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23.07.2014

Test: HDD-Server Cambridge Audio Azur 640H

Zwei Welten – ein Player


Cambridge Audio bringt mit dem Azur640H seinen ersten Musik- Server auf den Markt und landet mit diesem bereitwilligen Diener nicht nur klanglich einen Volltreffer

von Carsten Barnbeck

Computer sind die leistungsfähigsten und komplexesten Maschinen, die je vom menschlichen Gehirn ersonnen wurden. Allein jene Dienste zusammenzufassen, die sie innerhalb unseres Themenschwerpunktes vollbringen können, würde den Rahmen jeder STEREO-Ausgabe sprengen. Fest steht jedenfalls: Das Abspeichern und Wiedergeben von Musikdateien kratzt gerade mal an der Oberfläche des Machbaren!

Aber warum hat dann nicht jeder einen PC im HiFi-Rack liegen? Die Antwort leuchtet ein: Computer sind hässlich, sie machen Lärm und benötigen einen klobigen Monitor. Außerdem ist ihre Bedienung streitbar, und für jeden Einsatzbereich ist entsprechende Software vonnöten. Zuletzt dann auch noch das: Ein gewöhnlicher PC klingt mit seiner On-Board-Soundkarte – wir versuchen jetzt mal, nett zu bleiben – ziemlich bescheiden. Um diese Probleme zu umschiffen, drehte der englische Hersteller Cambridge Audio den Spieß einfach um: Die Briten versuchten nicht, einen PC mit kosmetischen Maßnahmen für den Wohnzimmergebrauch aufzupäppeln, sondern erweiterten einfach einen gut klingenden CD-Spieler – als bereitwilliges „Opfer“ bot sich hierbei natürlich der Azur 640C an – um ein Mainboard, Prozessoren, eine Festplatte, RAM und all die schönen Dinge, die aus einem leeren Gehäuse einen Audio-Server machen.

Aus diesem genialen wie einfachen Ansatz leiten sich einige unbestreitbare Vorteile ab, die diesen speziellen Rechner zu einer echten HiFi- Komponente adeln: Nicht nur Computer-Spieler stöhnen über den „immensen“ Energiehunger moderner Grafikkarten und Prozessoren. Die Folge sind immer kräftigere Netzteile mit lauten Lüftern, über deren 450 Watt ein gestandener HiFi-Hersteller seinerseits nur müde lächeln kann. Der Azur 640 H beherbergt im Gegensatz zum handelsüblichen Rechner einen dicken Ringkerntrafo, der unter Umständen nicht nur mehr leistet als jedes PC-Netzteil, sondern auch noch verschwiegen ist.

HD-Server Cambridge Azur 640H Innenansicht
So unscheinbar sie ja aussehen mag: Auf dieser Festplatte lassen sich schon unkomprimiert tausende Titel abspeichern

Der nächste Vorzug, den Cambridge mit seinem Vorgehen erzielt, manifestiert sich in der gesteigerten Klangqualität. Der Server benötigt keine Soundkarte, sondern liefert digitale Tondaten an den D/A-Wandler, der auch beim CD-Spieler zum Einsatz kommt. Damit hat er gegenüber Computern nicht nur klanglich die Nase vorn, sondern erspart seinem Betriebssystem einen Treiber, der im Zweifel eh nur Rechenzeit beansprucht, Ressourcen schluckt und obendrein auch noch Fehler verursachen kann.

Oberflächlich betrachtet, hat man es beim Azur zunächst mit einem Datenspeicher im schicken Gehäuse zu tun, der über einen direkten Draht zu einem hochwertigen, in einer strahlungsgeschirmten Hülle untergebrachten Laufwerk verfügt. Der Anwender kann seine Musik also wahlweise direkt von der CD oder von der Festplatte anhören, die mit einer Kapazität von 160 Gigabyte tausende unkomprimierter (WAV) und zehntausende komprimierter (MP3,WMA,AAC, etc.) Titel aufnehmen kann.

Vor dem ersten Hörgenuss wollen die endlosen Weiten dieser Platte aber mit Daten gefüttert werden. Dazu kann man die Medien einfach „rippen“, also kopieren, oder man vernetzt den Cambridge mit einem Computer und überträgt kurzerhand dessen iTunes- oder WinAmp-Bibliothek. Wie jeder Computer ist nämlich auch der Azur netzwerkfähig (siehe Kasten) und lässt sich so auf verschiedene Weisen in kleine oder große Kommunikationsgemeinschaften einbinden.

Auf diesem Wege kann er schließlich sogar Kontakt mit dem Internet aufnehmen und über einen Online- Store oder Online-Radios seinen Funktionsumfang spürbar erweitern. Um den Spieltrieb des Benutzers weiter zu schüren, spendierten die Briten ihrem 640er ein analoges Audio-Eingangspaar. Man hat also gleichzeitig einen ausgewachsenen Digitalrecorder vor sich, dessen Laufwerk sich zwecks endgültiger Archivierung als CD-Brenner entpuppt. ..weiter..

HD-Server Cambridge Azur 640H Innenansicht
Zum Schutz vor dem Ringkerntrafo ist das CD-Laufwerk mit einer Abdeckung versehen

Profil

Cambridge Audio Azur 640H
Gerätetyp: HDD-Audio-Server
ca. €1400
Maße: 43 x 8 x 32 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Taurus
Tel.: 040/5535358
www.taurus-hifi.de

Fazit

Cambridge liefert mit seinem Server-Erstling Azur 640 H einen überzeugenden und durchdachten Musik-Datenspeicher, der sowohl von Festplatte wie von CD mit seinem runden, farbkräftigen und herrlich plastischen Klangbild überzeugen kann. Obwohl die Auststattung sehr umfangreich ist und selbst eine Recording-Funktion sowie Online-Features nicht fehlen, ist die Bedienung angenehm eingängig und übersichtlich gelungen.

Labor

In der Messtechnik zeigte sich der Brite unanfechtbar: Der Frequenzgang des Servers weist von 20 Hertz bis 20 Kilohertz maximale Abweichungen von gerade einmal 0,4 Dezibel auf. Rechteck- sowie Impulsverhalten sind durchweg gut und sein Klirrfaktor beträgt (gemessen bei 400 Hertz und -60 dB) 0,27 Prozent. Während uns der Ausgangswiderstand mit 47 Ohm sehr zusagte, ist der Leerlauf- und Standby-Verbrauch mit 32 Watt zwar üppig, für einen „Computer“ geht das aber in Ordnung. Typisch für ein solches Gerät ist auch das relativ hohe Laufgeräusch beim Rippen einer CD.

Ausstattung

Der 640 H bietet neben der griffigen, robusten und übersichtlichen Fernbedienung zwei digitale Ausgänge (opt./koax.) sowie analoge Aus- und Eingangspaare. Den Monitor kann man wahlweise via VGASchnittstelle oder S-Video einbinden, und Verbindung zum Netzwerk nimmt der Server über seine RJ-45-Buchse oder eine der USB-Schnittstellen auf, die man natürlich auch für externe Speichersticks nutzen kann. Über das kleine, etwas schwach beleuchtete Display ist es tatsächlich möglich, den Server mit seinem komplexen Innenleben ohne einen Monitor zu bedienen.

Stichwort

Windows

Das Microsoft-Betriebssystem ist hier nur exemplarisch erwähnt. Natürlich kommuniziert der 640H auch mit jedem Apple oder Linux- Rechner.

 

Rippen

Als Rippen bezeichnet man den Prozess, bei dem Audiodaten von CD (S/PDIF) auf einen Datenspeicher (WAV, AIFF, MP3, etc.) übertragen und gewandelt werden.