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30.09.2014

Profil

Terratec Phono-Preamp iVinyl
Preis: um 130 Euro,
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Terratec,
Tel.: 02157/81790
www.terratec.de

Profil

Roadstar TTL 8743 UDJ
Preis: um 150 Euro
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Ultramedia
Tel.: 04131/9239-0
www.ultramedia.de

 

Info

Aussteuern, Aufnehmen, Schneiden – und mehr

Das kostenlose Recording-Programm Audacity bietet erstaunlich viele Funktionen

Im Hauptfenster von Audacity (oben) erscheinen die beiden Kanäle im Wave-Editor und in der Aussteuerungsanzeige. Ganz unten die Spektralanalyse

Trotz Plug & Play: Ohne Aufnahme-Software geht nichts beim PC-Recording von externen Quellen.  Wie sonst sollte die Festplatte wissen, wann sie mit dem Speichern der Daten beginnen soll? Und eine Aussteuerungsanzeige ist gerade bei digitalen Systemen unerlässlich – auch wenn viele Soundkarten gar nicht in der Lage sind, den Pegel zu beeinflussen. Die Recording-Software ist es auch, die dem internen oder externen Audiogerät mitteilt, mit welcher Auflösung es die Signale digitalisieren soll.

Doch die meisten Aufnahmeprogramme können noch viel mehr. Das gilt auch für „Audacity“, das kostenlos von www.audacity.de heruntergeladen werden kann. Da ist zunächst der Wave-Editor, in dem WAV-Dateien in einzelne Titel zerlegt oder beliebig geschnitten werden können. Es stehen aber auch zahlreiche Effekte zur Verfügung, zum Beispiel Ändern der Tonhöhe ohne Tempoänderung, Equalizer, Echo, Normalisierung oder Dynamikkompression. Weitere Effekte lassen sich als Plugins laden. Außerdem kann die spektrale Zusammensetzung des Signals analysiert werden, und sogar ein Tongenerator ist eingebaut. Audacity gibt’s für Windows (ab Win 98), für Mac und für Linux.

Aussteuerungsanzeige in Grün, Gelb und Rot mit Maximalpegel in Ziffern (Bild oben). Unten Terratecs Wave-Editor mit Spektralanalyse

Stichwort

WAV-Datei

Audioformat von Microsoft für unkomprimierte PCM. Zusätzlich zu den reinen Audiodaten sind Informationen über die Anzahl der Kanäle, Taktfrequenz, etc. enthalten.

Test: Von Vinyl auf den PC

Bits aus Vinyl

Mit dem USB-Plattenspieler von Roadstar oder Terratecs „iVinyl“-Adapter ist es ganz einfach, aus den Informationen einer Vinylrille PC-taugliche Bits zu machen. Fragt sich nur, in welcher Qualität

von Ulrich Wienforth

Eingefleischte Schwarzhörer werden das als Sakrileg empfinden: Analog muss schließlich analog bleiben, und auf dem PC hat die Musik aus der Rille erst recht nichts verloren. Doch es gibt auch Leute, die zwar zu Hause gern Vinyl auflegen, aber sich unterwegs von iPod & Co beschallen lassen – auch mit Musik von der Schwarzen Scheibe. Da führt kein Weg am PC vorbei. Normalerweise muss dazu der Plattenspieler mit dem Phono-Eingang des Verstärkers verbunden werden, von dessen Tape-Ausgang geht’s dann zu einer hochwertigen Soundkarte, von dort zu einem Recording-Programm. Einfacher lässt sich der Transfer mit unseren beiden Speziallösungen bewerkstelligen: Terratecs iVinyl-Adapter spart den Verstärker und die Soundkarte ein, und der Plattenspieler von Roadstar lässt sich sogar direkt per USB an den Rechner anstöpseln. Und auch die Recording-Software ist in beiden Fällen beigepackt.

Per Umschalter kann der Plattenspieler am Phono- oder einem Line-Eingang des Verstärkers betrieben werden

Zunächst zur Komplettlösung von Roadstar. Für ganze 150 Euro enthält das Paket einen riemengetriebenen Plattenspieler mit Magnetsystem, Antiskating-Einstellung und Geschwindigkeitsregulierung samt Stroboskop, einen eingebauten Entzerrer-Vorverstärker sowie einen A/D-Wandler mit USB-Ausgang. Zum Musikhören kann das Gerät wahlweise an den Phono- oder Hochpegeleingang eines Verstärkers angeschlossen werden.

Zum Übertragen der Musik auf den Rechner wird per Plug & Play die USB-Verbindung hergestellt – irgendwelche Treiber müssen nicht installiert werden. Als Recording-Software packt Roadstar das Programm „Audacity“ auf CD bei. Es handelt sich dabei um Freeware, die man auch jederzeit kostenlos herunterladen kann (siehe Kasten).

In Audacity wird nun der USB-Plattenspieler als Quelle gewählt. Dann auf Aufnahme schalten, die Vinylscheibe probeweise starten und den „Gain-Drehknopf“ an der Geräterückseite so einpegeln, dass die Aussteuerungsanzeigen in Audacity mit Sicherheit unter 0 dB bleiben. Schon kann’s losgehen. Ganz nach Wunsch unterbrechen Sie die Aufnahme nach jedem Titel und exportieren ihn als WAV-Datei auf die Festplatte oder Sie nehmen eine ganze LP-Seite am Stück auf und bearbeiten Sie anschließend im Wave-Editor von Audacity. Dort können Sie auch die Titelunterteilung vornehmen.

Einen Entknacker bietet Audacity nicht, wohl aber einen Entrauscher und zahlreiche andere Effekte. Die Wave-Files können anschließend mit einem beliebigen Brennprogramm auf CD gebrannt oder von Audacity ins OGG-Vorbis-Format gewandelt werden. Wer MP3s erzeugen will, muss sich den LAME-Codec herunterladen.

Wenn Sie lieber einen Plattenspieler eigener Wahl für den PC-Transfer verwenden, kommen Sie mit dem iVinyl von Terratec einfach und günstig ans Ziel. Es handelt sich um einen Entzerrer-Vorverstärker für Magnetsysteme mit eingebautem A/D-Wandler und USB-Ausgang. Also: Plattenspieler samt Massekabel an den iVinyl anschließen, USB-Verbindung zum PC herstellen, fertig ist das Hook-up. Das kleine Kästchen wird vom PC via USB mit Speisespannung versorgt, und es wird wiederum vollautomatisch erkannt.

Jetzt brauchen Sie nur noch die beigepackte Software zu installieren: Es handelt sich um eine spezielle Version von Sound Rescue, die nicht nur aufnehmen, sondern anschließend auch entknacken, entknistern und entrauschen kann. Zum Aussteuern lässt sich der Pegel am iVinyl in zwei Stufen schalten, und sogar die Eingangskapazität kann dreistufig variiert werden. Die gewünschte Auflösung wird in der Software ausgewählt und von ihr an den iVinyl übermittelt: Er kann mit bis zu 24 Bit und 96 kHz wandeln. Das macht zum Beispiel Sinn, wenn man die Dateien auf DVD brennen will. Die weiteren Schritte sind ähnlich wie bei Roadstar und Audacity: Ein Wave-Editor ist integriert, aber zum Brennen braucht man ein separates Programm. Allerdings lassen sich hochauflösende Files nicht im Wave-Editor teilen, und sie können auch nicht nachträglich von 96 zu 44,1 kHz konvertiert werden. Für Mac-User packt Terratec die Software „Spin Doctor“ von Roxio bei.

Terratec iVinyl
Zwei Welten vereint: Phonoeingang mit Masseklemme und USB-Ausgang an Terratecs iVinyl

Wie klingen nun unsere beiden USB-Phono-Lösungen? Wir haben jeweils einige Tracks von LP auf den PC übertragen, auf CD gebrannt und auf einem hochwertigen CD-Player wiedergegeben. Für den Terratec-Test kam ein Plattenspieler von Pro-Ject zum Einsatz. Mit dessen Origi-nalwiedergabe haben wir dann auch die CD-Kopie verglichen. Im Fall des Roadstar-Spielers fiel das Ergebnis einigermaßen ernüchternd aus, woran durchaus nicht A/D-Wandlung und USB-Ausgabe schuld sind, sondern Tonabnehmer und Laufwerksmechanik: Der Roadstar klingt viel zu hell, es fehlt ihm an Grundton, er wirkt unnatürlich. Hinzu kommt bei lang ausklingenden Klavieranschlägen ein unüberhörbares Jaulen – was angesichts der Leichtbauweise nicht wirklich verwundert.

Da macht der Terratec-Adapter, gespeist von einem ordentlichen Plattenspieler, schon eine deutlich bessere Figur. Er klingt tonal wesentlich ausgewogener, wenngleich sich gewisse Verfärbungen nicht leugnen lassen: Der Anschluss an den Grundtonbereich nach oben will nicht nahtlos gelingen. Im Übrigen klingt’s über den iVinyl räumlich enger als direkt von LP über den – zugegebenermaßen nicht vergleichbaren – Phono-Preamp von Lehman Audio.

Das Fazit für Roadstar heißt: Idee gut, Ausführung mangelhaft. Terratecs iVinyl wird dagegen zumindest Basisansprüchen gerecht. Für iPod & Co reicht’s über ihn digitalisiert allemal. (Ende)