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02.10.2014

Technik: XRCD-Produktion

Jeder Schritt der XRCD-Herstellung ist im Ablauf wie technisch definiert

Die XRCD im Blockdiagramm

Das XRCD-Verfahren soll durch klare Definition jedes Schritts alle technischen Unwägbarkeiten und negativen Einflüsse auf den CD-Produktionsprozess ausschließen. Sämtliche Stufen (siehe Blockschaltbild) sind aufeinander abgestimmt und unterliegen strengster Kontrolle. Neuerdings wird für die Verarbeitung sogar ein 24- statt eines 20-Bit-Masters erstellt. Das Ziel ist eine absolut jitterfreie Herstellungsstrecke.

Interview: Jan Sieveking

Jan Sieveking

STEREO: Herr Sieveking, unsere Erfahrungen mit XRCDs sind durchaus positiv. Was ist das Geheimnis ihres Klangs?
Jan Sieveking: Gute Frage! In erster Linie natürlich die absolute Präzision des komplexen Prozesses und die Sorgfalt bei dessen Durchführung. Allein der Fakt, dass sämtliche Funktionsgruppen auf eine ultrapräzise Rubidium-Clock synchronisiert sind, ist für die Klangqualität gar nicht hoch genug einzuschätzen. Außerdem werden XRCDs direkt vom Glasmaster gepresst, was dieses zwar zerstört, wodurch Jitter-Fehler aufgrund des Verzichts auf Pressstempel jedoch ausscheiden. Die Auflage pro Glasmaster ist also limitiert. Wer mehr Discs will, muss ein neues, teures Exemplar anfertigen. Andererseits schwören die XRCD-Macher auf Equipment, dessen Stellenwert schwieriger zu beurteilen ist. So findet etwa das gesamte Zubehör des Tuning-Spezialisten Harmonix Verwendung, von den Füßen bis hin zu den Kabeln. Das zeigt, dass die XRCD-Produktion von echten High Endern und Klangfanatikern durchgeführt wird. Anders wäre das Ziel wohl auch nicht zu erreichen.
STEREO: Für XRCDs kommen nur beste oder aber historisch besonders wertvolle Aufnahmen infrage. Honoriert der Kunde diesen Aufwand?
Jan Sieveking: Grundsätzlich ja. Angesichts des ganzen 08/15-Sounds, der uns heute allenthalben entgegenplärrt, suchen die Leute Qualität, musikalisch wie klanglich. Dazu kommt, dass gerade die Asiaten bestimmte Alben etwa der Jazz-Historie geradezu abgöttisch verehren und diese natürlich in allerbester Form genießen wollen. Der Aufwand tritt dann hinter das Ergebnis zurück. Diesen Geist, der deutlich zwischen dem Besonderen und dem Allgemeinen differenziert, wünsche ich mir für uns in noch stärkerem Maß.

Story: XRCD

Unterschied wie Tag und Nacht?

Dass die SACD noch mehr Klangpotenzial als die CD hat, wissen wir längst. Doch wie steht es mit der XRCD? STEREO hat unterschiedliche Versionen gleicher Werke miteinander verglichen

Sara K. in allen Tonträgerformaten
Auch wenn sie weiß und schwarz sind: Unterschiede wie Tag und Nacht gibt’s zwischen Sara K.s XRCD (l.) und der SACD denn doch nicht

Eine Bemerkung gleich vorweg: Über die Güte der Klangqualität unserer Tonträger entscheiden in den seltensten Fällen diese selbst, sondern die auf ihnen gespeicherten Aufnahmen. Ich hatte Anfang der Neunziger sogar mal eine von Sony vorbespielte MiniDisc, deren ATRAC-Datenreduktionssystem (igitt!) bei der audiophil orientierten Hörerschaft ja nie einen Fuß auf die Erde bekam, deren Musik jedoch so hervorragend klang, dass es einem glatt den Atem verschlug. Während manche SACD, die man sich erwartungsvoll in den Player legt, mit höchst durchschnittlicher Wiedergabe enttäuscht.

Und so soll es in dieser kleinen Betrachtung nicht darum gehen, einzelne Tonträgertypen gegen andere auszuspielen, sondern anhand einiger konkreter Beispiele Tendenzen in deren Charakter aufzuzeigen, die sich im Laufe der Zeit als durchgängig erwiesen haben. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem von JVC entwickelten und seitdem immer weiter verfeinerten „Xtended Resolution CD“-Verfahren. Besitzer hochwertiger CD-Spieler fragen an, ob man mit XRCDs, die ja auf jedem Player laufen und für deren optimale Darbietung kein spezielles Filter notwendig ist wie bei den HDCD-Discs, die Qualitätslücke zur SACD schließen kann.

Esther Ofarim-CD "Esther"
„Nur“ für Klangvergleiche eigentlich viel zu schade: Esther Ofarims geniales Solo-Album „Esther“

Wir sagen: ja. Doch das bedeutet keineswegs, dass die in einem aufwändigen Verfahren bei JVC hergestellten XRCDs, wo man mit den hauseigenen Victor Studios ja eine der profiliertesten Musikproduktionen des Planeten besitzt, genauso klingen wie SACDs.

Immer wieder einmal bietet sich die Möglichkeit zum direkten Vergleich, aber kaum je so ideal wie mit Sara K.s von Stockfisch Records aufgenommenen letzten Album „Hell Or High Water“. Erstens klingt das Werk in jeder Fassung superb, und zweitens wurde die XRCD bei JVC in Yokohama direkt mit einem Datensatz der originalen 44,1 kHz/ 24 Bit-Aufnahme angefertigt.

Stockfisch selbst hat eine Hybrid-Disc mit einem CD- und einem SACD-Layer herausgegeben. Und obgleich Letzterer nichts anderes ist als die hochgerechnete und ins DSD-Format umgesetzte PCM-Vorlage (siehe Kurzinterview), die für die CD-Version freilich von 24 auf 16 Bit verkürzt werden musste, nimmt man beim Umschalten den für SACDs typischen Charakter wahr: Das Klangbild entspannt sich und erscheint in jede Richtung ausgedehnt. Die oberen Lagen tönen geschmeidiger, samtiger. Feinste Nuancierungen werden hörbar. Die Wiedergabe macht einen Schritt in Richtung Natürlichkeit, artifizielle Helligkeiten werden deutlich reduziert. Dabei muss man sich klar machen, dass hier jedoch nicht nur das reine Digitalformat zum Tragen kommt, sondern ebenso unterschiedliche Filterauslegungen, möglicherweise andere Chips zur Signalaufbereitung und so weiter. ..weiter..