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21.11.2014

Test: Plattenspieler Brinkmann LaGrange

Sensibler Gigant

Helmut Brinkmann baute als Mitinhaber von Audiolabor 1980 sein erstes Laufwerk, den legendären „Konstant“. 27 Jahre später soll seine bis dato letzte Entwicklung, der „La Grange“, mit neuem Langtonarm die Krönung erfahren. Doch warum macht Brinkmann sich mit dem bahnbrechenden Schweizer „Thales“-Arm selbst Konkurrenz?

Von Uwe Kirbach

Wer mit Brinkmann spricht, weiß die Antwort bald: Der international hoch angesehene Entwickler ist ein echter Fan – fanatisch, wenn es um den Klang als musikalischen Mittler geht. Kaum ein Material scheint es zu geben, über dessen klangliche Eigenschaften  an diesem oder jenem Einsatzort er nicht spannend und mit musikalischen Bezügen berichten kann, keine technische Lösung, die er nicht erwogen hätte.

Aus diesem Geist heraus bietet er eben gleichzeitig mit der Vorstellung seines neuen Zwölf-Zöllers die überaus faszinierende Arm-Kreation des Schweizer Konstrukteurs Micha Huber an. Immerhin eine Ablenkung vom eigenen Produkt – etwas, das viele Hersteller scheuen würden wie der Teufel das Weihwasser. Egal, bei ihm zählt das Klangergebnis, wenn es ein Erlebnis ist.

Folgen wir einmal kurz Brinkmanns Schilderungen, hier von der Weiterentwicklung seines Abtasters: Aha, auf den Korpus des von ihm modifizierten Tonabnehmer-Klassikers von EMT kommt also eine feinste Kupferschicht mit Dur-Aluminium-Beimischung, obendrauf ein Abschluss aus Titan, der Schwingungen sozusagen vereinigt, so dass die Übergabe der Resonanzen an das Headshell gleichmäßig erfolgt. Ach, und dazwischen eine weitere Metallkopplung, Beryllium. So wurde das EMT von seinem „Rockabilly-Dasein“ befreit, einschließlich Bassbollern, quakenden Höhen, allzu rotzfrecher Dynamik. Es erstaunt, wie offen der ruhige und bescheidene Entwickler mit all den Erfahrungen umgeht, die bei anderen Entwicklern große Betriebsgeheimnisse wären.

Helmut Brinkmann
Helmut Brinkmann, entspannt: Der Kulminationspunkt jahrzehntelanger Entwicklungsarbeit und übervolle Auftragsbücher machen gute Laune

Doch je mehr Brinkmann alle detaillierten Nachfragen befriedigt, desto mehr wird klar: Er ist so tief ins Universum seiner Schöpfungen vorgedrungen, dass er genau weiß: Niemand anders kann mit den schier unendlichen Kenntnissen zur Feinabstimmung an 1001 Stellen seines Laufwerks, seines Arms, des Abtasters etwas anfangen. Für einen wirklich herausragenden Spieler sind sämtliche Detaillösungen letztlich unerheblich. Es ist das ausbalancierte Zusammenspiel aller Komponenten, das zählt. Und unkopierbar macht. Nicht umsonst nannte Helmut Brinkmann seinen High End-Dauerläufer „Balance“.

Mit diesem Wissen lässt es sich ganz entspannt und ohne Begutachtung  jedes einzelnen technischen Kniffs in die klanglichen Abenteuer stürzen, die das LaGrange-Laufwerk mit Brinkmanns beiden Tonarmoptionen bietet. Er selbst sagt übrigens, dass der La Grange sein erstes Laufwerk sei, das mit den unterschiedlichsten Armen auskomme. Sogar mit dem SME V, der – nicht nur – den Balance vor klangliche Probleme stelle. ..weiter..

Dieser Artikel wurde in STEREO 02/2007 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

Brinkmann LaGrange
um 10 000 Euro (Ein-Arm-Version)
Zwei-Arm-Version: um 12 000 Euro
Brinkmann 12-Zoll-Arm: um 4000 Euro
Thales Tangentialarm: um 8000 Euro
 Maße: 60 x 18 x 43 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertr.: High End Werk
Tel.: 05222/980345
www.highendwerk.de

Fazit

Schon wahr: Ein VPI HRX ist viel leichter auf Top-Niveau zu bringen, Regas P 9 in der Preis-Gegenwert-Relation einfach unschlagbar. Doch am fundamentalen Klangpotenzial dieses neuen Analog-Giganten muss sich jeder Spieler messen lassen.