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28.07.2014

Service/Test: RoHS und Marantz

Folle Fahrt trotz Bleifrei

Marantz hat sein Vollverstärker-Flaggschiff PM 11-S1 auf die neuen EU-Materialrichtlinien umgestellt und den Spaßfaktor des ohnehin umwerfenden Verstärkers dabei deutlich erhöht

von Carsten Barnbeck

RoHS – wie ein grausiges Schreckgespenst machten diese vier Buchstaben beim Bekanntwerden aller Details die Runde. Knapp drei Jahre ist das jetzt her. Die EU hatte mal wieder eine ihrer grandiosen Ideen ausgebrütet und ganz nebenbei einen verzwickten neuen Weg aufgetan, Geld in ihre hungrigen Kassen zu spülen. So konnten wir es damals zumindest immer wieder in Gesprächen mit Industrievertretern vernehmen.

Ein Gesetz (Details siehe Kasten) verpflichtet Hersteller seit Frühjahr letzten Jahres, schon im Vorfeld für die irgendwann einmal anfallenden Entsorgungskosten ihrer Ware zu sorgen. Gleichzeitig verbietet RoHS eine Reihe gefährlicher oder gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe. Das Blei, mit dem der Schmelzpunkt von Lötzinn früher herabgesetzt wurde, ist ein sehr passendes Beispiel aus der Elektrotechnik. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass eine solche Verordnung auf wenig Gegenliebe seitens der Produzenten stößt.

Man kann RoHS – aller berechtigten und ungerechtfertigten Kritik zum Trotz – natürlich auch vieles abgewinnen, stellt das Gesetz doch ein realisiertes Stück Umweltpolitik dar. Die Regelung ist eine Motivation, schädliche Materialien schon bei der Entwicklung neuer Geräte zu vermeiden. Auch das Argument, HiFi müsse ausgenommen werden, schließlich lande so etwas Herrliches wie ein großer, edler High End-Amp nie auf der Müllhalde, ist fadenscheinig. Auf ein Menschenalter bezogen oder im Vergleich zu einem iPod mag das stimmen, aber irgendwann wird auch er den Weg alles Irdischen beschreiten.

Natürlich mussten die Hersteller in unserer Branche durch die veränderten Materialien und die teilweise daraus resultierenden, neuen physikalischen Bedingungen umdenken, die Konzepte ihrer Geräte anpassen und viele HiFi-Komponenten völlig neu abstimmen. Während einige Entwickler uns damit das Ende des guten Musikgenusses prophezeiten, sahen andere wiederum Chancen hinter dem Zwang, da man willkommene Gelegenheit bekam, sich mal wieder mit den inneren Qualitäten seines gesamten Portfolios auseinanderzusetzen.

Zu den optimistischer ausgerichteten Herstellern gehörte von Anfang an Marantz. Das belegt ein munteres Interview, das STEREO für einen Bericht über die neue EU-Richtlinie in Ausgabe 12/05 mit Rainer Finck, dem damaligen Geschäftsführer des deutschen Vertriebes, führte. Mit dem PM-11 S1, dem größten Vollverstärker ihrer Premium-Linie, gaben uns die Osnabrücker nun erstmals die Möglichkeit, einen direkten Vergleich zwischen einem RoHS- und einem Non-RoHS-Gerät gleicher Bauart anzustellen. ..weiter..

Blick in den Marantz PM-11 S1
Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Unterschiede am Netzteil des alten (oben) und neuen (unten) PM-11 zu finden. Beachten Sie die kleine Platine am linken Bildrand
Blick in den Marantz PM-11 S1 Revised