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27.11.2014

Test: Anlage Cambridge Azur 640 V2

Die Rückkehr der BaföG-Killer

Die Azur-Baureihe 640 von Cambridge verspricht seit Jahren hochklassige, unaufgeregt-britische Klangqualität zum günstigen Preis. Nun wurde sie zur „V2“ aufgebohrt und aufgewertet

von Tom Frantzen

Die Geschichte zur Azur-Serie haben wir damals mit „BaföG-Killer“ überschrieben. Denn das Budget von Studenten ist zu knapp, um es für saubilligen Müll mit Halbwertzeiten auszugeben, die kaum über eine komplette Adventszeit reichen.

Und nun ist sie da, die Nachfolgeregelung für unsere damalige Empfehlung. Die neue Baureihe aus Cambridgeshire ist offenbar gründlich überarbeitet worden, auch wenn man das an den Gerätefronten zunächst kaum wahrnimmt. Doch spätestens der Blick unter die Haube schafft Klarheit.

Dem Player spendierten seine Schöpfer den edlen 24 Bit/192 Kilohertz-D/A-Rechenknecht WM 8740 von Wolfson gleich in dualer Form, sprich je einen pro Kanal. Die Hauptplatine ist jetzt erheblich größer und offenkundig auch reicher bestückt als beim Vorgänger. Auf die Kapselung des Ringkerntrafos wurde indes diesmal verzichtet. Nachteil der umfassenden Verjüngungskur: Die 640er Komponenten kosten gegenüber 2004 nun mit 630 Euro gut ein Viertel mehr.

Dem Vollverstärker ließ man mit rund 50 Prozent einen sehr deutlichen Leistungszuwachs zuteil werden, was man im Innern nicht zuletzt an massiveren Kühlkörpern und einem etwas kräftigeren Netzteil erkennt. Die gesamte, aus gepufferten Operationsverstärkern gebildete Eingangsplatine wurde renoviert, um mehr Kanaltrennung zu erreichen, die bekanntlich eine gewichtige Größe für die räumliche Abbildung darstellt.

Die Endstufentransistoren sind bipolaren Spezialtyps, darauf kommen wir noch zurück. Daneben gibt es zahllose kleinere Verbesserungen en detail, denn der alte 640er war ja bereits alles andere als ein mäßiger Verstärker in dieser Preisklasse. Offenkundigste Änderung der V2-Generation ist die bessere Integration in das hauseigene Multiroom-System „Incognito“.

Der massive Kühlkörper ist geschickt platziert, indem er halbwegs die Platine gegen den kräftigen Ringkerntrafo abschirmt

Der Amp greift auf zwar nicht mehr ganz taufrische, aber damals revolutionäre und nach wie vor superbe Leistungstransistoren zurück. Kenwood und Sanken haben sie seinerzeit unter dem Namen „TRAITR“ gemeinsam entworfen, doch mittlerweile heißen sie SAP10 und 15, da die Kenwood-Exklusivität nur kurze Zeit galt. Cambridge setzt den 15-Ampere-Typ ein. Der hat deshalb fünf statt drei Beine, weil ein Temperatursensor gleich integriert ist und somit die Ruhestromregelung schneller und genauer arbeiten kann, um den – auch klanglich – idealen Arbeitspunkt zu stabilisieren.

Damit wurde vor knapp zehn Jahren ein klassisches Problem des Verstärkerbaus gelöst, die Nachregelung des temperaturabhängigen Ruhestroms. Erstmals aber nicht mehr mit einer verfälschenden Messung ein paar Zentimeter entfernt, sondern direkt im Transistor. Dies wiede-rum bedeutet eine deutlich gesteigerte Dynamik – und das bei ansonsten gleichem Aufwand für Schaltung und Netzteil.

Ein klein wenig Kritik sollte jedoch bei aller Evolution auch drin sein. Mag ein 3 x 0,5-Quadrat-Netzkabel schon für einen CD-Player fragwürdig erscheinen, so finden wir das für einen 630-Euro-Vollverstärker kniepig und es ist – als Flaschenhals – zudem auch noch dem Klang abträglich.

Betrachtet man die Beipackstrippen ohnehin nur als Mittel zur ersten Funktionskontrolle, dann spielt dies zwar kaum eine Rolle, dennoch sollte man auch dem weniger audiophilen Kunden wenigstens ein 3 x 1,5-, besser 3 x 2,5-Quadrat-Kabel gönnen.  Selbst diesen Sprung hört man bei ansonsten identischen Strippen noch in der Basswiedergabe. Der Aufwand dürfte bei der Erstbestückung je Gerätekarton bei einem knappen Euro liegen. Den aber sollte Cambridge doch bitte investieren. Neben Player und Vollverstärker sind ein UKW/DAB-Tuner (STEREO 12/2006) sowie ein CD/Festplattenserver (STEREO 1/2007) zu haben. Alle Komponenten gibt es in Silber oder Schwarz. ..weiter..

Im Inneren hat die Player-Version 2 gegenüber dem Vorgänger erheblich an Aufwand zugelegt

Dieser Artikel wurde in STEREO 02/2007 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

Cambridge Azur 640C V2
um 630 Euro
Maße: 43 x 7 x 31 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Taurus  High-End
Tel.: 040/5535358
www.taurus-high-end.de

Fazit

Der Cambridge-Player ist ein außergewöhnlich audiophiler Zeitgenosse, der statt spektakulär zugleich präzise, geschmeidig und ungemein natürlich aufspielt.

Labor

Die neueste Wandlergeneration der Klasse 24 Bit/192 Kilohertz sorgt für geradezu unglaubliche Rausch- und Verzerrungswerte, so auch hier: 113/98 Dezibel Rauschabstand für Digital Null/Quantisierung sind überragend, ebenso 0,1 Dezibel Wandlergenauigkeit oder 0,17/0,012 Prozent Klirr/Aliasing-Verzerrungen. 23 Ohm Ausgangsimpedanz dürften jedes auch längere Kabel und jeden Verstärkereingang treiben können. Frequenzgänge und Impulsverhalten sind tadellos. Die Abtastsicherheit ist sehr gut, Erschütterungen verkraftet der Cambridge gut, und das Laufwerk arbeitet leise sowie mit sehr kurzen Zugriffszeiten. Zu monieren ist die Standby-Funktion, die leider keine ist. Hier braucht der Player acht, im Leerlauf mit neun Watt nur unwesentlich mehr.

Ausstattung

Der selbstredend komplett fernbedienbare Cambridge-CD-Spieler verfügt – eine Seltenheit – über ein schickes und recht gut ablesbares LCD-Display. Er stellt die typischen Laufwerks- und Komfortfunktionen wie Repeat und Programm bereit. Zudem sind Digitalausgänge in koaxialer und Toslink-(Lichtleiter)-Ausführung vorhanden, etwa um Anschluss an einen Digital-Recorder, eine PC-Soundkarte oder einen externen D/A-Wandler zu finden. Das serienmäßige Netzkabel ist abnehmbar und kann gegebenenfalls später durch ein klanglich höherwertiges ersetzt werden – was STEREO auf jeden Fall empfiehlt.