidende Wert, da Musik niemals – wie unsere Messtöne – aus kons­t­ant hohen Signalen be­steht.