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29.08.2014

Profil

Nagra CDC

Gerätetyp: CD-Spieler
um 13.500 Euro
Maße: 28 x 8 x 25 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Gaudios
Tel.: 0043/316337175
www.gaudios.eu

Fazit

Jede Wette: Nagras Maschinchen wird die Träume der HiFi-Fans beherrschen. Ein Gerät zum Liebhaben, gewiss, aber eigentlich ein technisches wie mechanisches Highlight, das den Nagra-Nimbus weiter festigen wird. Nicht zuletzt aufgrund des exorbitanten Klangs jeden Euro wert.

Labor

Das Maschinchen arbeitete auch im Labor so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Meistens jedenfalls, denn für die vernachlässigbare Frequenzabweichung von -1,3 Dezibel bei 20 Kilohertz gibt es angesichts des klassisch ausgelegten Filters eigentlich keinen Grund. Ansonsten nur Spitzenwerte: 0,16 Prozent Klirr (400 Hz/-60 dB), 0,011 Prozent Aliasingverzerrungen (-30 dB), maximale Wandlerunlinearität bis -90 dB sind minimale 0,2 dB. Die Rauschabstände für Digital Null/Quantisierung betragen fantastische 110/98 dB. Das Rechteck- und Impulsverhalten sind gut, gestörte Discs liest das mucksmäuschenstille Laufwerk problemlos aus. Die Ausgangsimpedanz lässt mit 48 Ohm auch lange Kabel zu, wie sie bei einem   Player mit Lautstärkesteller als Zuleitung zu Endstufen oder Aktivboxen ja durchaus vorkommen können. Die Ausgangsspannung von 3,2 Volt bei 0 dB kann über interne Jumper halbiert werden. Im Leerlauf nimmt der Nagra elf Watt aus dem Netz auf.

Ausstattung

Pegelanzeige, Lautstärke- und Balancesteller mit Motorpotentiometern, Analogausgänge in Cinch, XLR und als 6,3-Millimeterbuchse für Kopfhörer, Digitalausgänge in Cinch, XLR und als Lichtleiter, externes Netzteil, separate Erdungsklemme, Metallfernbedienung mit Zehnertastatur, dimm- und abschaltbares Display, Zeitumschaltung, Wiederhol- und Programmfunktionen.

Test: CD-Spieler Nagra CDC

Das Maschinchen

Urig und rustikal wie aus dem Fischertechnik-Baukasten wirkt Nagras erster CD-Spieler. Und er hat’s in sich, der Kleine. Im Hörraum legte er  sich mit den Dicken an und ließ die Sonne aufgehen

Eine Metallfernbedienung ist im Lieferumfang enthalten. Viele ihrer Knöpfe sind doppelt belegt

von Matthias Böde

Halt, was soll denn das?!“ Der entsetzte Aufschrei galt Sina Kovacevic vom Nagra-Vertrieb Gaudios, der uns mit dem CDC den ersten CD-Spieler der eidgenössischen Edel-Schmiede in die Redaktion stellte. Selbstverständlich wollten wir das nur knapp vier Kilogramm leichte Kleinod auf Her(t)z und Nieren testen. Aber doch nicht so! Kovacevic schwenkte den Player munter an seiner ausgefahrenen Lade durch die Luft. Was bei jedem anderen Spieler zum sofortigen Exitus geführt hätte, quittierte der Nagra – im Gegensatz zu uns – ohne das geringste Zucken.

Drastischer kann man mechanische Stabilität wohl kaum demonstrieren. Wir waren beeindruckt von dem ursoliden „Maschinchen“, wie wir den CDC bald nannten, und blieben es, soviel sei schon hier verraten, aus vielerlei Gründen bis heute. Nun genießen die präzis wie Uhrwerke gefertigten Geräte aus Cheseaux nahe Lausanne gerade im Profibereich einen Ruf wie Donnerhall, und auch im HiFi-Sektor haben die Schweizer weit mehr als nur Achtungserfolge erzielt. Der im selben handlichen Format wie der CDC gehaltene Röhren-Pre PL-P oder die ebenfalls mit Glühkolben arbeitenden Monos VPA (Tests in STEREO 3/98 sowie 3/99) etwa gehören ganz klar zur Crème des Angebots. Und sie haben obendrein das gewisse Etwas. Jene Nagra-Aura eben, durch die man auch ohne den Blick aufs Firmenlogo ihre Herkunft erkennt.

Der CDC ist ebenfalls ein Player wie keiner sonst. Es gibt sogar gleich drei in Ausstattung und Einsatzzweck unterschiedliche „CD“-Typen: Der hier getestete CDC für rund 13500 Euro bietet Vollausstattung inklusive einer Lautstärke- und Balanceregelung über Motorpotentiometer sowie das Nagra-typische „Modulometer“ – eine für beide Kanäle differenzierte Anzeige, die dem Hörer einen Eindruck vom Pegelniveau der laufenden Musik vermittelt. Ohne diese Funktionen gibt’s den etwa 12200 Euro teuren CDP, während der CDT (um 11300 Euro) eine reine Laufwerksversion darstellt.

Der letztlich gering erscheinende Nachlass für den um Wandler und Ausgangsstufen gestrippten Drive zeigt, wo der Großteil des Aufwands steckt: in der Mechanik. Wer einen winzigen Kippschalter auf der Frontplatte nach oben drückt, erlebt, wie unter hellem Sirren die Lade nach vorne ausfährt. Allein diese Vorstellung von feinmechanischer Präzision kann dafür empfängliche Gemüter auf ewig „nagrafizieren“. Und er kommt nicht von ungefähr, denn der sündhaft teure Motor des Schlittens stammt von einem Schweizer Spezialisten, der zum Beispiel die Marsroboter der NASA mit ganz ähnlichen Antrieben ausrüstete.

Ohne Modulometer, Pegel- und Balanceregelung sowie Kopfhörerausgang gibt es den schlichten CDP zum nur unwesentlich niedrigeren Preis

Da wackelt und ruckelt nichts. Überhaupt kein Vergleich zu den zuweilen schamhaft mit Metallstreifen verblendeten, windigen Plastikladen manches Mitbewerbers. Ein näherer Blick erweist, dass die Schweizer hier zwei Philosophien miteinander verbinden. So ist der Rahmen für das CD-Werk, ein Philips Pro 2, extrem stabil und verwindungssteif konstruiert. Das Laufwerk selbst jedoch, von dem übrigens während der Wiedergabe praktisch kein Geräusch nach außen drang, wurde auf einem Silikon-Block schwingend gelagert, wobei die Abstimmung – nicht zu hart und nicht zu weich – sogar den ja ans Tüfteln gewöhnten Eidgenossen viel Geduld und Fingerspitzengefühl abverlangte.

Zwar ist die „CD“-Serie der erste Ausflug von Nagra in diese Gefilde, doch verfügt man über jede Menge Erfahrung im Binären. Als nur ein Beispiel dafür mag die exorbitante digitale Bandmaschine D II gelten, die uns kürzlich erst mit der Wiedergabe von Masterbändern von Live-Auftritten in einer Weise entzückte wie kaum eine andere Quelle zuvor – ob nun analog oder digital (siehe Workshop STEREO 1/07).

Ein Resultat aus dieser jahrelangen Praxis ist der VCXO, der „Voltage Controlled Crystal Oscillator“. Das „X“ steht dabei für einen Quartz, nach dessen Vorgaben der Datenstrom von der CD unmittelbar nach dem Verlassen des Drives und seiner Steuerung neu und hochpräzise getaktet wird. Durch Änderung der Spannung lässt sich die Frequenz präzise auf den dafür gewünschten Wert trimmen. Nagra selbst sieht in dieser Schaltung ein „Herzstück“ seines unkonventionellen Players.

Viel zu sehen ist davon allerdings nicht. Wer den Aludeckel des CDC lupft, blickt in ein penibel aufgeräumtes Schatzkästchen. Ins Auge sticht dabei sofort die vergoldete Metallabschirmung der Wandlersektion, über die nur soviel zu erfahren ist, dass in ihr ein Burr-Brown-Chip modernster Bauart verwendet wird, der die Signale über eine „balanced line“, also symmetrisch, von besagter Reclocking-Station zugeführt bekommt. ..weiter..

Nagras Mikro-Maschinchen

Sie wirkt wie eine große Bandmaschine, doch die SNST-R ist ein Winzling

Nur 14,6 x 10 x 2,6 Zentimeter misst dieses Wunderwerk der Feinmechanik. Der Ur-typ stammt aus Nagras „Série Noir“, wurde von vielen Geheimdiensten benutzt und flog zum Mond. Der aus einem Metallblock gearbeitete Recorder wiegt 590 Gramm und zieht das Band mit 9,5 cm/s. an den Köpfen vorbei. Preis: um 9860 Euro.