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19.12.2014

Bereit zur Attacke

Im Klangcharakter des neuen Ayon CD-3 steckt derart viel Energie und Biss, dass man ihn vorsichtshalber ans Rack ketten möchte. Aber was anderes sind wir von dem Hersteller auch nicht gewohnt

von Carsten Barnbeck

Vergangenen Herbst, in STEREO 10/06, sorgte Ayon Audio für begeisternde Momente in unseren Hörräumen. Der CD-Player CD-1 legte damals eine derartige Spielfreude, Farbkraft und Raumausleuchtung an den Tag, dass sich die Headline dieser Geschichte praktisch aufzwang: „Der will doch nur spielen“. Angesichts solcher Leistungen war die Bewertung reine Formsache. Mit 74 Prozent platzierte sich das rund 2400 Euro kostende Gerät zwischen teils erheblich teureren Konkurrenten.

Und dennoch: Als vor einigen Wochen die Kiste mit dem CD-3 auf der Türschwelle stand, waren unsere Erwartungen relativ zurückhaltend. Natürlich hatten wir nicht den geringsten Zweifel daran, dass es dem Hersteller gelungen ist, beim neuen Spitzenmodell noch einen Gang zuzulegen. Aber immerhin kostet das Ergebnis auch mehr als das Doppelte. Und es ist ja vor allem seiner ansprechenden Preis-Leistungs-Relation zu verdanken, dass sich der CD-1 so fest und nachhaltig in unsere Hirnwindungen einbrannte.

Im Grunde genommen stammt der CD-3, unser Muster gehört übrigens zu den ersten lieferbaren Modellen, direkt vom kleinen Bruder ab. Das erkennt man daran, dass es sich bei seiner „Kopfeinheit“, also jenem der beiden Gehäuse, in dem Laufwerk, Digitalsektion und Ausgangsstufen stecken, praktisch um einen CD-1 handelt. Das Display, die hintergrundbeleuchteten Taster und selbst die robuste Abdeckung des Topladers wurden kurzerhand übernommen.

Im Gegensatz zu manch anderem Player dieser Bauart verfügt der Ayon über keine Sensorik am CD-Deckel. Man muss ihn also durch einen Druck auf die Stop-Taste in den „Open-Modus“ versetzen, um ihn durch erneute Betätigung zu veranlassen, das Inhaltsverzeichnis der frisch eingelegten CD zu studieren. Sollte man das Prozedere einmal vergessen haben, kann man es bequem vom Hörplatz aus über die stabile Metall-Fernbedienung nachholen.

Im Inneren des schwarz eloxierten Aluminium-Spielers wurde intensiv Hand angelegt. Zunächst tauschte man die vier Ausgangsröhren gegen hochwertige (und teure), aus russischer Militärproduktion stammende 6 H 30 aus und betrieb reges Feintuning an den analogen Schaltungen. Den digitalen Rechenkern ließ man jedoch weitestgehend unangetastet.

Es galt hier eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen, wie uns Living-Sound-Vertriebsleiter Gerhard Hirt berichtete. Man wollte nicht das Risiko eingehen,  nur wenige Prozent Klangsteigerung teuer über den aufwändigen Umbau der Digitalsektion zu erkaufen. Mehr Erfolg versprach aus Sicht der Entwickler das Aufwerten der Stromversorgung. Außerdem liegt hier eine echte Stärke von Ayon, da man auf Analogtechnik spezialisiert ist. ..weiter..

Profil

Ayon CD-3
Gerätetyp: CD-Spieler
um 4900 Euro
Maße: 46 x 23 x 33 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Living Sound
Tel.: 0043/312424954
www.living-sound.com

Fazit

Der CD-3 ist ein Überzeugungstäter: Egal, ob es sich um leise oder laute, zurückhaltende oder vorschnellende Musikpassagen handelt, er drückt jeder CD unweigerlich seine unvergleichliche, dynamisch mitreißende Spielfreude und sein Temperament auf. Vom Image des Blenders ist er trotzdem weit entfernt, denn er versteht es ebenso, Klangfarben sauber und natürlich herauszuarbeiten oder Feinheiten und Konturen in Höhen und Bässen darzustellen. Solide Verarbeitung.

Labor

Der eher dunkel angehauchte, voluminöse Tonfall des Ayon-Doppeldeckers findet im Frequenzgang seine Bestätigung, der in den Höhen um etwa 1,2 Dezibel absinkt,  parallel dazu aber auch im Bass um sanfte 0,4 dB einknickt. Sein Klirrfaktor (0,23 Prozent) und die Aliasing-Verzerrungen (0,027 Prozent) sind gut, Rechteck- und Impulsverhalten könnten aber noch etwas besser sein. Ebenso der Rauschabstand, den wir mit 77 dB gemessen haben. Schwer in Ordnung sind hingegen seine Wandlerlinearität, die weist bis -90 dB Abweichungen von maximal 0,8 dB auf, und die Kanalabweichung. Letztere ist mit weniger als 0,1 dB sehr gering. Der Ausgangswiderstand des CD-3 beträgt 214 Ohm. Seine üppige Netzversorgung fordert übrigens ihren Tribut: Mit 50 Watt fällt die Leerlauf-Leistungsaufnahme für einen CD-Player nicht eben bescheiden aus.