Sie sind hier: HiFi-Test / Neue Medien / Test: Streaming Client "Transporter"
22.07.2014

Profil

Slim Devices Transporter

Slim Devices Transporter
Um 2000 Euro
Maße: 43 x 8 x 30 cm (B x H x T)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Higoto
Tel.: 0201/8325825
www.higoto.de

Fazit

Audiophiles Bindeglied zwischen PC und HiFi-Anlage mit faszinierendem Display und Profi-Anschlüssen. Klanglich auf erstaunlich hohem Niveau, beim Streaming wie auch als schlichter D/A-Wandler.

Labor

Glatter Frequenzgang, leider ohne Deemphasis. Gutes Rechteck- und Impulsverhalten, sehr geringe Verzerrungen und ein minimaler Linearitätsfehler von 0,1 Prozent. Exzellente 116 Dezibel Rauschabstand und 98 dB Quantisierungsrauschen im rechten Kanal – links nicht ganz so gut.

Test: Streaming Client Slim Devices "Transporter"

Strömungskunde

Was ist ein Streaming Client? Der „Strömungskunde“ empfängt Musikdaten vom PC und gibt sie als Analogsignale an die HiFi-Anlage aus. Dieser hier heißt „Transporter“ und erhebt High End-Anspruch

von Ulrich Wienforth

PC-Chinesisch geht manchmal verschlungene Wege. Ein Client ist ein Kunde, der sich vom Ober (Server) bedienen lässt. Der Kunde bestellt oder ruft ab, der Server liefert. Technisch ausgedrückt: Der Client ist das Peripheriegerät oder eine dort installierte Software, der Server ist die Zentrale. Und Streaming bezeichnet Audio- oder Videodaten, die als kontinuierlicher Bitstrom übertragen und gleichzeitig wiedergegeben werden – im Gegensatz zum  „Download“, der beliebig langsam (bei ISDN) oder schnell (bei DSL) ablaufen kann, weil die Daten nicht zeitgleich wiedergegeben, sondern auf der Festplatte gespeichert werden.

Ein Streaming Client ist also ein Peripheriegerät, das Musikdaten nicht auf einer eigenen Festplatte gespeichert hat, sondern sie via Netzwerk vom zentralen PC abruft. So kann der Rechner zum Beispiel im Arbeitszimmer stehen: Der Client holt die Musik ins Wohnzimmer und gibt sie an die dortige HiFi-Anlage aus. Wichtig dabei ist, dass die Musik vom Wohnzimmer aus gewählt und abgerufen werden kann und man nicht jedes Mal ins Arbeitszimmer zum PC gehen muss, um eine neue Playlist abzufahren. Die Verbindung muss also bidirektional sein, und auf dem PC muss eine spezielle Software installiert sein, die mit dem Client kommuniziert. Sie stellt die Musikordner bereit, sortiert die Songs nach Interpret, Genre, etc. und führt schließlich den Streaming-Befehl aus.

Nun hat die Streaming-Geschichte aber auch einen highfidelen Aspekt. Nicht wenige Audiophile behaupten, dass Musik von der Festplatte besser klingt als von optischen Discs: dass sie stabiler, ruhiger, unaufgeregter im Raum steht. Tatsächlich haben wir hier und da ähnliche Erfahrungen gemacht – ohne dies verallgemeinern zu wollen. Jedenfalls will der amerikanische Hersteller Slim Devices mit seinem „Transporter“ beweisen, dass Musik aus dem PC richtig gut klingen kann. Mit einem Listenpreis von 2000 Euro wendet sich das Gerät offensichtlich nicht an den PC-Freak, sondern an die audiophile Kundschaft. Darauf deutet nicht zuletzt das hochwertige Alu-Gehäuse im 19-Zoll-Format mit Griffen und gerundeten Kanten hin.

Erst recht zeugt ein Blick auf die Rückfront vom professionellen Anspruch: Analogausgänge in Cinch und XLR, Digitalausgänge in Cinch, BNC, XLR und optisch,  und derselbe Buchsensatz noch mal für den digitalen Eingang. Denn der Transporter kann Musikdaten nicht nur vom PC entgegennehmen, sondern auch von klassischen Audioquellen via SPDIF. Er ist also nicht nur ein Streaming Client, sondern zugleich ein ganz normaler D/A-Wandler. Dabei lässt er sich über eine separate BNC-Buchse sogar von externen Taktsignalen steuern.

Slim Devices-Software
Auf dem PC muss die Slim Server-Software installiert sein, damit der Transporter auf das Festplatten-Musikarchiv zugreifen kann

Verbindung zum PC nimmt der Transporter wahlweise über LAN oder drahtlos über das eingebaute WLAN-Modul auf. Schwenkbare Antennen in äußerst robuster Ausführung sind beigepackt, und sie werden einfach auf die vergoldeten Buchsen aufgeschraubt. Selbstverständlich beherrscht das Gerät die gängigen WLAN-Verschlüsselungssysteme WEP und WPA, und tatsächlich ist der Netzwerk-Code das einzige, was Sie bei der Installation manuell eingeben müssen. Die IP-Adresse bezieht der Transporter automatisch vom DHCP-Router, und den Rechner, auf dem die SlimServer-Software aktiv ist, erkennt er ebenfalls selbstständig. Übrigens wird das Programm nicht auf CD mitgeliefert – die 26 MB müssen von www.slimdevices.com heruntergeladen werden. SlimServer läuft unter Windows ab 2000 oder NT sowie unter MacOS ab 10.3.

Wir laden also runter und installieren, verraten dem SlimServer, in welchem Ordner wir unsere Musik gespeichert haben und versuchen zunächst, über unseren WLAN-Router eine drahtlose Verbindung mit WPA-Verschlüsselung aufzubauen: ohne Erfolg. Offenbar kommt der Transporter mit der Verschlüsselung unserer FritzBox nicht recht klar. Wir wechseln auf WEP-Codierung, und jetzt klappt der Verbindungsaufbau völlig reibungslos. Schon nach wenigen Sekunden erscheint das Hauptmenü auf dem Transporter-Display. Und was für ein Display! Menüpunkte, Titel, Alben, etc. erscheinen auf zwei Zeilen mit je etwa 30 Zeichen in Proportionalschrift, und wer die Titel auch in größerer Entfernung noch lesen will, kann auf einzeilige Darstellung mit doppelter Größe umschalten.

Durch Menüs und Songlisten blättern wir mit dem großen zentralen Drehknopf – und erleben eine weitere Überraschung: Der Knopf hat genauso viele mechanische Rasten wie das jeweilige Menü Unterpunkte und ist danach mechanisch am Anschlag. Das heißt, die Anschlagposition wechselt von Menü zu Menü. Dieser kleine Gag hilft dabei, ein wirkliches „Gefühl“ für die Bedienung zu bekommen.

Slim Devices Transporter Detail
Aufwändige Elektronik: separate Stromversorgungen für Analogteil, Wandler und Takt. Rechts daneben das steckbare WLAN-Modul