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02.09.2014

Profil

Twinsound CST80 T MKII

Geräteklasse: Röhren-Vollverstärker
um €1500
Maße: 34 x 21 x 28 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Twinsound
Tel.: 04183/975740
www.twinsound.de

Fazit

Schon das Basismodell des CST80 konnte uns rundum überzeugen. Das T-Modell setzt dem jedoch die Krone auf. Für einen akzeptablen Aufpreis wird aus dem Amp ein Vollblut-Musiker mit farbenfrohen, ausdrucksstarken Mitten, einem angenehm fülligen Tiefton und einer exzellenten, aber stets stressfreien Hochtonwiedergabe. Selbst kritische Stilrichtungen wie charttauglich aufgenommener Gitarrenrock machen da richtig Spaß und profitieren von der tollen Raumabbildung und der hohen Präsenz. Die Verarbeitung ist identisch mit dem CST, also einfach gut.

Labor

Stabilität ist alles: Der CST 80 T liefert 39 Watt an acht und 38 Watt an vier Ohm. Die Impulse erreichen Spitzen von 45 Watt bei vier Ohm. Für ein Gerät dieser Bauart sind Klirrwerte von 0,66 Prozent bei Maximalaussteuerung oder 0,2 Prozent bei fünf Watt ziemlich gut. Die Intermodulation von 3,1 Prozent (Pmax) und 0,97 Prozent (5 Watt) ist da schon etwas bedenklicher. Der Rauschabstand liegt bei 94 Dezibel (5 Watt) und ist damit einfach hervorragend, die Eingangsempfindlichkeit am CD-In beträgt 304 Millivolt. Der Frequenzgang des CST80T fällt zwischen 15 und 20 Kilohertz um sanfte 0,6 dB ab. Das erklärt aber nur zum Teil den angenehm charmanten und runden Charakter des Amps. Die Kanaltrennung liegt bei 40 dB, und die Leerlaufleistungsaufnahme von 162 Watt ist normal für einen Röhrenverstärker.

Ausstattung

Insgesamt vier Eingänge stehen dem Anwender zur Verfügung. An der Front dient neben Quellenwahlschalter und Lautstärkesteller lediglich ein großer Knopf als Power-Switch. Rückseitig liegen außerdem die vergoldeten Lautsprecheranschlüsse, die – ganz röhrentypisch – getrennte Abgriffe für vier und acht Ohm offerieren. Alternativ zu unserem „T“ gibt es noch ein größeres Modell (50 Euro Aufpreis), das zusätzlich eine Umschaltung zwischen Trioden- und Pentodenbetrieb erlaubt.

Test: Verstärker Twinsound CST80 T MKII

 

T wie Tiefenwirkung

Twinsound bietet seinen phänomenalen Röhrenvollverstärker CST80 auch in einer rassigen Tuning-Variante an, die mit ihrer unglaublich anmachenden Wiedergabe direkt unter die Haut geht

Vollverstärker CST-80 MKII Tuning von Twinsound

von Carsten Barnbeck

Was ein einzelner Buchstabe doch machmal bewirken kann: Ein richtiger Überflieger war er vor knapp anderthalb Jahren, der CST 80. Wir hatten den günstigen Röhrenamp zum Vergleich gebeten, und der Twinsound zeigte seiner Konkurrenz prompt die lange Nase und uns,welches Potenzial in ihm schlummert. Serienmäßig wird der mittlerweile in einer überarbeiteten MKII-Version ausgelieferte Verstärker mit chinesischen Röhren bestückt. Der Hersteller war damals allerdings so freundlich, uns einen alternativen Satz russischer Vorstufenkolben beizulegen, der bereits einen spürbaren, nein, einen richtig anspornenden Satz nach vorn bewirkte sowie einen beachtlichen Zugewinn an Farbkraft ins Spiel brachte.

Und nun stelle man sich einmal das große T vor: Dabei handelt es sich um die Tuning- Variante des Verstärkers, nämlich den CST 80 T, der mittlerweile ebenfalls von einem MKII geziert wird, was man äußerlich unter anderem an der vollständig schwarzen Frontfläche und einem runden Alu- Powerschalter erkennt. Das Vorgängermodell hatte einen kleinen Taster, der wie alle Bedienelemente auf einer verspiegelten Grundfläche lag. Diese Sondermodelle werden vom Hersteller in die Schweiz versandt,wo sie in liebevoller Handarbeit von einem versierten Fachmann einzeln um-, beziehungsweise aufgerüstet werden.

Besagte russische Vorstufenröhren gehören dabei ebenso zum Ausstattungspaket wie ein formschöner und gematchter Satz KT-88-Endstufenröhren von Tesla/JJ und eine umfassende Sanierung der gesamten Schaltung. Die Spannungen an den Sockeln müssen ja an die neuen Glaskolben angepasst werden. Auf die zahllosen Widerstände, Elkos und Käbelchen, die sonst noch Bekanntschaft mit dem Lötkolben machen, wollen wir hier gar nicht näher eingehen.

Sechs Stunden Umbauzeit seien pro Gerät zu veranschlagen, gefolgt von einem 48-stündigen Einbrenn- Marathon, der für die endgültige Abstimmung unabdingbar sei, wie uns Twinsound versicherte. Da kann man sich über den Preis von knapp 1500 Euro, also 500 mehr als die Basisversion, bestimmt nicht beklagen. Das wird auch niemand tun, der den „Big T“ einmal in Aktion erlebt hat. Die Relation zwischen dessen Endpreis und seinem Klangerlebnis verhält sich nämlich ganz ähnlich, wie das Wachstum knuffiger Eisbären in Großstadtzoos: Während deren pelzige Hülle in der zweiten Potenz zunimmt, wächst der Inhalt ungleich stärker in der dritten Potenz. Und was dem Bärchen in eisiger Wildnis das Überleben sichert, hat uns im Hörraum einfach umgehauen.

Das Anschlussfeld des Verstärkers Twinsound CST80 T MKII
Eine organisierte Rückansicht: Vier Quellen erlaubt der CST80-Zugang. Daneben liegen die vergoldeten Lautsprecherterminals