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27.11.2014

Profil

LYNGDORF TDAI 2200+
Gerätetyp: Vollverstärker mit Raumkorrektur
ca. €3500 (Basisversion)
Maße: 45 x 10 x 44 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Lyngdorf Vertriebs GmbH
Tel.: 0711/1286695
www.lyngdorf.com

Fazit

Schon in Grundausstattung – ohne analoge Eingangskarte und Raumkorrektur – ist der TDAI 2200+ ein herzerfrischend aufspielender Vollverstärker mit luftig-offener, niemals nervender Darbietung und rabenschwarzem Tiefgang. In Verbindung mit „Room Perfect“ wird er zu einer einzigartig vielseitigen Schaltzentrale und kann auch da noch Spitzenklang bringen, wo selbst Super-Amps ohne Raumkorrektur passen müssen.

Lyngdorf TDAI 2200+

Test: Verstärker Lyngdorf TDAI 2200+

Ist das noch normal?

Der TDAI 2200+ von Peter Lyngdorf ist kein herkömmlicher Vollverstärker. Er ist volldigital aufgebaut, klingt analog und kann auch noch Räume vermessen. Normal ist anders!

Der Verstärker Lyngdorf TDAI 2200 bietet eine pfiffige Raumkorrektur nebst Einmesselektronik

Von Tobias Zoporowski

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Vergessen Sie alles, was Sie über Digitalverstärker zu wissen glauben! Nie zuvor klang ein Vertreter dieser Zunft so analog wie der TDAI 2200+ von Lyngdorf Audio aus Dänemark. Zu clean, zu analytisch, zu kühl – alles Schnee von gestern. Eine Gratwanderung, meinen Sie? Möglich. Allerdings eine, die der technoid designte Nordmann mit seinem markant riesengroßen Lautstärkerad fast traumwandelnd beherrscht.

Ungeachtet seiner ungeahnten Anpassungsfähigkeit, die ihm mit dem integrierten Raumkorrektursystem „Room Perfect“, dem wir uns noch ausführlich widmen werden, auf den Weg gegeben wurde, ist der schwere Junge nämlich zunächst einmal ein Gerät, das es in seiner Preisklasse (um 3500 Euro in der Basiskonfiguration ohne Room Perfect-Modul und analoge Eingangskarte) mit so etablierten Kollegen wie einem RG 14 von Symphonic Line oder einem stämmigen Marantz PM-11S1 aufnehmen muss.

Wobei sich hier natürlich zwei Konzepte gegenüberstehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite zwei nach allen Regeln der konventionellen Verstärkerkunst konstruierte Prachtkerle, die uns nicht ohne Grund als ständige „Arbeitspferde“ gute Dienste leisten. In der anderen Ecke ein konsequent volldigitales Konzept, das unter Hardcore-HighEndern durchaus nicht unumstritten ist. Darf man diese grundverschiedenen Ansätze also überhaupt miteinander vergleichen? Wir denken schon, denn „wichtig ist,was hinten ‘rauskommt“, wie schon Altkanzler Kohl wusste.

Die exakte Position des Mikrofons ist bei der „Fokusmessung“ extrem wichtig. Alle weiteren Messungen erfolgen zufällig im Raum verteilt

Und hier lieferten sich der Deutsche,der Japaner und der Däne ein packendes Rennen. Über die grob- und feindynamischen Fähigkeiten eines Symphonic Line-Amps mit seiner sympathisch zupackenden Strahlkraft und der grundfesten Unerschütterlickeit und Souveränität eines Marantz wollen wir gar keine großen Worte verlieren. Erstaunlich ist aber, dass der Lyngdorf als Vertreter der digitalen Zunft, der man ja gern ein wenig Gefühlskälte nachsagt, dem kaum nachsteht. Auch er kann richtig „zubeißen“ und einen tiefschwarzen und griffigen Bass in den Hörraum schmettern,wird auch einige Etagen darüber niemals spitz und nervig.

Vor allem die innere Struktur und absolute Ruhe seiner klanglichen Darbietung, die mit einer ausgezeichneten Durchhörbarkeit auch komplexester Verwebungen einhergeht, verdient unser Lob. Eine sehr homogene Vorstellung also, die jegliche Vorurteile gegenüber der Digitaltechnik nachhaltig entkräftet. Einzig in seiner räumlichen Tiefe und der Fähigkeit, die Musik vollständig von den Lautsprechern zu lösen,muss der Däne seine analogen Kontrahenten ganz knapp ziehen lassen. Hier fehlt ihm das letzte Quäntchen Gelassenheit, das zum Beispiel Rolf Gemeins RG 14 so unwiderstehlich erscheinen lässt.

Dennoch: Der Lyngdorf kann unserer Ansicht nach als einer der analog klingendsten Digi-Amps des Marktes gelten – Respekt! Von seinen weiteren Vorzügen und hochinteressanten Ansätzen haben wir dabei ja noch gar nicht ausführlich gesprochen. Mit seinem konsequenten technischen Konzept ist Peter Lyngdorfs neuester Coup nämlich ziemlich einzigartig. Das Entwicklungsziel war nicht nur, einen hervorragend klingenden HighEnd-Amp zu bauen. Das ist für den freundlichen Dänen eh keine schwierige Aufgabe, war er doch unter anderem mit Björn Erik Edvardsen an der Entwicklung solch wegweisender Produkte wie einem NAD 3020 maßgeblich beteiligt. ..weiter..

So kompakt und doch so wirkungsvoll: Das „Room Perfect“-Modul (um 1800 Euro) ist ein ausgeklügeltes Stückchen geballter Elektronik