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30.09.2014

Jetzt knallt's

Ohne Fleiß kein Preis – lassen Sie uns deshalb einen kurzen Moment bei den theoretischen Grundlagen der Schallausbreitung im Raum verweilen. Am Beispiel eines einzelnen vom Lautsprecher abgegebenen Impulses, der sich akustisch als Knall manifestiert, wollen wir die Geheimnisse der sogenannten Raumimpulsantwort entschlüsseln

Die Skizze (unten) soll veranschaulichen, was ein akustisches Ereignis in Ihrem Zimmer durchmacht, bis es sich vollständig in Wärme verwandelt hat. Drei zeitlich voneinander abgegrenzte Phasen sind bei der Schallausbreitung von Bedeutung: Zuerst kommt der Direktschall auf dem kürzesten Weg – direkt von der Membran des Lautsprechers – ans Ohr. Die Box schießt den Schall aber nicht wie einen einzigen Pfeil in Richtung des Hörorgans – der Lautsprecher, der erkennt, wo sich der Hörer befindet, muß noch erfunden werden. Sie gibt ihn in nahezu alle Richtungen ab. Das heißt, der Impuls trifft auch die Wände und sämtliche Einrichtungsgegenstände des Raumes und wird dort teils reflektiert, teils absorbiert. Der Absorptionsfähigkeit ist es übrigens zu verdanken, daß der Raum später wieder zur Ruhe zurückfindet. Ohne sie würde die einmal eingebrachte Schallenergie ewig auf Wanderschaft bleiben. Einige der reflektierten Anteile treffen von der Wand sofort wieder aufs Ohr, andere werden mehrmals umgelenkt, bevor sie ihr Ziel erreichen. Dieses Phänomen nennt man diskrete Reflexionen. Sie sind wiederum Auslöser für Reflexe: Eine wahre Lawine gerät ins Rollen, die Anzahl der „Echos“ explodiert und erreicht das Ohr in immer schnellerer Folge. Ab einer gewissen Dichte kann das Gehör sie nicht mehr einzeln erkennen, sondern nimmt sie nur noch in ihrer Summe als Abklingen des Raumes bis hin zur Stille wahr, als Nachhall. Der einleuchtende Name für den gesamten Vorgang lautet Raumimpulsantwort. Er läuft durch die hohe Schallgeschwindigkeit von rund 340 Metern pro Sekunde sehr schnell ab, normalerweise vergehen kaum zwei bis drei Sekunden. Wie eine solche Raumimpulsantwort aussehen sollte, erklären wir im nächsten Monat.

RAUM IST IN DER KLEINSTEN HÜTTE

Ein Artikel aus STEREO 09/1999. Preise, Links sowie Hersteller- und Vertriebsangaben beziehen sich auf den Veröffentlichungstermin und erheben keinen Anspruch auf Aktualität.

Raumakustik: das große unentdeckte Land im HiFi-Universum. Einem großen Teil der HiFi-Anhänger ist, so steht es zu befürchten, gar nicht klar, in welch eklatantem Maße die Gestaltung der zu beschallenden Räumlichkeiten das klangliche Ergebnis beeinflußt. STEREO stellt Vorgehensweisen vor, wie man auch unter normalen – sprich beengten – Verhältnissen hervorragend Musik hören kann

Da steht sie nun, Ihre neue Traumanlage. Jahrelang haben Sie gespart, auf den sauer verdienten Urlaub verzichtet, in endlosen Hörsitzungen Ihren Händler verrückt gemacht, um sich Ihrem persönlichen Klangideal zu nähern und letztendlich ein gewichtiges Bündel Banknoten über den Tresen zu schieben.Und jetzt, in den heimischen vier Wänden? Vorbei ist´s mit der hifidelen Herrlichkeit.Von dem schnellen, präzisen Baß, der Sie im Vorführraum des Händlers noch so begeistert hat, ist nur noch ein dicker, wabernder Tieftonbrei übrig. Eine Ablösung des Klangbildes von den Lautsprechern findet kaum noch statt, geschweige denn das völlige akustische Verschwinden der Boxen, nach dem Sie doch so streben. Außerdem können Sie den Lautstärkesteller nur noch bis ungefähr halb zehn Uhr aufdrehen, darüber hinaus nervt das Klangbild dermaßen, daß der Zeigefinger wie von selbst auf die Stop-Taste der CD-Player Fernbedienung wandert.

Okay, dieses Horror-Szenario wirkt vielleicht ein wenig übertrieben, aber seien Sie ehrlich: Hie und da erkennen Sie Ihre heimische Situation wieder. Wahrscheinlich um so eher, je kleiner das Zimmer ist, in dem Sie dem Hörgenuß frönen (müssen). Und genau an Sie, die Sie nicht mit einer Räumlichkeit jenseits der 30-Quadratmeter- Marke aufwarten können, richtet sich diese kleine Artikelserie. Nicht, daß eine ganze Reihe von akustischen Problemen nicht auch in großen Räumen auftreten können, in beengten Verhältnissen ist die Gefahr des audiophilen Schiffbruchs aber sicherlich größer.

Eins steht zweifelsfrei fest: Wenn´s daheim miserabel klingt, liegt die Ursache in mindestens 95 Prozent aller Fälle an den räumlichen Gegebenheiten und nicht am HiFi-Equipment. Die erste goldene Regel lautet deshalb: Eine einfache Anlage in einem „guten“ Raum klingt um Welten besser als noch so highendige Gerätschaften unter ungünstigen Bedingungen. Fragen Sie ruhig einmal Ihren Händler: Er wird Ihnen mit Sicherheit Alptraum-Stories von HiFi-Anlagen für sechsstellige Summen erzählen können, die garantiert schlechter klingen als ein Radiowecker im STEREO-Hörraum.

Was also gilt es zu beachten, um derlei Ungemach abzuwenden? Zur Beantwortung dieser Frage suchten wir uns ein reales Fallbeispiel in Gestalt eines Zimmers, dessen Grundriß auf Seite 43 dargestellt ist.Wie Sie sehen, kann bei fünfzehneinhalb Quadratmetern von luxuriösem Platzangebot sicherlich keine Rede sein. Parkettfußboden, die Wände teils massiv, teils in Rigipsbauweise: Alles Dinge, die Ihnen zumindest zum Teil bekannt vorkommen werden.Die gute Nachricht lautet: Auch diese „Kemenate“ ließ sich mit erträglichem Aufwand zum hifidelen Himmelreich umgestalten.

Die Ausgangssituation war eine zugegebenermaßen recht rabiate: Wir begannen unsere Experimente im fast leeren Raum. Das akustische Ergebnis geriet denn auch ziemlich niederschmetternd, obwohl wir die Musteranlage „politisch korrekt“ an der langen Raumseite und mit etwas Abstand zur Rückwand positionierten und die Lautsprecher nicht in die Ecken pferchten: Es dröhnte recht ungeniert, hohe Frequenzen tönten scharf und überpräsent, Raumabbildung war so praktisch nicht vorhanden, das gesamte musikalische Geschehen waberte wie dicker Nebel durch das Zimmer.
Aber warum eigentlich ist eine solche Situation akustisch so ungünstig? Grob gesagt, weil die so erreichte Raumimpulsantwort (siehe Kasten auf Seite 44) völlig neben der Spur liegt. Das klangliche Wohl und Wehe eines Raumes hängt entscheidend von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Direktschall, diskreten Reflexionen und Nachhall ab.Und diese Ausgewogenheit ist hier mitnichten gegeben. Der vom Lautsprecher abgestrahlte Schall trifft praktisch ausschließlich auf „schallharte“ Flächen, also solche, die fast alle auftreffenden Frequenzen ohne nennenswerte Abschwächung wieder reflektieren.

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Die Zeichnungen beschreiben schrittweise die Ausbaustufen unseres Muster-Hörraums. Mit Teppich, Fenstervorhang, einigen Möbeln und Bildern mit hervorragender Absorberwirkung sowie einer schmucken Grünpflanze vor der Glastür zur Terrasse kamen wir unserem Ziel schon um einiges näher. Eine Raumzeichnung sollte den Ausbau auf jeden Fall begleiten