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30.09.2014

Profil

NAD C315 BEE
Geräteklasse: Vollverstärker
um €350
Maße: 44x8x27 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Dynaudio
Tel.: 04108/41800
www.nad.de

Fazit

NAD wird nicht müde, jedem neuen Verstärker eine nahe Verwandtschaft zum 3020 nachzusagen. Hier trifft es die Sache aber zu 100 Prozent: Der C315BEE ist wie sein berühmter Urahn eine geschickte Mischung aus einer unspektakulären, dafür aber sinnvollen und vollständigen Ausstattung, einem sehr guten, für diese Klasse sogar umwerfenden Klang und einer überaus fairen Preispolitik. Außerdem lässt sich der handliche Vollverstärker mit praktisch jedem Lautsprecher kombinieren.

Labor

Zwei mal 43 Watt leistet der 315er an acht und zwei mal 63 Watt an vier Ohm. Die Impulse kommen sogar auf 144 Watt (vier Ohm), was den angenehm dynamischen Charakter des Verstärkers erklärt. Die Klirrwerte sehen mit 0,005 Prozent (bei fünf Watt) sehr gut aus, ebenso die Intermodulation, die bei 0,05 Prozent (fünf Watt) liegen. Der Frequenzgang des kleinsten NAD hat mit 110 Kilohertz eine beeindruckende Bandbreite und weist bis 20 Kilohertz praktisch keine Abweichungen auf. Prima ist auch die Kanaltrennung von 62 Dezibel sowie das Übersprechverhalten (Tuner auf CD) von 72 dB.

Ausstattung

Der Amp bietet insgesamt sieben Eingänge, von denen einer (3,5-Millimeter-Klinke) direkt an der Front liegt. Ein einzelner Ausgang ermöglicht die „Versorgung“ eines Recorders, und die Klangregelung ist überbrückbar. In die robusten Lautsprecherklemmen passen problemlos Bananenstecker und Gabelschuhe. Neben einem Kopfhöreranschluss (6,3-Millimeter-Klinke) findet sich als kleines Extra auch noch eine handliche Mini-Fernbedienung auf der Ausstattungsliste, die auch andere Komponenten des Herstellers steuert.

Stichwort

 

Wirkungsgrad

Der Begriff bemisst, wieviel der vom Verstärker angelieferten Leistung von einem Lautsprecher tatsächlich in Schalldruck umgesetzt wird.

Test: Verstärker NAD C315 BEE

 

Fit durch Vitamin „C“

NADs „C“-Klasse wirkt Wunder: Die musikalischen Geräte gehen direkt ins Blut und machen rote Ohren. Eigentlich sollte ein Preisbrecher-Amp wie der neue C315BEE vom Arzt verordnet werden

NAD

von Carsten Barnbeck

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus. Folgt man diesem Schatten jedoch bis zum Ursprung,kann man mitunter verblüfft feststellen, dass jenes „Ding“ an seinem Ende viel kleiner ist, als die abgedunkelte Fläche vermuten ließe. Die Einsteiger-Verstärker von NAD sind superbe Beispiele für diesen bühnenreifen Effekt, denn hier gilt: Je kleiner, unscheinbarer und günstiger die grauen Kistchen sind, umso spannender ist die ganze Angelegenheit und desto mehr Staub werden sie vermutlich aufwirbeln. Und das dürfte beim jüngsten Wurf des Herstellers nicht anders sein.
 

Im Gegenteil. Hier deuten die Vorzeichen sogar eine ziemlich dicke Staubwolke an. Mit knapp 350 Euro ist der Preis des C 315 BEE eine Kampfansage. Immerhin liegt der Vollverstärker damit noch einmal satte 100 Euro unter dem ein Jahr zuvor veröffentlichten Kracher C 325 BEE, der sich im STEREO-Test spielerisch fünf Sterne verdiente.

Gewusst wie: Zwei Birnen erfüllen im 315er denselben Zweck, für den in größeren Modellen mehrere Platinen mit Bauteilen bestückt werden

Konzeptionell orientierte sich NAD beim neuen Nesthäkchen an seiner größten Legende. Modell für den Winzling stand der 3020. Ein Amp, der über mehrere Dekaden – und Generationen – hinweg zum Verkaufsschlager wurde, kann ja auch kein schlechtes Vorbild sein. Während der Verweis auf den HiFi- Klassiker bei anderen NAD-Modellen aber eher Werbezwecke erfüllt, ist er hier absolut wörtlich zu verstehen.

Etwas Geschichtsunterricht: Groß wurde der 1978 aus der Taufe gehobene 3020, weil es sein Entwickler Björn Erik Edvardsen (BEE) verstand, den Verstärker auf seine wesentlichsten Merkmale zu reduzieren und die zwangsläufig entstehenden Ausstattungslücken mit ein paar guten Ideen aufzufüllen. Während sich viele andere Hersteller eine reine Wattschlacht lieferten, konzentrierten sich die knapp bemessenen, dafür aber laststabilen 40 Watt in NADs grauer Maus einzig und allein aufs Musikmachen. Das war offenbar genau das, worauf die Massen gewartet hatten.

Der ist handlich: NADs Micro-Geber erlaubt trotz kompakter Maße den Zugriff auf alle Parameter und steuert sogar Quellen des Herstellers

Schon optisch zeigt sich die Nähe des C 315 BEE zu seinen Ahnen. So ist auch dessen anthrazitfarbenes Gehäuse eher flach und schnörkellos. Zum Angeben im Freundeskreis eignet er sich also denkbar wenig. Nähert man sich mit der Nasenspitze bis auf wenige Zentimeter, stellt man jedoch fest, dass die Verarbeitung überaus gut gelungen ist. Der Amp bietet sechs Eingänge und einen Recorder-Ausgang. Seine Lautsprecherklemmen sind identisch mit denen des 325 und nehmen problemlos Bananenstecker auf.

Frontseitig gibt es neben Lautstärkeund Balancesteller ein Klangregelwerk für Bässe und Höhen nebst Bypass-Taster sowie sieben Quellenwahlschalter. Sieben deshalb, weil direkt neben einem der Knöpfchen noch ein weiterer Input in Form einer Miniklinken-Buchse für Portis liegt. Als krönende Abrundung wirft NAD außerdem einen 6,3-Millimeter- Kopfhöreranschluss und eine schlichte Fernbedienung ins Rennen. Spartanisch ist was anderes. Mit der Ausstattung des kleinen Kerlchens sollten also selbst anspruchsvollere Musikliebhaber zufrieden sein.