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18.09.2014

Profil

Carver C-4000
Gerätetyp: Phono/Hochpegel-Vorstufe mit Dynamikexpander, Rauschunterdrückung, Surround- und Holographie-Schaltung

1979-84 (Neupreis: 4000 DM)
1985-89 leicht verändert: c-4000t

Bob Carver

Bob Carver
Genie und „enfant terrible“ der Audio-Szene

Mit der Gründung von Phase Linear betrat Bob Carver in den frühen 70er Jahren nachhaltig die HiFi-Szene. Der emsige und außerordentlich pfiffige Entwickler stieg 1978 aus und schuf sein eigenes Unternehmen Carver. Nach dem Zerwürfnis mit dem Management ging er auch dort und gründete Sunfire, kaufte die Carver Corporation aber nach deren Bankrott zurück. Nun ist zu hören, dass Bob Carver jüngst auch Sunfire verlassen und seine Anteile verkauft hat. Es ist aber wohl nicht ernsthaft zu erwarten, dass sich Carver nun auf den Ruhestand konzentriert. Möge er uns noch mehr Erfindungen präsentieren, vor allem im Verstärkerbau (Magnetic Field Amplifier, Trackingdown Converter, Sonic Holography).

Klassiker: Vorstufe Carver C-4000

Das Raumwunder


Bob Carver präsentierte 1979 eine Aufsehen erregende Vorstufe, die – üppig ausgestattet – dreidimensionale Klangbilder versprach. Das funktionierte mittels „Sonic Holography“ tatsächlich – und zwar gar nicht mal schlecht!

von Tom Frantzen

Das zum für damalige Verhältnisse sehr hohen Preis von rund 4000 Mark erschienene Gerät namens C-4000 ist eine wahre Spielwiese für HiFi-Fans, denn hier hat sich einer ausgetobt: Klangregelung, Eckfrequenzen, Filter, Loudness – aber noch viel mehr:

Die von Carver teilweise bereits zu Phase Linear-Zeiten ersonnenen Schaltungen zur Rauschunterdrückung (Auto Correlation) und Dynamik-Erweiterung (Peak Unlimiter) sowie die zur damaligen Zeit die AV-Entwicklung vorwegnehmenden Centerund Rear-Lautsprecheranschlüsse samt einstellbarem Time Delay/Hallecho überzeugen dabei allerdings nicht annähernd so wie es – zumindest in vielen Fällen, sprich bei zahlreichen Musikbeispielen – die „Sonic Holography“ vermag.

Hintergrund dieses bis in heutige Sunfire-Komponenten verfolgbaren Ausstattungsmerkmals ist die Annahme, dass man bei der Reproduktion von Musik und Geräuschen, die ja ursprünglich ein Schallentstehungszentrum haben, über zwei Kanäle das Übersprechen (Crosstalk) eliminieren muss, um zwar die Plastizität, aber eben nicht die unnatürliche Mehrfachentstehung desselben Lauts zu erfahren. Wir hören ein Schallereignis in der Regel mit dem ihm nächsten Ohr zuerst und dann leicht verzögert und gedämpft mit dem anderen.

Vorstufe Carver C-4000
Auch in der Chromversion wirkt das damalige Vorstufen-Flaggschiff edel und technisch kompetent

Carver geht nun aber davon aus, dass man dieses Schallereignis bei der Stereowiedergabe viermal hört, nämlich mit jedem Ohr und zudem aus jeder der beiden Boxen. Dies aber sei nicht gewünscht und behindere das räumliche Hören. Ideal wäre nach seiner Vorstellung also, wenn das linke Ohr weitgehend die linke Box und das rechte Ohr die rechte Box vernehmen könnte, frei von ungewollten „Geisterbildern“ durch Übersprechen der Kanäle. Um also einen eindeutig links zuordbaren Schall nicht noch mit geringer Intensität von rechts zu hören, führt die „Sonic Holography“ mittels Operationsverstärkern dem rechten Kanal eine abgeschwächte, verzögerte Information des linken Kanals zu und reduziert auf diesem Wege dessen Schallanteil für das rechte Ohr deutlich.

Dasselbe geschieht entsprechend mit dem anderen Kanal, und zwar permanent, während gleichstarke mittige Signale dabei weitgehend unangetastet bleiben. Das trägt dazu bei, dass die Ortbarkeit mit „Sonic Holography“ deutlich eindeutiger und erheblich verstärkt wird. Die Basisbreite nimmt zu, sprich man hört über die zuvor wahrgenommene rechte und linke Begrenzung hinaus, zudem scheint sich etwa ein Kammerensemble im Halbkreis zu platzieren, und die Wahrnehmung von Plastizität steigert sich deutlich. Längst nicht jede Aufnahme profitiert von der besseren Ortbarkeit der Einzelereignisse, zumal sich tonal auch etwas ändert. Das Ganze wird körperhafter und weicher, subjektiv nimmt die Bassfülle ebenso leicht zu wie Schärfen im Mittelhochton ab.

Der absolut verblüffende Effekt ist zweistufig schaltbar, an der Rückseite der Vorstufe lässt sich zudem Einfluss auf die Wirkungsbreite, also den Winkel nehmen.Wir raten bei der „Holographic Injection“ zu den jeweils schwächeren Einstellungen (Front Normal, Rückseite weiter Winkel), bei „Theoretical“ wird es mitunter arg krass. Ob das Ganze noch HiFi ist, war und bleibt umstritten, jedenfalls ist es auch komplett abschaltbar. Generell nachteilig wirkt sich aus, dass man so oder so auf einen sehr engen und akribisch einzuhaltenden Sweet Spot angewiesen ist und die Entfernung zu den Lautsprechern noch exakter einhalten muss als bei der üblichen Stereowiedergabe. ..weiter..

Carver C-4000 Schaltbild
Im Blockschaltbild sind die zahlreich vorhandenen Trickschaltungen zu erkennen